In seinem Buch Experiment Mensch stellt Daniel Knop die Frage, ob der Mensch selbst seine Lebensgrundlage zerstört. Um das zu erklären, holt er weit aus und führt zunächst die Pest an, eine der großen Seuchen. Dann leitet er zu den verschiedenen Korallenarten über, die an vielen Stellen immer wieder zum besseren Verständnis herangezogen werden. Der Autor gibt Beispiele von Pflanzen und Tieren, die eine Symbiosegemeinschaft eingegangen sind, obwohl es sich auf den ersten Blick um einen Parasiten zu handeln scheint. Um die Notwendigkeit für ein soziales Miteinander zu begründen, führt er exemplarisch Versuche an Rentieren und Affen an und erklärt schließlich, zu welchem Zweck Sprache dient. Sie war für unsere Verständigung eine grundlegende Voraussetzung und macht uns unsere eigene Existenz bewusst. Woraus wiederum die Angst vor dem Tod erwächst und die Frage nach dem Sinn des Lebens resultiert.

Der Autor veranschaulicht den Weg vom Homo erectus zum Homo sapiens. Der Hang zur Gruppenbildung war und ist typisch für den Menschen und zeigt sich heute in der großen Akzeptanz von Facebook. Als nun unsere Vorfahren zum sesshaften Leben übergingen und Viehaltung betrieben, musste die Viehzucht eine Konsequenz sein. Da durch die Nutztierhaltung mehr schädliche Gase produziert werden, als durch alle Verkehrsmittel zusammen, ist unser Fleischkonsum kritisch zu betrachten. Denn der CO2-Ausstoß und die damit verbundene globale Erwärmung führen zu immer häufigeren Naturkatastrophen. Ein Rädchen greift ins andere und oftmals sind es Prozesse, die nicht augenblicklich einen ursächlichen Zusammenhang erkennen lassen. Aber nichts bleibt ohne Konsequenzen.

Die vor über einhundert Jahren einsetzende Bevölkerungsexplosion erforderte die Entwicklung von Schädlingsbekämpfungsmitteln, um die große Menge an Grundnahrungsmitteln produzieren zu können. Doch der viel gelobte Biokraftstoff verbraucht Mais, der vielen Menschen als Nahrung dient und ihnen somit die Lebensgrundlage nimmt. Dank der medizinischen Fortschritte wurden Antibiotika entdeckt, womit die Infektionskrankheiten weitgehend beherrschbar geworden sind. Allerdings hören wir immer öfter von multiresistenten Erregern, die durch den verantwortungslosen Einsatz der Antibiotika eine immer größere Gefahr darstellen. Und in Zeiten des globalen Flugverkehrs könnten sich neue Erreger rasend schnell um den Erdball verteilen, was verheerende Konsequenzen haben könnte, wenn keine geeigneten Medikamente mehr anschlagen. In einem Planspiel wagt der Autor einen Ausblick auf den völligen Zusammenbruch, in dem jeder letztlich nur noch an sich selbst denkt und es nur Überlebende auf völlig abseits gelegenen Randgebieten geben kann.

Daniel Knop stellt in seinem Buch Experiment Mensch die Theorie auf, dass unser Planet auf einen drohenden Kollaps zuläuft. Um das deutlich zu machen, unternimmt er Exkursionen bis hin zu Formen des Totenkults. Er berichtet über Neuigkeiten aus der Hirnforschung und ausgiebig über das Judentum, Christentum und den Islam. Selbst eine Interpretation des Korans fügt er an. Nicht zu leugnen sind seine immer wieder eingeflochtenen Kenntnisse als Korallenexperte. Und ebenso sein fundiertes Wissen über die Tierwelt im Allgemeinen, das er sich über Jahrzehnte als Fachjournalist angeeignet hat. Dem Leser wird eine außerordentliche Fülle an breit gefächerten Informationen angeboten und er kann somit sein Wissen auf vielen Gebieten erweitern. Daniel Knop veranschaulicht recht drastisch, dass sich letzten Endes der Verpackungsmüll unserer Wegwerfgesellschaft irgendwann auf unserem Essteller wieder findet. Dass auch die Ökobilanz der Solartechnologie einen Pferdefuß hat und dass umweltfreundlich eigentlich nur umweltneutral heißen dürfte. Er wirft die Frage auf, ob Entwicklungshilfe wirklich da landet, wo sie gebraucht wird und er nimmt auch die Kirche in die Pflicht. Letztlich stellt er einen Forderungskatalog auf und obwohl er im Anhang auf die verwendete Literatur verweist, macht er zu einzelnen Aussagen keine überprüfbaren Angaben. Experiment Mensch von Daniel Knop ist ein überaus interessantes und vielschichtiges Sachbuch, das dem Leser viel Konzentration abverlangt, wenn er nicht gerade fachlich mit der Materie vertraut ist.

Daniel Knop, Experiment Mensch, Natur und Tier Verlag 2011, Hardcover mit Schutzumschlag, 264 Seiten, Format 14 x 21,5 cm, ISBN 978-3-86659-169-1, Preis: 19,80 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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