Ediew Chasimikow hat durch Zufall ein Gespräch tschetschenischer Terroristen aufgeschnappt. Den Inhalt gibt er weiter, bis das „Geheimnis“, bei dem es sich um eine Mörderische Fracht handelt, bei der Russin Elena Bakarova landet. Dabei geht es um einen Anschlag auf einen russischen Öltanker. Elena, die das verhindern will, schlägt sich zu ihrem alten Vertrauten, dem Neuropsychologen Dr. Thomas Nyström nach Deutschland durch und entgeht dabei nur knapp dem Tod. Denn der ehemalige Bosnienkämpfer Yves Morisaitte hat mit ihr noch eine alte Rechnung zu begleichen. Dr. Nyström hat vor zwei Jahren versucht, Morisaitte mit einer Überdosis Insulin zu töten, da dieser seine Geliebte Helen Jonas umgebracht hat. Morisaitte sinnt nun seit zwei Jahren auf Rache und hat es ebenfalls auf die Schwester von Helen, auf Anna Jonas abgesehen. Dr. Nyström wiederum plagen Schuldgefühle, da er sich seinerzeit der Künstlerin Jaqueline van t-Hoff bedient hat. Sie war die Geliebte von Morisaitte und hat ihn an Dr. Nyström verraten. Der konnte den Verrat allerdings nicht für sich behalten und hat damit den Mord an Jaqueline heraufbeschworen.

Dr. Nyström stellt sich zusammen mit Anna und Elena nun die Frage, was wohl an dem gehüteten Geheimnis dran sein kann und wo bzw. wann der Angriff stattfinden soll. Die drei kommen zu dem Schluss, dass aller Wahrscheinlichkeit nach das Ziel die Ostsee sein wird. Zahlen, die sie anfangs nicht einordnen können, entpuppen sich als Koordinaten und schnell wird als Ziel die Kadetrinne ermittelt, eine äußerst sensible Schiffspassage. Eine Ölpest verheerenden Ausmaßes mit vielen verendenden Tieren wäre die Folge, die es zu verhindern gilt. Nyström, Anna und Elena wenden sich an Meiners vom Institut für Meeresbiologie und gemeinsam mit Hartmann von der Bundespolizei und Maybauer vom Bundesnachrichtendienst suchen sie mit anderen nach einer Lösung. Die Russen schicken ihnen noch Anatol Grygoriew zur Hilfe, den Elena von früher kennt und den sie zu ihren Feinden zählt.

Mörderische Fracht von Lukas Erler ist der zweite Band einer Trilogie. Im Vordergrund steht hier nicht ein Ermittler, wie in vielen Krimis üblich, und auch nicht ein Mörder. Sondern Dr. Nyström, der nach zwei Jahren von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Er erzählt auch, mit Ausnahme der ersten Seiten, alles aus seiner Perspektive. Obwohl erwähnte Attentate, ausgeführt von bulgarischen, russischen oder amerikanischen Geheimdiensten, und ebenso die Perestroika und der Tschetschenienkrieg mit seinen über einhunderttausend Toten bis zum 1996 geschlossenen Friedensvertrag einen realen Hintergrund haben, hat Lukas Erler doch mit dem Terroranschlag auf ein Schiff in der Kadetrinne die hypothetische Frage aufgeworfen, was wäre wenn…? Mit trockenem Humor hat der Autor die Figur seines Protagonisten ausgestattet, womit sich der Ich-Erzähler schnell beim Leser beliebt macht. Allerdings sollte der Leser nicht auf Wiederholungen von Sachverhalten hoffen, wie sie sonst bei Krimis häufig anzutreffen sind. Konzentriertes Lesen zahlt sich aus, denn dieser politische Krimi ist keine leichte Lektüre. Überraschend heizt der Autor fast am Ende des Romans noch einmal mit einem weiteren Spannungsbogen so richtig ein. Mit Mörderische Fracht hat Lukas Erler geradezu eine Vorlage für ein Drehbuch geschaffen und der Leser darf sich auf den letzten Band der Trilogie freuen, wenn sich Nyström auf die Suche nach einem alten „Bekannten“ begibt.

Lukas Erler, Mörderische Fracht, Kein & Aber 2011, Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, ISBN 978-3-0369-5591-9, Preis: 18,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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