Mit vierzig Jahren steht der Veterinärmediziner Dr. Karlheinz König buchstäblich auf der Straße. Nachdem er aus Gewissensgründen bei seinem Arbeitgeber, einer Pharma-Firma, die Kündigung eingereicht und seine Frau sich deshalb von ihm getrennt hat, kann er fürs erste im Gartenhaus seines ehemaligen Schulkollegen Hartmut Specht unterkommen. Um an Geld zu kommen, will König Profit aus der Sorge einiger Katzenbesitzer schlagen, deren Lieblinge entlaufen sind. Sie haben Belohnungen auf das Auffinden ihrer Katze ausgesetzt und nehmen im guten Glauben die Katze an, die ihnen König bringt, auch wenn sie der ihren nur zum Verwechseln ähnlich sieht. Bei der Aktion kann Der Katzenkönig und Katzenliebhaber auf Vierbeiner zurückgreifen, die der ehemalige Bewohner des Gartenhauses zurückgelassen hat, wobei er jedem Tier einen Namen von Größen aus der Medizingeschichte verliehen hat.

In der Abgeschiedenheit der Rieselfelder schreibt König an einem Aufsatz mit dem Titel „Tierversuche – Quälerei oder Notwendigkeit“, den er bei einer Zeitung einreichen will. Doch dann setzt ihn der Gartenhausbesitzer unter Druck, weil ein Immobilienhai andere Pläne mit dem Gelände verfolgt. Die Friseuse Lisamaria, bei der König sehr lange Kunde war, ist seine einzige Hoffnung.

Der Leser vermutet zu Beginn der Erzählung Der Katzenkönig, dass es sich dabei um leichte Kost handelt. Es mutet schon witzig an, wie sich der Protagonist mit seinem Fahrrad und dem Kater Sauerbruch zu einer Frau Schmückle-Bräuchle auf den Weg macht. Doch schnell wird deutlich, dass es Rainer Wochele ein Anliegen ist, auf die unzähligen, grausamen und zumeist unnötigen Tierversuche aufmerksam zu machen. Einhundertfünfzehn Millionen Tiere werden jedes Jahr weltweit im Namen der Wissenschaft geopfert, wobei sich der Autor dabei auf Zahlen der Organisation „Zahlen ohne Tierversuche“ beruft. Viel zu viele Todesfälle aufgrund von Arzneimittelnebenwirkungen belegen, dass Tierversuche nicht unbedingt dem Wohle der Menschen, sondern überwiegend der Gewinnmaximierung einiger skrupelloser Leute dienen. Dazu zählt auch der im Buch genannte Walter Hess, über deren abartige Tierquälereien ausführlich das Internet Zeugnis ablegt und der für seine Grausamkeiten, die keinem Menschen in irgendeiner Weise geholfen hätten, auch noch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Rainer Wochele gibt in seiner Erzählung an einigen Stellen Gedanken aus Sicht einer Katze wieder, die letztlich eine Revolution gegen die Vorherrschaft der Menschen verkündet, was an den Zeichentrickfilm Aufstand der Tiere erinnert. Mit dieser Prophezeiung, die der Autor als Psychologe und Philosoph gekonnt umgesetzt hat, zwingt er den Leser zum Nachdenken darüber, ob der Mensch das Recht hat, über das Leben von Tieren nach Gutdünken zu verfahren.

Rainer Wochele, Der Katzenkönig, Klöpfer & Meyer Verlag 2015, Hardcover mit Schutzumschlag, 166 Seiten, ISBN 978-3-86351-076-3, Preis: 20,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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