Dass es nicht immer ein Pauschalurlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel sein muss, beweist Brigitte Vollenberg in ihrem Reiseroman Wolkenlos chaotisch². Erste Ausflüge führten sie bereits 1961 mit den Eltern an die Nordsee und ins Sauerland, was jedoch für die Autorin nicht mit einem Urlaub zu vergleichen war, den sie 1971 im eigenen PKW mit einer Freundin nach Zandvoort unternahm und der ihr ganz neue Perspektiven eröffnete. Mit ihrem späteren Ehemann Peter zog es sie nach London, wo die Gastfamilie allerdings streng auf getrennte Zimmer achtete.

Ein Ausflug nach Paris, der durch die Plünderung der Doppelkopfkasse ermöglicht wurde, erstickte wegen mangelnder Hygiene in dem Zimmer bei Brigitte Vollenberg jegliches sexuelle Interesse im Keim. Ein Abenteuer war schon die Überfahrt nach Irland auf einem „uralten Kahn“, das eine Fortsetzung auf einem gemieteten Boot auf dem Shannon fand. Eine Panzersperre erleichterte die Entscheidung, nicht nach Belfast zu fahren und in Dublin nahm die Autorin zur Kenntnis, dass in den Fahrzeugen sämtliche Lenkräder mit dicken Ketten und Vorhängeschlössern gesichert wurden.

In Skandinavien machten Brigitte und Peter die Erfahrung, dass sich nicht jedes befreundete Paar für einen gemeinsamen Urlaub eignet und ein Jahr später verbrachten sie in Finnland einen Urlaub mit Plumpsklo, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Abenteuer pur hieß es eines nachts während einer Bootsfahrt, ohne Licht! Die Autorin schreibt von mutigen Tauchgängen in einer Talsperre im Sauerland, in einem Bergsee im Allgäu, an der Costa Brava und auf Ibiza. Aber auch in der Schweiz wurde sie nicht von Überraschungen verschont, als sie die Tücken eines Mietwagens zur Verzweiflung brachten.

Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Denn was Brigitte Vollenberg seinerzeit oftmals an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, amüsiert den Leser bei der Lektüre, die er an einigen Stellen mit Spannung verfolgt. Ihrer Erzählkunst ist es zu verdanken, dass sich der Leser gut in ihre Stimmung versetzt fühlt, wenn sie beispielsweise in Amsterdam einen Coffeeshop besucht hat. In Dublin gab es für sie in den Musik-Pubs selbstverständlich ein frisch gezapftes Guinnes und auf Ibiza stürzte sie sich ins Nachtleben. Auf dieser Insel hatte sie übrigens das Glück, zu einer Zeit den legendären Hippiemarkt zu besuchen, als der diesen Namen noch verdiente.

Sehr genau beobachtete die Autorin bei ihren Reisen die Menschen und sie schreibt von traurigen und leeren Gesichtern, in die sie bei den Clochards, den Obdachlosen von Paris, blickte. Sie berichtet vom „Hafen der Tränen“, der an das Leid vieler Iren vergangener Tage erinnert, die wegen Hungersnöten auswanderten. Durch einen typischen Vergleich, dass ihr die Ruhe in Finnland stiller als sonst wo auf der Welt vorkam, vermittelt sie Authentizität. Im Epilog von Wolkenlos chaotisch² verweist sie schließlich darauf, dass Reisen mit schulpflichtigen Kindern in den vorgegebenen Ferien das Urlaubsbudget empfindlich trifft. Leider treffen extrem viele Fehler das ansonsten als Urlaubslektüre zu empfehlende Buch den Leser auch ganz empfindlich, was seine Freude auf Neuerscheinungen des Verlages, auf die der Geschäftsführer Jürgen Ludwig im Anhang hinweist, erheblich dämpft.

Brigitte Vollenberg, Wolkenlos chaotisch², Cenarius Verlag 2013, Taschenbuch, 156 Seiten, ISBN 978-3-940680-42-6, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Eine herrliche Lektüre für den Urlaub. Ich habe mich köstlich amüsiert.

    Liebe Grüße
    Gerti

  2. Das stimmt, schließlich handelt es auch von den schönsten Wochen im Jahr, die leider für die Autorin nicht immer nur schön waren. Aber das ist lange her und es ist längst „Gras darüber gewachsen“

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