In seinen autobiografischen Erzählungen Heimwege schreibt Gerd Fuchs über seine Kindheit in einem Dorf im Hunsrück, das nach und nach durch Bombengeschwader zerstört wird. Von seinen Erlebnissen der Kinderlandverschickung und wie er schließlich als 16jähriger beschließt zu schreiben. Bücher will er schreiben, ein Schöpfer sein. Obwohl er damals glaubt, dass Schreiben und Glücklichsein einander ausschließen.

Ein unvorbereiteter Wechsel in die Großstadt ist für Fuchs seine Zeit an der Universität in Köln und einem Leben als Untermieter in möblierten Zimmern. Die Arbeit in einem Bergwerk in Herne, eine Burschenschaft, in der er Mitglied wird und wieder austritt, die schlecht bezahlten Tätigkeiten, die das Studentenwerk vermittelt, sind weitere Stationen bis zum Beginn seiner Karriere als Journalist.

Bei einer Tagung der Gruppe 47 wird Fuchs zunächst als Springer-Knecht an den Pranger gestellt. Um dann als junger Autor aus einer seiner Erzählungen zu lesen. Siegfried Lenz und Günter Grass loben ihn, woraufhin er Angebote von zwei Verlagen erhält. 1967 will er sich die Gruppe 47 nicht mehr antun, aber er kann nicht widerstehen und wird Zeuge ihres Untergangs.

Während in Berlin die Mauer fällt, baut Fuchs eine Brandschutzmauer in seinem Haus. Falls in der einen Hälfte Feuer ausbricht, bleibt wenigstens die andere verschont. Das ist Vorschrift. Und während jubelnde Menschen in Berlin sich auf der Mauer drängeln, fährt er noch einmal in dieses andere Deutschland, bevor es untergeht.

Rückblicke auf sein Leben sind Gerd Fuchs autobiografische Erzählungen in seinem Buch Heimwege. Manche seiner Erzählungen sind trivial und einige erschütternd, alle mit poetischen Beschreibungen und reich an erzählerischen Bildern. Seine Momentaufnahmen, in denen auch immer ein Stück Zeitgeschichte durchschimmert, zeigen die Folgen des Krieges für seine Generation, die wieder Normalität leben wollte.

Gerd Fuchs, Heimwege, Edition Nautilus 2010, Hardcover mit Schutzumschlag, 252 Seiten, ISBN 978-3-89401-721-7, Preis: 19,90 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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