Im Jahre 1938 synthetisierte Albert Hofmann erstmals Lysergsäurediäthylamid (LSD). Doch in Tierversuchen bestätigte sich nicht die erhoffte Wirkung für den Einsatz als Kreislauf- und Atmungsstimulanz. Erst 1943 entschied sich der Chemiker das Lysergsäurediäthylamid erneut zu testen und hat durch unsauberes Arbeiten im Labor ein wenig davon über die Haut aufgenommen. Dabei bemerkt er eine veränderte Wahrnehmung, die er sich zunächst nicht erklären konnte. Zu Hause versank Hofmann in einen angenehmen, rauschartigen Zustand. Nur diesem Zufall ist die Kenntnis über die bewusstseinsverändernde Wirkung des LSD zu verdanken. In der darauf folgenden Woche unternahm er einen gezielten Selbstversuch, um seine Beobachtungen zu bestätigen. Doch da er die kleinste wirksame Dosis viel zu hoch einschätzte, erlebte er einen Horrortrip, der sich erst nach einiger Zeit in das wandelte, was erst viel später Hippies begeistern sollte. Glücksgefühle durchströmten ihn und er genoss das Spiel der Farben. Am nächsten Morgen fühlte er sich merkwürdig erfrischt.

Sechs Jahre später brachte Sandoz das LSD unter dem Markennamen Delysid auf den Markt. Das Präparat konnte von Forschungsinstituten und Ärzten kostenlos bezogen werden und wurde in der Psychotherapie bei Patienten mit Angst- und Zwangsneurosen sowie von Ärzten und Therapeuten zu „experimentellen Untersuchungen“ angewendet. Die Wirkung, als auch die Anwendungsgebiete des LSDs schienen fantastisch, und Delysid wurde in der Psychotherapie sowie zur Behandlung von Alkoholismus und Heroinsucht eingesetzt. Dr. Oscar Janiger untersuchte in den fünfziger Jahren, inwieweit LSD das persönliche Wachstum verbessern und die Kreativität steigern kann. Er behandelte unter anderem Stars wie Jack Nicholson und James Coburn mit LSD. Nebenher erfand er das „Microdosing“ und verabreichte depressiven Patienten nur eine Minimaldosis, die das Wohlbefinden verbesserte, aber keine Halluzinationen hervorrief.

Cary Grant hat 1959 in einem Interview nicht nur für seinen neuen Film geworben, sondern auch für das bis dahin weithin unbekannte LSD, mit dem er in der Praxis von Hartman und Chandler behandelt wurde. Durch ihn erfuhr die amerikanische Öffentlichkeit erstmals von dem sagenhaften Phantastikum. Mitte der 1960er Jahre erblühte eine neue Jugendkultur: Die Hippies. Sie probierten alternative Formen des Zusammenlebens aus und glaubten, LSD könne aus jedem einen besseren Menschen und aus allen zusammen eine bessere Gesellschaft machen. Doch nirgendwo wirkte der Wandel des psychedelischen Zeitalters so sehr wie in der Musik, denn die Kreativität diverser Künstler und Bands wurde in den 60er und 70er Jahren durch LSD entscheidend beeinflusst. Im Oktober 1966 wurde LSD in Kalifornien verboten und zwei Jahre später in den übrigen Staaten der USA. Dafür überschwemmten nun gefährlichere Drogen den illegalen Markt.

Das äußerst informative Buch Acid ist fertig von Alexander Fromm erweckt zunächst den Eindruck, als würde es sich bei LSD um eine relativ harmlose Droge handeln, die ähnlich wie Marihuana gefahrlos konsumiert werden kann. Obwohl LSD kein Suchtpotential besitzt und anscheinend auch keine körperlichen Gesundheitsschäden hervorruft, kann der Konsum zu schweren psychischen Schäden führen. Denn die Wirkung des LSD hängt nicht nur von der Dosierung ab, sondern auch von der mentalen Verfassung des Konsumenten und seiner Umgebung. Die Einnahme kann zu einem Horrortrip werden, und der Autor erwähnt an einigen Stellen auch den sogenannten „Tripsitter“, eine nüchterne Person, die eine solche Erfahrung verhindern oder zumindest abmildern kann. So berichtet Robert Crumb, der wichtigste Vertreter des Undergroundcomics, wie er nach einem Trip ein halbes Jahr neben sich stand und höchst bizarre Visionen mit seinem Skizzenbuch einfing. Er durchlebte eine drogeninduzierte Psychose. Warum allerdings nicht nur der freie Konsum von LSD verboten wurde, sondern auch die Forschung, ist nicht nachvollziehbar, da es als Medikament eingesetzt, geradezu fantastische Möglichkeiten bietet. Alexander Fromm macht mit seinem Buch Acid ist fertig deutlich, welchen Einfluss LSD seit seiner Entdeckung auf unsere Kultur ausgeübt hat. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben, es kann mit zahlreichen Informationen aufwarten, die nicht jedem bekannt sein dürften und eignet sich auch als Nachschlagewerk.

Alevander Fromm, Acid ist fertig, Vergangenheitsverlag 2016, Klappenbroschur, 158 Seiten, ISBN 978-3-86408-214-6, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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