Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel

Ruhet in FriedbergAndi und Fipsi kennen sich seit der Schulzeit und arbeiten beide als Aushilfen bei den Bestattern Macho, Gustl und Hubsi in Friedberg. Als Andi bei einer Beerdigung stutzig wird, weil der Sarg des Toten, den er kannte, viel zu schwer ist, kommt ihm ein ungeheuerlicher Verdacht: Irgendjemand scheint etwas in dem Sarg verschwinden lassen zu wollen?

Um es vorwegzunehmen: Der Kriminalroman „Ruhet in Friedberg“ von Rudolf Ruschel ist kein gewöhnlicher Krimi und zudem ist er schwärzer als schwarz. Darüber hinaus „springt“ der Autor bei der Erzählung von „Höcksken auf Stöcksken“ und der Leser, den er direkt anspricht, vermisst zunächst den roten Faden, bis er sich in das Geschehen eingelesen hat. Handlungsort ist die kleine Stadtgemeinde Friedberg in der österreichischen Steiermark Ende der 1990er Jahre. Mit von der Partie ist Pfarrer Geri und Wirt Rebhansel in der „Bier Allee“. Andi, der nebenbei in Wien studiert und an einem Manuskript arbeitet, das er bei einem Verlag einreichen will, treibt es regelmäßig mit der aus dem Kosovo stammenden und im Ort als Putzfrau arbeitende Muslima Vali auf einem Dachboden. Allerdings ist auch sein bester Freund Fipsi heimlich in Vali verliebt. Dass sie sich mehr von der Schmuserei mit Andi erhofft, geht ihm gehörig auf die Nerven. Die eigentliche Katastrophe nimmt ihren Lauf, nachdem Fipsi auf einem Geburtstag versehentlich einen Transvestiten erschossen hat, denn seitdem müssen die Bestatter für Mirko Vrani und seinen Vater Dušan Leichen entsorgen.

Die Handlungspersonen sind allesamt im Umgang mit anderen wenig, oder besser gesagt überhaupt nicht zimperlich: Da wird der „nächstbesten Dunja“ mit „drei oder vier kraftvoll durchgezogenen Hieben mit dem Aschenbecher das Jochbein zu Brei geschlagen“. Damit der Sarg nicht überquillt, muss der dazugelegte Tote „gleichmäßig verteilt“, sprich zersägt werden, „ein Händchen ab, dort eines dazu, hier ein Bein mehr, da eines weniger“. Rudolf Ruschel schreibt von so skurrilen Dingen, dass ein Mensch versehentlich überfahren wird, der nach einem zuvor missglückten Suizid auf der Fahrbahn zum Liegen kam, und das alles nur aus verschmähter Liebe. Aus einem Sarg ertönen Klingeltöne eines Handys und, wie könnte es auch anders sein?, das Handy gehört nicht einmal dem Toten!

Rudolf Ruschel bemächtigt sich eines für sein Heimatland Österreich typischen Satzaufbaus wie beispielsweise „weil in dem seinem Gesicht“, eine Person „ist am Fenster gestanden“ oder „dem Hubsi seine Eltern“. Die Begriffe „rüberspechteln“ oder „speiben“ dürfen wohl mit „gucken“ und „übergeben“ im Zusammenhang mit Übelkeit verstanden werden. Da der Euro erst mit Beginn des Jahres 2002 eingeführt wurde, sind entsprechend die Geldbeträge in Schilling genannt. Der Kriminalroman „Ruhet in Friedberg“ ist weniger für Freunde spannender Krimis gedacht, als für Liebhaber des allerschwärzesten Humors, denen selbst eine Bestattung nicht heilig sein darf, denn die kommen bei dem vorliegenden Plot garantiert voll auf ihre Kosten.

Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel

Ruhet in Friedberg
btb Verlag 2020
Klappenbroschur
304 Seiten
ISBN 978-3-442-71901-3

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Bildquelle: btb Verlag


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