Obwohl sich im Hause Poschner seltsame Vorkommnisse ereignen, glauben die Pharmakologin Nina und ihr Mann Jan Poschner nur an Zufälle und nehmen die Bedenken von LKA-Ermittler Max Quercher und seinem Kollegen Picker nicht ernst. Mit einer Schweineniere im Hundenapf fing es an, dann versagten die Bremsen des Autos von Jan und schließlich wurde ihr Sohn Finn im komatösen Zustand nach dem Genuss von Nüssen aufgefunden, gegen die er eine Allergie hat. Da es sich bei Nina um die millionenschwere Erbin der Pharmafirma Arzata handelt, die sich darüber hinaus wie ihre aus Nigeria stammende Adoptivtochter Diara ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe einsetzt, verlangt Querchers Vorgesetzte Constanze Gerass eine Aufklärung.

Unterdessen wird der syrische Flüchtling Mahmoud tot in einem Tanklastwagen aufgefunden, was als Suizid gedeutet wird. Doch unter den Asylbewerbern kommt es deshalb zu Ausschreitungen, zu denen Quercher, der arabisch spricht, als Vermittler gerufen wird. Quercher und Picker erfahren, dass sich Nina vor Jahren in Afrika der Erforschung von Autoimmunkrankheiten und deren Behandlung gewidmet hat und auch, dass zwei ihrer umsatzstarken Mittel bald den Patentschutz verlieren. Nina selbst räumt mittlerweile ein, dass es der bayerischen Staatsregierung wohl nicht gefällt, wenn sie ihre Anteile an der Arzata AG zugunsten eines ihr wichtigen Projektes verkauft und sie vermutlich erpresst wird. Picker sieht in der Erpressung einen Zusammenhang mit dem Tod von Mahmoud, und gemeinsam mit Quercher besucht er Yvonne Korbmacher, deren Blut an der Schweineniere gefunden wurde. Als Referentin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag war auch sie häufig in Afrika. Sie weiß von grausamen Menschenversuchen zu berichten und nennt zwei Zeugen: Tunde und Ronald. Doch auch Nina und ihrem Vater Harald ist daran gelegen, die beiden zu finden.

Für Quercher kommt es aber auch privat dicke. In einer Onlinezeitung entdeckt seine Freundin Regina ein kompromittierendes Foto. Und man will in seinem Blut auch noch Lysergsäure gefunden haben, das auf LSD-Konsum schließen lässt, wobei er ja zugibt, Cannabis zu konsumieren. Während Quercher langsam durchdreht, werden immer mehr Tote gezählt, und seine letzte Hoffnung ist sein ehemaliger Chef Ferdi Pollinger.

Die ersten Kapitel von Quercher und das Seelenrasen lassen den Leser noch gar nicht so recht an einen Kriminalroman glauben. Doch dann legt Martin Calsow richtig los und präsentiert einen Plot um die skrupellosen Machenschaften der Pharmaindustrie, der es nur ums Geld geht, wobei sich manch einer fragen mag, ob die Namensgebung Hofmann der im Roman genannten Pharmafirma nur zufällig gewählt wurde. Eindeutig belegt ist dagegen das starke und in Deutschland seit Ende 2014 verbotene Halluzinogen 2C-E, das in der Szene nur Aquarust heißt.

Martin Calsow hat aber auch mit der Flüchtlingssituation und den Schleuserbanden ein weiteres, höchst brisantes Thema aufgegriffen. Völlig unvorbereitet präsentiert er dem Leser immer wieder einen weiteren „Unfall“ und somit wieder einen Toten. Auf wirklich Gänsehaut erzeugende Szenen kann der Autor in seinem Krimi Quercher und das Seelenrasen getrost verzichten, denn genügend Spannung kommt auch ohne diesen Nervenkitzel auf, wenn man sich nur vorstellt, dass einige Betreiber von Pharmafirmen tatsächlich in ähnlicher Weise handeln könnten. Das i-Tüpfelchen ist natürlich die Figur des LKA-Ermittlers Max Quercher, der durch und durch Zyniker ist. Ein intelligenter Krimi, der vom Leser nicht nur wegen der anfangs schnell zu verwechselnden Namen Poschner, Picker und Pollinger eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

Martin Calsow, Quercher und das Seelenrasen, Grafit Verlag 2016, Taschenbuch, 318 Seiten, ISBN 978-3-89425-470-4, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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