Das geheime Band von Rachael English

Das geheime BandIn den 1970er Jahren galt ein uneheliches Kind noch als eine Schande. In Irland war es besonders schlimm und fast unmöglich, solch ein Kind selbst großzuziehen. Zur Geburt wurden die ledigen Mütter von ihren Eltern in ein Mutter-Kind-Heim gegeben, so wie es der zwanzigjährigen Patricia in dem Roman „Das geheime Band“ auch ergeht. Ohne ein Wort des Abschieds von ihren Eltern bringt sie der Pfarrer nach Carrigbrack. Als sie erfährt, dass die Ehefrau des Vaters ihres Kindes auch schwanger ist und ihre Eltern mit ihm darin übereingekommen sind, sein Fremdgehen zu verschweigen, ist Patricia am Boden zerstört. Während der harten Arbeit, die alle Schwangeren unter der Aufsicht von Nonnen im Heim Carrigbrack zu verrichten haben, freundet sie sich mit Winnie an. Trotz ihrer Bitten, den Gebärenden frühzeitig eine Hebamme an die Seite zu stellen, ihnen bei Arbeitsverletzungen Medikamente zu geben oder die jungen Mütter öfter zu ihren Säuglingen zu lassen, führen ihre Proteste nicht zum Erfolg und sie müssen enttäuscht einsehen, dass sie wegen ihres Aufbegehrens nur noch härtere Strafen erwarten.

Die neunundsechzigjährige Katie Carroll, die als junge Frau in Carrrigbrack als Krankenschwester gearbeitet hat, trauert ihrem infolge eines Krebsleidens verstorbenen Ehemann nach. Ihrer Nichte Beth zeigt sie ein Notizbuch, in das sie alle Geburten während ihrer Tätigkeit in dem Heim eingetragen hat. Zudem hat sie alle Armbänder der seinerzeit dort geborenen Kinder verwahrt. Beth rät ihr daraufhin, in einem Forum für Adoptionen einen Beitrag zu veröffentlichen. Kurze Zeit später meldet sich der berühmte Rockstar Gary Winter, der auf der Suche nach seiner biologischen Mutter ist, bei ihnen. Katie trifft sich mit der als Zimmermädchen arbeitenden Ailish, händigt ihr das Armbändchen aus und hilft bei der Suche nach den leiblichen Eltern. Völlig überrascht ist der in Amerika verheiratete Brandon Bennett, als er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Rachael English hat, wie sie im Nachwort schreibt, für ihren Roman „Das geheime Band“ zwar ein fiktives Heim gewählt, doch sie betont, dass die Beschreibungen auf real existierende Heime in Irland, wo es die Frauen besonders hart getroffen hat, zutreffen. Als Journalistin hat sie viele der in Heimen geborenen Frauen interviewt und sie berichtet darüber, dass „Überreste von Hunderten von Kinderleichen“ aufgefunden wurden. Der Plot erzählt im Wechsel von den Ereignissen der Protagonisten, angefangen mit den Geschehnissen um Patricia. Katie muss, selbst noch von Zweifeln befallen, ihre Schwester davon überzeugen, dass sie das Richtige tut und ist für die Unterstützung ihrer Nichte dankbar. Gary wird von seinen Bandkollegen bedrängt, wieder mit auf Tour zu gehen, Ailish wird von ihrem gewaltbereiten Ehemann unterdrückt, und Brandons Ehe mit Robyn droht zu zerbrechen, weil er die ganze Angelegenheit am liebsten ruhen lassen möchte.

Die Autorin hat die durch die erzwungenen Trennungen hervorgerufenen Ambivalenzen sowohl auf Seiten der Mütter, als auch jene bei den inzwischen erwachsenen Kindern überzeugend dargestellt. Der Umstand, dass die jungen Mütter jeglicher Rechte auf ihr Kind beraubt waren, konnte nur von einer Gesellschaft gebilligt werden, deren ‚Horizont durch blinde Ehrfurcht beschränkt‘ war und die „nur Produkte ihrer Zeit“ waren. Die Nonnen selbst mögen davon überzeugt gewesen sein, Gutes zu tun. Von den ersten Seiten an kann Rachael English den Leser an die Geschichte fesseln. Indem Einzelschicksale im Vordergrund stehen, weckt deren weitere Entwicklung die Neugier des Lesers. Ein schön aufgebauter und in sich rund verfasster Roman, der am Ende noch mit einer unerwarteten Wendung aufwartet!

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Das geheime Band von Rachael English

Das geheime Band
Goldmann Verlag 2021
Taschenbuch
576 Seiten
ISBN 978-3-442-49171-1

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Bildquelle: Goldmann Verlag
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