Vier Tage im Juni von Jan-Christoph Nüse

Vier Tage im JuniJohn F. Kennedy fand im November 1963 in Dallas durch mehrere Schüsse den Tod. So viel zu den Fakten. In seinem Politthriller „Vier Tage im Juni“ geht Jan-Christoph Nüse von einem anderen Szenario aus: Auf den amerikanischen Präsidenten, der tatsächlich Deutschland vom 23. bis 26. Juni 1963 besucht hat, wird ein Attentat verübt. Der BKA-Beamte Thomas Malgo soll seinen Chef Paul Dickopf, Chef der Sicherungsgruppe in Bonn, während dessen Abwesenheit vertreten, weshalb er alles für den anstehenden Besuch von John F. Kennedy vorbereiten muss. Tatsächlich will schon am ersten Tag ein Attentäter den Präsidenten töten, was jedoch ein Scharfschütze verhindern kann.

Malgo wundert sich darüber, dass der Attentäter vom Secret Service auf die Militärstation der Botschaft gebracht wird. Über einen Journalisten hat er Zugang zum Filmarchiv und kann kaum glauben, auf einem Film seinen alten Freund Augustyn Nowak zu sehen. Seit Kindheitstagen kennen sich die beiden, und Malgo war einst in dessen Schwester Alina verliebt. Der BND verdächtigt Malgo, den Angriff unterstützt zu haben und stellt ihn unter Hausarrest. Dass der Attentäter von einem Scharfschützen getroffen wurde, der an dieser Stelle eigentlich gar nicht hätte positioniert sein dürfen, ist auch der mit einem scharfen Verstand ausgestatteten Dolmetscherin Diane Leaton nicht entgangen. Obwohl Malgo vom Dienst suspendiert ist, bittet sie ihn um Unterstützung, zumal sie den Secret Service in die Sache verwickelt sieht. Um zu verhindern, dass der amerikanische Präsident auf deutschem Boden getötet wird, muss Malgo seinen Kollegen Alfons Deckert, Abteilungsleiter Personenschutz, von seiner These überzeugen.

Jan-Christoph Nüse hat seinem Politthriller „Vier Tage im Juni“ eine kleine Chronologie der politischen Situation vorangesetzt und deutlich gemacht, dass der Präsident sich nicht nur Freunde, sondern vor allem auch Feinde geschaffen hat. Der Plot beschreibt die immensen Vorbereitungen für die geplante Europareise, bei der es nicht nur gilt, den Streckenverlauf zu sichern. Bis ins kleinste Detail gehen die Planungen, Krankenhäuser müssen mit entsprechendem Personal und Blutkonserven vorbereitet sein, für wichtige Posten muss Ersatz gefunden werden, und das alles mit einem enormen Polizeiaufgebot.

Der Handlungsverlauf wird einerseits durch die Ereignisse um die Personenschützer in Bonn, andererseits durch Gespräche zwischen dem Präsidenten, seinem Berater Ted Sorensen und dem Leiter des Secret Service James Weston bestimmt. Zudem ist von den Verschwörern die Rede, die nicht vor weiteren Morden an unliebsamen Zeitgenossen zurückschrecken. Der Autor hat eingehende Recherchen bezüglich der damaligen politischen Situation sowie des Lebensweges von John F. Kennedy betrieben, wobei er an einer Stelle daran erinnert, dass dieser als Sechsundzwanzigjähriger im Jahr 1943 Kommandeur eines Schnellbootes war und einen mit einer Schwimmweste ausgestatteten, verletzten Kamerad über fünf Kilometer zu einer Insel zog. Auf geniale Weise sind in dem authentisch wirkenden Plot historische Fakten zu einem erstklassigen und spannenden Politthriller verarbeitet.

Vier Tage im Juni von Jan-Christoph Nüse

Vier Tage im Juni
Gmeiner Verlag 2020
Klappenbroschur
348 Seiten
ISBN 978-3-8392-2768-8

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Bildquelle: Gmeiner Verlag


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