Der Journalist Nikolaus Peternella soll im Auftrag seines Verlages den Schriftsteller Wolfgang Maria Peter interviewen. Er verabschiedet sich von seiner Lebensgefährtin und seiner Nemesis, dem Hautarzt Dr. Eigenstuhler, und reist mit dem Zug nach Bad S. Von der Idylle der Berge und Seen ist er angetan und hat im Haus Seeblick ein Zimmer.

Peternella besucht den Schriftsteller auf Mariaplan, doch das Interview verläuft nicht wie erwartet. Im Frühstücksraum der Pension trifft Peternella auf seinen alten Studienkollegen, der ebenfalls eine Reportage schreiben soll. Zufällig wohnt sein Interviewpartner Alois Prrhrrwcz, ein berühmter Bildhauer und Nazikommunist, auch auf Mariaplan. Bei einem weiteren Treffen mit dem Schriftsteller Peter erfährt Peternella, dass dieser seinen Nachbarn nicht ausstehen kann und Peter überredet Peternella, auf die Blumenbeete des verfeindeten Nachbarn Prrhrrwcz Kuhmist zu verteilen.

Im Verlaufe eines Besäufnisses in der Pension sieht Peternella nicht mehr klar. Dass neben Schweinen an der Feier auch Kinder auf den Grill gespießt und gegessen werden, könnte an seiner gestörten Wahrnehmung liegen. In Ermangelung eines eigenen Fahrzeugs muss er sich jedes Mal von der Pension nach Mariaplan bringen lassen und gelegentlich begleiten ihn dabei noch weitere Fahrgäste im Auto, das der Zivildiener Isidor steuert. Bei einem Treffen fachsimpeln Peternella und Peter über Gott und die Welt, über Freud, Schopenhauer und Voltaire. Peter enthüllt dem Journalist, dass er an einem großen Stück schreibt, an Voltaires Arschbacken, für das er ihm die Exklusivrechte verspricht. Allerdings verlangt er von Peternella mit ihm in dessen Stadtwohnung zu fahren.

Johannes Witek legt mit Voltaires Arschbacken einen skurrilen Roman vor. Allein die Namensgebung der Handlungspersonen, die Unwahrscheinlichkeitspointner, Prrhrrwcz oder Wimpissinger heißen oder auch die Ortsnamen Wippenzipfel und Subenzipfel zeugen von einem exzentrischen Autor. Eine Person erzählt in dem Roman eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt wird, was ungewöhnlich ist. Befremdlich ist für den Leser auch der Widerspruch zwischen häufig verwendeten Fremdwörtern, die den meisten wohl nicht geläufig sind und einer derben Umgangssprache. Alle Männer und Frauen, auf die Peternella trifft, sind fast ausnahmslos fett. Johannes Witek gibt nichtssagende Dialoge wieder, wobei diese Art der Konversation vielen Lesern nur zu bekannt vorkommen dürfte. Er verblüfft mit einigen Aussagen, deutet Beziehungen als Hingabe zu ehelichem Stumpfsinn und geht auf interessante Art der Frage nach, an welcher Stelle der Tod beginnt oder was einen Menschen ausmacht. Die originelle und einzigartige Ausdrucksweise des Autors bringen den Leser an manchen Textpassagen zum Lachen und er liest weiter, weil er natürlich erfahren möchte, ob der Journalist seiner Aufgabe gerecht wird. Doch einiges aus dem bizarren Roman wird ihm wohl für immer unklar bleiben. Warum tritt Peternella immerzu die Katze und was will uns Johannes Witek mit seinem Roman Voltaires Arschbacken, den eine gelungene Cover-Illustration von Jonas Gierse ziert, sagen?

Johannes Witek, Voltaires Arschbacken, Chaotic Revelry Verlag 2013, Hardcover, 167 Seiten, ISBN 978-3-9815811-0-2, Preis: 15,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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