Jedes Kind hat sich schon einmal mit Geschwistern, einem Nachbarkind, mit Kindern auf dem Spielplatz oder im Kindergarten gestritten. Meistens ist der Streit schnell beigelegt und vergessen. Doch was empfinden Kinder, wenn sich die Erwachsenen, ihre Eltern, streiten? Obwohl die Mutter eines kleinen Mädchens in dem Buch Was meine Eltern von mir lernen können behauptet, mit dem Vater gerne zu streiten, ist die Kleine davon absolut nicht überzeugt. Denn wenn sie abends im Bett liegt, hört sie ihre Mutter weinen. Während die ihrem Mann vorhält, dem Alkohol zuzusprechen, flüchtet er in sein Zimmer und sie sitzt alleine im Wohnzimmer.

Natürlich ist auch diesem Mädchen ein Streit unter Gleichaltrigen nicht fremd und sie kennt Hannes, der zu Marlene im Streit sogar „Zimtzicke“ sagt, während die ihn eine „Dumpfbacke“ schimpft. Selbst hat sie fast jeden Tag Streit mit Moritz, der einfach die Haare ihrer Puppe abgeschnitten hat, wofür er sich allerdings später entschuldigt und ihr sogar eine neue Barbie geschenkt hat. Es kommt auch vor, dass die beiden Hilfe von Frau Maiwald, die meistens ein Blumenkleid trägt, in Anspruch nehmen müssen um sich zu vertragen. Manchmal endet ein Streit aber auch ganz plötzlich und sie kitzelt Moritz und er sie, bis beide lachen.

Doch jetzt streiten ihre Eltern schon wieder. Nachdem sie ihnen vorgehalten hat, das nicht mehr länger auszuhalten, machen sie sich gegenseitig Vorwürfe. Ihre Tochter verkündet daraufhin zu Frau Maiwald zu ziehen, und erst jetzt stellen die Eltern bekümmert fest, dass sie nur an sich und gar nicht an ihr Kind gedacht haben. Was meine Eltern von mir lernen können, denkt sich die Kleine, ist, sich nicht mehr so oft zu streiten. Deshalb empfiehlt sie ihnen, sich zuerst einmal zu küssen.

Mathias Jeschke hat dem kleinen Mädchen, das die Geschichte in der Ich-Form erzählt, keinen Namen gegeben. Er lässt auch offen, wer Frau Maiwald ist. Sie könnte eine Erzieherin oder Nachbarin der Kinder sein und ist der Meinung, dass das Leben zu schade ist, um sich zu streiten. Eigentlich lernen Kinder, zumindest in den ersten Lebensjahren, von ihren Eltern. Doch der Autor zeigt in seinem Buch auf, dass durchaus Eltern auch von ihren Kindern lernen können. Denn obwohl es unter Kindern häufig zu Streitereien kommt, sind sie noch in der Lage, sich ganz schnell zu versöhnen. Anders als Erwachsene sind sie nicht nachtragend und erheben nicht immer neue Vorwürfe.

Der in großer Schrift gedruckte und von Mathias Jeschke verfasste Text ist farblich und in kindgerechter Form von Maja Bohn illustriert worden. Es bleibt zu hoffen, dass gerade auch den Kindern in einem Kindergarten oder bei anderer Gelegenheit aus dem Buch vorgelesen wird, bei deren Eltern Streitereien an der Tagesordnung sind, damit sie eines Tages ihre Eltern dazu auffordern können, sich zu vertragen und dazu schon einmal mit dem Küssen zu beginnen.

Mathias Jeschke, Was meine Eltern von mir lernen können, Hinstorff Verlag 2015, Hardcover, 24 Seiten, ISBN 978-3-356-01995-7, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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