Andreas Atlas hat elf Jahre als verdeckter Ermittler für das Bundeskriminalamt in Mexiko gearbeitet, wo er im Laufe der Zeit über vierzig Millionen Euro für sich beiseite geschafft hat. Nachdem er einen der organisierten Kriminalität vorstehenden Patron verraten hat, befindet er sich auf der Flucht vor dem Kartell. Bei Grete, einer Freundin aus Jugendtagen, die mit ihrem sechzehnjährigen, autistischen Sohn Lars auf Gut Scheventorf in Bad Iburg wohnt, fühlt er sich vor seinen Verfolgern sicher. Doch für Kees Vermeer, einen ehemaligen Polizist aus Holland, heißt es längst: Atlas – Frei zum Abschuss, auch wenn er ihn möglichst lebend seinem Auftraggeber ausliefern soll.

Für Kees Vermeer gilt es zunächst, den untergetauchten Andreas Atlas aufzuspüren. Ausgerechnet Marion Hülsmann, die Frau des Dorfgärtners Hermann Hülsmann, der ein Freund von Atlas ist, führt Kees durch Zufall auf die Spur seiner Zielperson. Als ein alter, verwahrloster Mann tot aufgefunden wird, misst dem niemand eine Bedeutung bei, außer Atlas. Er weiß jetzt, dass ihn ein Killer aufgespürt hat und er verschwinden muss. Allerdings nicht ohne seine Millionen, die der autistische Lars versteckt hält, um den Liebhaber seiner Mutter zum Bleiben zu veranlassen. In seiner Not wendet sich Atlas an Marita Bauer, seine Bezugsperson beim BKA. Unterdessen werden die Leichen von zwei Personen in einem Kanal angeschwemmt, die Kees auf dem Gewissen hat. Ausgerechnet Grebing, ein Freund von Atlas, ist als Ermittler bei der dafür gegründeten Soko von der Polizei in Osnabrück mit der Aufklärung des Falles betraut.

Bereits auf den ersten Seiten schockt Martin Calsow den Leser mit dem Tod einer jungen, gehörlosen und dazu schwangeren Frau, den auch ihr Vater für unumgänglich hält, weil sie zuviel in Erfahrung gebracht hat. Die zwei Handlungsstränge um den Protagonisten Andreas Atlas und seinen Verfolger Kees Vermeer führt der Autor nach kurzer Zeit geschickt zusammen. Obwohl er Kees in einer ersten Szene als skrupellosen Killer darstellt, schildert er ihn im weiteren Verlauf der Handlung als einen enttäuschten Menschen, der am liebsten dem mordenden Milieu den Rücken kehren möchte, was ihm beim Leser Sympathien einbringt.

Andreas Atlas erinnert sich in kursiv dargestellten Rückblicken immer wieder an seine Zeit in Mexiko, die von Korruption und dem plötzlichen Verschwinden vieler Menschen geprägt ist. In seinem Kriminalroman Atlas – Frei zum Abschuss baut Martin Calsow kontinuierlich einen Spannungsbogen auf und punktet am Ende quasi im Sekundentakt mit Wendungen, wobei der jeweils Gejagte schnell zum Jäger wird. Ein raffiniertes Katz- und Mausspiel mit nicht nur einer „Katze“ und einer „Maus“, das zudem noch eine Fortsetzung verspricht. Besser kann ein Krimi nicht sein!

Martin Calsow, Atlas – Frei zum Abschuss, Grafit Verlag 2016, Taschenbuch, 219 Seiten, ISBN 978-3-89425-477-3, Preis: 11,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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