Tim ist fünfundzwanzig Jahre, Student und hat, seit einem denkwürdigen Ereignis mit der Mutter seines ehemaligen Freundes, ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Als er zufällig seinen früheren Klassenkameraden Bullwinkel trifft, gesteht der ihm, ebenfalls noch „Jungfrau“ zu sein. Die beiden sind sich einig, dass ihr erstes Mal etwas Besonderes sein muss und möchten deshalb nicht die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen. Auf einer Party lernen sie die zwei Stewardessen Adele und Lisa kennen. Um sie für ein nächstes Treffen gefügig zu machen, versprechen sie den beiden Frauen für die „Flashnight“ eine Droge, die sie umhauen wird.

Nun ist guter Rat teuer. Die beiden extrem unter sexuellem Druck stehenden jungen Männer sehen nur noch einen Ausweg: In Finnland gibt es einen giftigen Pilz, den nur Elche fressen und der in ihrem Urin eine wohldosierte Konzentration erzeugt, die beim Menschen eine halluzinogene Wirkung hervorruft. Kurz entschlossen besteigen sie einen Flieger von Frankfurt nach Vantaa in Helsinki. Zum Entsetzen von Tim quartieren sie sich dort bei Victor, einem „Freund“ von Bullwinkel ein. Doch es kommt noch schlimmer, als dieser seine Freunde einlädt. Wenig später irren Tim und Bullwinkel nachts bei Kälte und orientierungslos durch den Wald. Im ungünstigsten Moment taucht ausgerechnet das Ehepaar auf, dessen Bekanntschaft sie beim Hinflug gemacht haben, und die beiden Freunde müssen befürchten, dass der Mann als pensionierter Richter ihnen einen Strich durch ihre Rechnung macht. Überhaupt kommt alles anders als erhofft. In ihrer Not kommt Hilfe ausgerechnet von unerwarteter Seite, und eine resolute Zöllnerin strapaziert ihre Nerven kurz vor dem Ziel.

In dem verrückt-vergnüglichen Roman Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten von Rochus Hahn dreht sich für die beiden Protagonisten alles nur um das Eine: Sie fiebern der „Flashnight“ mit ihren Auserwählten entgegen, in der sie endlich „zum Zug“ kommen wollen. Obwohl der Autor durchaus eine gewählte Ausdrucksweise beherrscht und zwischen den Zeilen Sinnvolles und besonders zum Ende auch Nachdenkliches verlauten lässt, verfallen Tim und Bullwinkel natürlich in eine derbe Umgangssprache. Es überwiegen Gespräche zwischen den beiden oder auch mit Dritten, wobei sie um keine Ausrede verlegen sind und sich die „Bälle“ geschickt gegenseitig zuspielen.

Rochus Hahn versteht es, die eigentliche Geschichte um Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten auszumalen, indem er den Leser immer wieder mit eingeflochtenen Episoden darüber unterhält, wie einer der beiden fast zum „Schuss“ gekommen wäre, wobei der Autor einen Spruch nach dem anderen am laufenden Band „raushaut“. Mit nie gehörten Umschreibungen oder Ausführungen eines Charakters, wenn beispielsweise Bullwinkel weder ein Chippendale, noch ein Glöckner ist, überzeugt sein Erstlingswerk, mit dem er in erster Linie junge Menschen begeistern kann und weniger einen Literaturprofessor.

Rochus Hahn, Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten, Goldmann Verlag 2016, Taschenbuch, 448 Seiten, ISBN 978-3-442-48449-2, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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