Thomas Maiwald hat in dem Büchlein Liebe ist Gewühle seine Erfahrungen aus dem Schulalltag in Form kleiner Anekdoten zum Besten gegeben. So war es für manche/n Schüler/in schon schwierig, sich seinen Namen zu merken und er wurde kurzerhand Herr Urwald oder Herr Bergwald gerufen. Jedem scheint auch nicht klar zu sein, dass Lehrer sein auch ein Beruf ist und so wurde er gefragt, ob er auch eine Arbeit hat. Aus Versehen oder teilweise aus Unwissenheit konnte da schon mal aus einem Rektor ein Bestimmer werden, ein Herz konnte pupen, aus Aschenputtel wurde Aschenpudel, Leibeskräfte wurden zu Leideskräften, es gab Altersheimer anstatt Alzheimer oder die Monatsblutung wurde zu einer Durchblutung. Missverständnisse gab es auch bei der Aussage, dass man vor einer OP eingeschläfert wird oder dass unter einem Brunch die Massage einer Schülerin verstanden werden kann. Ein/e Schüler/in hat die Zugspitze in Hannover vermutet und ein/e andere/r hat Bayern nicht mehr zu Deutschland gezählt. Für Thomas Maiwald war es auch eine neue Erfahrung, dass nicht nur Mädchen und Frauen gemeinsam auf die Toilette gehen, sondern auch die Jungen der ersten Klasse, um sich gemeinsam anzufeuern.

Lustige Sachen geben die Schüler/innen von zu Hause preis: Da fällt der Mutter wiederholt ein Lippenstift ins Klo und es gibt ein Gerangel um die Kompetenz, auf wen nun mehr zu hören ist, auf den Lehrer oder die Eltern. Ein Junge kann sich nicht konzentrieren, weil er immer auf den Popo seiner Mitschülerin sehen muss. Und was soll der Lehrer sagen, wenn ihm ein Schüler eröffnet, dass er wegen einer Verletzung heute nicht toben kann?

Der Musikunterricht wurde vertrommelt und beim Thema Sexualkunde wurde erzählt, wie mal eben ein Kondom als Kaugummi zweckentfremdet worden ist. In einem Schülerbegleitbogen trägt ein/e Schüler/in statt der Telefonnummer das Wort Handy ein und einer/m anderen Schüler/in ist das Diktat zu schwer und sucht deshalb die F1-Taste.

Thomas Maiwald hat Liebe ist Gewühle im eigenen Verlag herausgegeben und konnte seinen ehemaligen Mitschüler Mathias Rätsch für die Zeichnungen gewinnen, die sich zu jedem Kapitel finden. Diese sind in Themenbereiche unterteilt, die wiederum viele Erlebnisse wiedergeben, die entweder der Autor selbst erfahren oder von seinen Kollegen übernommen hat. In seinem Vorwort rät er den Lesern für den Fall, dass sie nicht über das Buch lachen müssen, es noch einmal zu lesen. Da die Äußerungen der Schüler/innen sicher in der jeweiligen Situation amüsant waren, sie das aber nicht mehr unbedingt bleiben, wenn sie aus dem Kontext gerissen werden, muss man diesen Ratschlag nicht unbedingt befolgen. Einzig für die Eltern der betroffenen Kinder kann es nützlich sein, die Sprüche bei späterer Gelegenheit aus dem Nähkästchen zu zaubern und sich Liebe ist Gewühle von Thomas Maiwald zuzulegen.

Thomas Maiwald, Liebe ist Gewühle, Thomas Maiwald Verlag 2010, mit Illustrationen von Mathias Rätsch, Hardcover, 68 Seiten, ISBN 978-3-000-32091-0, Preis: 9,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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