iBoy von Kevin Brooks

iBoy
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In dem Jugendroman iBoy von Kevin Brooks lebt der 16-jährige Tom Harvey mit seiner recht resoluten Großmutter in Südlondon. Die Siedlung, Crow Town, besteht aus Hochhäusern mit je dreißig Stockwerken und die Treppenhäuser dienen der Drogeneinnahme, dem Sex oder dem Zusammenschlagen von Leuten. Ein ungeschriebenes Gesetz in Crow Town ist, dass man nicht mit der Polizei redet, wenn man nicht tot aufgefunden werden will.

Die ein Jahr jüngere Lucy, mit der Tom gerne befreundet sein möchte, wird eines Tages von einer Gruppe Jugendlicher vergewaltigt. Zu genau der gleichen Zeit ist Tom mit ihr verabredet und so steht er gerade unter ihrem Fenster, als aus dem dreißigsten Stockwerk ein iPhone auf ihn zurast. Davon wird er so schwer am Kopf getroffen, dass er erst nach siebzehn Tagen wieder aus dem Koma erwacht. Er erleidet einen Schädeltrümmerbruch, wobei kleinste Fragmente des iPhones in seinem Gehirn zurück bleiben. Fortan hat Tom mit seinem Gehirn Zugriff auf sämtliche Datenbanken, kann andere Handys scannen und sie per GPS lokalisieren. Er ist sogar in der Lage, anonyme SMS zu verschicken und Anrufe zu tätigen. Damit aber nicht genug: Tom kann sich willentlich in eine flimmernde, glühende Gestalt verwandeln, die Stromstöße aussendet. Unverwundbar wird er durch ein Kraftfeld, das ihn umgibt. Mit diesen Möglichkeiten baut er sich eine neue Identität auf und gibt sich selbst den Namen iBoy.

Als Tom von der Vergewaltigung erfährt, will er Rache nehmen. Er hackt sich in die Datenbank der Polizei ein und fängt Messages an Lucy ab. Wen er auch fragt, keiner will etwas gesehen haben oder etwas wissen. Selbst sein früherer Freund, der mittlerweile einer der Gangs angehört, schweigt und auch Lucy’s Bruder Ben verweigert Tom seine Hilfe. Jeder hat Angst, aber vor wem? Schließlich findet Tom heraus, wer an Lucy’s Vergewaltigung beteiligt war. Er recherchiert weiter und stößt auf einen Namen. Wer verbirgt sich hinter Howard Ellmann, den alle nur den Teufel nennen? Noch wähnt sich Tom in Sicherheit und glaubt mit seinen Kräften alles zu besiegen. Wird er Lucy vor weiteren Angriffen bewahren können?

Kevin Brooks ist mit iBoy ein äußerst intelligenter und spannender Jugendroman gelungen. Obwohl es sich bei der Verschmelzung von Materie und menschlichem Gehirn um Fiktion handelt, bleibt der Autor ansonsten der Realität treu. Zu Beginn eines jeden Kapitels hat er sinnreiche Sprüche oder Erklärungen aus Wikipedia vorangestellt und so auch das Binärsystem erklärt, nach dem alle PC’s arbeiten. Kevin Brooks spricht sowohl mit dem Thema, als auch mit den umgangssprachlichen Ausdrücken die Zielgruppe an. Der jugendliche Leser kann sich daher auch mit dem Protagonisten Tom identifizieren, der seine Geschichte in der Ich-Form erzählt und den Leser direkt mit „du“ anspricht. Auch wird sich mancher Leser in der Geschichte wiederfinden, wenn es um Gruppendruck geht oder jemand Anerkennung in einer Gruppe sucht. Ein Mitläufer denkt oft nicht darüber, was er tut. Auch mit der Frage, was Gott gegen so viel Elend und brutale Gewalt unternimmt, steht Kevin Brooks nicht alleine. Er gibt dem Leser eine interessante philosophische Erklärung zur Moral und zeigt anhand der Liebe, die Tom für seine Großmutter empfindet, dass es keinen Generationskonflikt geben muss.

Die Angriffe, die Tom auf die Mitglieder der Gang ausübt, werden mit äußerster Brutalität ausgeführt und es gibt Tote und Schwerstverletzte. Über diesen Punkt mag es geteilte Meinungen geben. Doch wie steht es mit den Märchen der Gebrüder Grimm? Letzten Endes siegt darin das Gute über das Böse und eine Hexe im Feuer wird ebenso hingenommen wie ein blutiger Kampf. Der Aspekt, dass der Autor auf die Ausschmückung von Gewalt verzichtet und sie in keinster Weise verherrlicht hat, sollte im Vordergrund stehen. An iBoy von Kevin Brooks haben sicher nicht nur Jugendliche ihre Freude und könnten mal wieder Spaß am Lesen haben. Auch Erwachsene dürften sich mit diesem Krimi nicht langweilen und viel Interessantes aus der Welt des World Wide Web erfahren.

Kevin Brooks, iBoy, ab 14 Jahren, Deutscher Taschenbuch Verlag 2011, Taschenbuch, 300 Seiten, ISBN 978-3-423-24845-7, Preis: 13,90 Euro.

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2 Gedanken zu “iBoy von Kevin Brooks

  1. Tom ist bereits mit Lucy befreundet und möchte mit ihr zusammenkommen. Sie ist seine Sandkastenfreundin.

  2. Das ist völlig korrekt. Die beiden kennen sich aus der frühesten Kindheit und gerade, weil Tom Lucy kennt und gerne mit ihr „richtig“ befreundet, „mit ihr gehen“ möchte, ist er an der Aufdeckung der Vergewaltigung interessiert.

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