Unter dem Stichwort „Geldwäsche“ erfährt man auf Wikipedia, dass die Zahl der ungelösten Fälle von nur 26 im Jahr 2004 auf 814 im Jahr 2011 gestiegen ist und dass nach einer Schätzung aus dem Jahr 1999 zwischen zwei und fünf Prozent des globalen Weltbruttoinlandsprodukts aus illegalen Quellen stammen sollen. Barbara Lutz hat sich in ihrem Kriminalroman Russische Freunde den Machenschaften illegaler Finanzgeschäfte gewidmet.

In die Wohnung von Juri Salnikow, einem in Bern lebenden russischen Studenten, wird eingebrochen. Ilka Kovacs, die sich mit Aushilfsjobs über Wasser hält, wohnt genau unter ihm und entdeckt in einer Abstellkammer des Hausflurs einen Koffer von Juri. Sie nimmt einen sich darin befindlichen USB-Stick in düsterer Vorahnung an sich, da Juri verschwunden ist. Eine Woche später wird auch in ihre Wohnung eingebrochen, doch wird außer dem Koffer nichts entwendet. Da erreicht Ilka eine Karte ohne Absender aus Leukerbad, die sie als einen Hilferuf von Juri interpretiert. Doch jegliche Hilfe kommt zu spät, da Juri tot im Schwimmbad in Leukerbad aufgefunden wird. In seiner Wohnung, zu der sie Zugang hat, findet sie sein Handy und beschließt, auf eigene Faust den rätselhaften Tod ihres Nachbarn aufzudecken.

Ilka besucht frühere Freunde von Juri und fährt nach Leukerbad, wo sie mit dem Bademeister Alexandre Pereira spricht. Von einer Angestellten wird sie zu einem Garderobenkasten geführt, den Juri angemietet hatte, der zu ihrem Erstaunen viel Geld enthält. Auf der Polizeiwache belauscht sie ein Gespräch zwischen einem Beamten und Lothar Perren, von dem sie in Erfahrung bringt, dass er dem Gemeinderat von Leukerbad angehört und Notar ist. Immer wieder tauchen bei ihren Ermittlungen die Namen AdFin, Perren und Grigori Gussew auf, Ilka fühlt sich zunehmend in die Enge getrieben und aus Angst mietet sie ein kleines Büro in einem anonymen Hochhaus an. Mit einer besorgten Waffe fühlt sie sich wie eine Agentin und sucht Hilfe bei einer Schweizer Meldestelle gegen Geldwäsche, wo sie sich zu dem in ihrem Besitz befindlichen Stick Informationen zu Finanztransaktionen erhofft. Da stößt sie auf eine Todesanzeige von Tobias Bucher, den sie aus der Anrufliste von Juris Handy kennt und über ihn führt ihr weiterer Weg zum Erbschaftsamt in Bern.

Barbara Lutz hat in dem Kriminalroman Russische Freunde ein heißes und komplexes Thema spannend umgesetzt. Sehr anschaulich und in leicht verständlicher Form beschreibt sie den „Filz“, wie durch fiktive Rechnungen im Ausland legales Geld in den Finanz- und Wirtschaftskreislauf eingeschleust wird und dem die kriminelle Herkunft nicht mehr nachzuweisen ist. Der Leser kann sich gut in die Lage der natürlich wirkenden Protagonistin versetzen, die in der Ich-Form erzählt. Barbara Lutz ist es gelungen, den Leser mit wenig wörtlicher Rede trotzdem an das Buch zu fesseln. Neben dem Thema der illegalen Finanzgeschäfte hat sie noch auf die Situation vieler Menschen hingewiesen, die Bewerbungen auf Stellen schreiben, die sie sowieso nicht bekommen und sie amüsiert den Leser damit, dass beim Friseur der Dorfklatsch im Preis inbegriffen ist.

Barbara Lutz, Russische Freunde, Limmat Verlag 2013, Hardcover, 240 Seiten, ISBN 978-3-85791-707-3, Preis: 28,50 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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