Mit einer Sammlung von zwanzig makabren Kriminalgeschichten wartet das Buch Totgelacht von Manfred Koch auf. Da bewundert ein Kriminalkommissar tatsächlich einen Viersternekoch, der bei vierzehn begangenen Morden nicht die kleinste Spur hinterlassen hat. Ein Möbelhaus preist seine Besteckserie „Skalpellen“ und den neuen Lehnstuhl „Folteren“ an, ein vermeintlicher Neffe will den Onkel um sein Geld prellen, und ein Journalist muss von seinem Chef Vorhaltungen wegen schlampiger Recherchen einstecken. Angehende Meuchlerinnen und Meuchler wohnen einem Vortrag über den perfekten Mord bei, und ein Bankräuber kommt erst zu spät zu der Einsicht, wie nützlich Fremdsprachen sein können.

Ungewöhnlich reagiert ein Polizist auf das Geständnis eines Mörders, und aus Unachtsamkeit stellt ein Ehemann das Video von dem Mord an seiner Frau ins Netz. In einer weiteren Geschichte berichtet ein Polizist von einem Wettbewerb eines Wirtes, der ein Pilzgericht nach dem Vorbild von russischem Roulette kreiert, weil einem Gast ein Knollenblätterpilz serviert werden soll. Beim Ansehen eines Kriminalfilmes dreht ein Mann durch, und ein Mörder sucht auf dem Weg zur geeigneten Todesart nach den Chakren seines Opfers.

Eine Geschichte hat „Leichenfälschungen“ zum Thema, in einer anderen finden ein Herrchen und sein Hund beim Spaziergang einen Toten ohne Kopf und in einer weiteren fabuliert ein Räuber über die Tatzeit. Während ein Mann von den Entführern seiner Frau ein Lebenszeichen verlangt, erschlägt ein anderer seine Frau und sein Kind mit einem Kuhfladen, um sich selbst im Anschluss die Pulsadern mit seinem Heiligenschein aufzuschneiden. Ein Tatortreinigungsspezialist ist der Meinung, dass er zu Hause nicht mehr beim Putzen helfen muss, wenn er das schon zur Genüge am Tatort tun muss. Einem ungewöhnlichen Paar wird das Eheversprechen abverlangt, ein Ehemann will endlich von seiner Frau vergiftet werden, und ein Opfer sucht Hilfe bei einer Notrufzentrale.

Aus diesen kurzen Schilderungen wird schon mehr als deutlich, dass es sich bei dem Buch Totgelacht nicht um ernste Kriminalgeschichten, sondern eben um „Krimikillerkrimis“ handelt, in denen Manfred Koch den Leser mit allerlei Unglaublichem konfrontiert. Dabei handelt es sich immer nur um einen Erzähler, der zu einem Opfer, Mörder, Dieb, Kripobeamten, Erpresser, zu Angestellten oder auch zu einem Hund spricht.

In den Geschichten nimmt der Autor beispielsweise die Namensgebung von Artikeln des Möbelriesen IKEA oder die Seifenoperndarsteller und Schlagercastingshows aufs Korn und macht sich über die zunehmend gängige Praxis der automatischen Telefonansagen lustig. Häufig wartet er auch mit genialen Wortspielereien á la Loriot auf. Er erinnert in einer Geschichte aber auch an den von den Nazis geförderten Verein Lebensborn, der die Erhaltung der arischen Rasse durch eine Erhöhung der Geburtenrate zum Ziel hatte. Die Kurzgeschichten sind an Absurdität, Irrwitz und Blasphemie kaum zu überbieten. Liebhaber des schwarzen Humors werden von Totgelacht begeistert sein und sollten beim Lesen öfter eine Pause einlegen, um sich nicht totzulachen.

Manfred Koch, Totgelacht, Styria Krimi 2015, Taschenbuch, 187 Seiten, ISBN 978-3-222-13506-4, Preis: 12,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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