In einer Westernstadt taucht am Horizont ein Cowboy mit einem auffällig großen Hut auf und fragt eine imaginäre Person, warum sie so glotzt. Als er hört, dass er nur angeguckt wird, will er wissen, ob der andere Streit sucht. Der Cowboy droht mit einer Pistole, was die andere Person jedoch nicht beeindruckt, da es sich bei der Pistole lediglich um eine Banane handelt. Nun hält der Cowboy sein Gegenüber wegen der Entlarvung für einen Schlaumeier und meint, ihn auch ohne eine Pistole wegpusten zu können. Pusten, bekommt er zur Antwort, kann der andere auch, der daraufhin tief Luft holt und den Cowboy auf einen fernen Planeten pustet.

Schon beim Anblick des Kinderbuches Suchst du Streit? von Karsten Teich fällt das überdimensionale Format auf. Für Verblüffung sorgt sowohl bei den Kindern, als auch bei den Eltern, die ihren Kleinen vorlesen, bereits die erste Seite des Buches. Denn außer einer großen, mit einigen Steinchen bedeckten sandigen Straße, die eine Häuserfront mit einem Laden und einem Saloon säumt, ist lediglich in der Ferne bei untergehender Sonne ein schmales „Strichmännchen“ zu sehen, das „He, du!“ ausruft. Auf den folgenden Seiten nähert sich ein Cowboy mit einem rot-karierten Hemd und Halstuch, dessen Gesicht vor Wut rot wird, weil er nicht angeguckt werden will.

Karsten Teich geht bei diesem Kinderbuch sparsam mit Worten um, was unterschiedliche Interpretationen zulässt. Da außer dem Cowboy keine zweite Person in der Westernstadt zu erkennen ist, könnte mit den Worten des Cowboys, die zunächst nur auf der rechten Buchseite zu finden sind, der Leser direkt angesprochen sein. Die Antworten auf der linken Seite könnten in dem Fall eine mögliche Hilfestellung für die Kinder sein, wie sie auf die Aussagen des Cowboys reagieren sollten. So muss es aber nicht zwangsweise vom Autor gemeint sein. Vielleicht soll die imaginäre Person auch einfach nur stellvertretend für einen x-beliebigen Menschen stehen. Auffallend ist auch, dass ab dem Moment, wo die Pistole als Banane entlarvt wird und sich quasi das Blatt wendet, die linken Seiten dem Cowboy gehören. Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass sich der Cowboy letztlich als der wahre Streitsüchtige entpuppt, obwohl er den anderen Menschen beschuldigt Streit zu suchen.

Ob das Kinderbuch Suchst du Streit? schon selbst gelesen werden kann, oder ob es vorgelesen wird – zumindest beim ersten Mal wird es ein Lächeln auf die Gesichter von Kindern zaubern, wenn sie sehen und hören, dass die vermeintliche Pistole lediglich eine Banane ist. Zu guter Letzt werden sie sich hoffentlich immer dann, wenn sie selbst ein „großes Maul“ riskieren, an den zerknirschten Cowboy der letzten Buchseite erinnern, der einsam und weit weg von der Erde ein stilles Dasein fristet. Wenn durch das Buch die kindliche Fantasie angeregt und das eine oder andere Kind zum Nachdenken über Streitereien gebracht wird, dürfte damit eine Intention des Autors erreicht sein.

Karsten Teich, Suchst du Streit?, Hinstorff Verlag 2015, Hardcover, 32 Seiten, ISBN 978-3-356-01896-7, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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