
Acht Kapitel über Krankheit, Tod – und die Absurditäten dazwischen
Joachim Zelter entfaltet in Die Welt in Weiß acht in sich geschlossene Kapitel voller Erlebnisse und Beobachtungen rund um Krankheit und Tod. Mal berichtet er von modernen medizinischen Errungenschaften, dann wieder führt er in vergangene Zeiten und abgelegene Dörfer, in denen schnelle Hilfe kaum zu erwarten war. Ein Kapitel überrascht mit einer unerwarteten Wendung, ein anderes nähert sich fast philosophisch dem Innenleben eines Patienten, der kurz vor einer Operation steht.
Routine, Anonymität und die Sprache der Medizin
Ohne es ausdrücklich zu benennen, kritisiert Zelter die zunehmende Anonymität in Krankenhäusern. Alles scheint in routinierte Abläufe gegossen, die Menschlichkeit droht zu verblassen. Mit spitzer Feder nimmt er die Sprache der Ärzte aufs Korn und zeigt, wie widersprüchlich medizinische Einschätzungen ausfallen können, je mehr Fachleute man konsultiert.
Zelter erfindet dabei eigene Wortschöpfungen: Aus einem Gutachten wird ein Schlechtachten, und statt Kindertagesstätten tauchen plötzlich Kindernachtstätten auf. Manche Ärzte scheinen gar in die Zukunft blicken zu können, wenn sie den Tod eines Patienten innerhalb des kommenden Jahres voraussagen.
Ein schmales Buch mit großer Wirkung
Der Leser sollte sich für dieses nur wenige Seiten umfassende Buch Zeit nehmen – und es tatsächlich Wort für Wort lesen. Denn die Tiefe vieler sprachlicher Feinheiten offenbart sich erst im Detail.
Und obwohl Die Welt in Weiß an manchen Stellen zum Schmunzeln einlädt, entwirft Zelter zugleich ein düsteres Zukunftsbild: Wir werden, so seine Vision, ohne ein einziges Wort in den Tod geschoben. Warum sollten wir vom Sterben auch etwas anderes erwarten als vom Leben – „Schweigen oder belangloses Geschwätz“.
Die Welt in Weiß von Joachim Zelter

Klöpfer & Meyer Verlag 2011
Hardcover mit Schutzumschlag
124 Seiten
ISBN 978-3-86351-001-5