Das SOKO-Team in Lüneburg unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Rainer Mohns und seiner Stellvertreterin Irene Bauer kann die als vermisst gemeldete zwölfjährige Saskia nur noch tot ausfindig machen. Das erwürgte Mädchen ist unbekleidet, hat allerdings Blumenschmuck im Haar. Johan Helms gehört als Fallanalytiker vom LKA dem Team an und bittet das BKA um Hilfe, das ihm die Sonderermittlerin Nora Klerner zur Unterstützung schickt. Ihre erworbenen Kenntnisse in Mikromimik und dem Facial Action Coding System, mit dem sie Gesichtsausdrücke besser zu deuten vermag, sollen bei der Ergreifung des Mörders hilfreich sein.

Zunächst stellt sich den Ermittlern die Frage, ob es einen Zusammenhang zu einem einige Monate zurückliegenden Mord an einer Zwölfjährigen in Tschechien gibt. Immerhin deuten Parallelen darauf hin, wenn auch die räumliche Distanz dagegen spricht. Nora begutachtet zunächst den Tatort und das Zimmer der toten Saskia, wo ihr für einen Teenager ungewöhnliche Gedichtzeilen und Musikstücke auffallen. Während Johan fieberhaft nach Gemeinsamkeiten im Leben der toten Mädchen sucht, wird die Leiche eines bereits verwesten, jungen Mannes in der Nähe eines wilden Campingplatzes gefunden. Handelt es sich um einen Unfall oder sogar Mord und wenn ja, besteht eine Analogie zu ihrem derzeitigen Fall? Ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als ein weiteres Mädchen vermisst wird. Um es zu retten, geht Nora ungewöhnliche Wege und tauscht sich mit ihrem tschechischen Kollegen aus. Schließlich kleidet sie sich wie die Blumenkinder und wagt im Alleingang einen gefährlichen Schritt, von dem nur Johan weiß.

Der Kriminalroman von Meike Dannenberg fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Die ruhige Art der Ermittlerin Nora, die bei ihren Aufgaben gerne alleine ist, eine exzellente Beobachtungsgabe hat und die Körpersprache ihres Gegenüber studiert, übt einen besonderen Reiz aus. Nur durch kurze Kapitel, die der Leser zunächst noch nicht einzuordnen weiß, sie aber sehr wohl im Umfeld des Mörders ansiedeln kann, wird der chronologische Handlungsverlauf unterbrochen. Neben einigen wissenswerten Punkten über Lüneburg wartet Meike Dannenberg in ihrem intelligenten, durchweg spannenden sowie stimmigen Kriminalroman Blumenkinder am Ende auch noch mit schockierenden Überraschungen auf. Nicht zuletzt wegen der Erinnerung an Dominik Brunner, der seine Zivilcourage am Münchener S-Bahnhof im Jahr 2009 mit dem Leben bezahlen musste, wirkt der Plot realistisch. Erfreulich ist, dass der Debütroman Auftakt einer Reihe ist und man darf auf das angedeutete Geheimnis von Nora gespannt sein.

Meike Dannenberg, Blumenkinder, btb Verlag 2016, Taschenbuch, 462 Seiten, ISBN 978-3-442-71449-0, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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