
Einstieg in die Welt des Wanderns
Freddy Langer beginnt sein Reiselesebuch Alles zu Fuß mit einer Wanderung in der Algarve und muss feststellen, dass er sich offensichtlich verlaufen hat – ein Umstand, der auf die oftmals „schwammigen“ Angaben mancher Wanderführer zurückzuführen ist, die unterschiedlich interpretiert werden können. Es folgt ein Streifzug durch den amerikanischen Bundesstaat New York. Dort berichtet er von einer elf Jahre dauernden Weltumwanderung einer zu Beginn der Reise erst Sechzehnjährigen und besucht einen Künstler, der seine Wanderungen in Bilder umsetzt. Nach einigen Zitaten und Aussagen bekannter sowie unbekannter Persönlichkeiten schildert Langer seine Eindrücke vom Malerweg in der Sächsischen Schweiz, die er mit geologischen Informationen anreichert. In San Francisco trifft er einen Straßenfotografen, der Menschen ablichtet – Langer bewundert dessen Werke.
Der Funke springt über
Bis zu diesem Punkt gelingt es Freddy Langer vermutlich noch nicht, viele Leser für sein Buch zu begeistern. Dieser Eindruck ändert sich jedoch mit der nächsten Wanderung, die ihn durch das Atlas-Gebirge im Nordwesten Afrikas führt. Dort fühlt er sich wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit, als er auf den Spuren der legendären Salzstraße wandelt. Zum Glück ist er in dieser schwer zu navigierenden Region nicht ohne Bergführer unterwegs. Für eine 24-stündige Bergtour auf dem Meraner Höhenweg, die mit dem Tragen von Stirnlampen beginnt, schließt er sich einer Gruppe an. Die Wanderer bestaunen mehrere hundert Meter in die Tiefe stürzende Wasserfälle in einer Gegend, in der Bergbauern ihre Wiesen entweder mit Steigeisen oder am Seil angebunden mähen.
Zwischen Naturgewalt und Grenzerfahrung
Im Snowdonia-Nationalpark im walisischen Hochland erfährt der Autor, dass Rettungsteams wegen der Unvernunft vieler Wanderer wöchentlich zu Einsätzen ausrücken müssen. In einer Bar stößt er dort auf einzigartige Relikte von Pionieren. Ein weiteres Kapitel widmet sich Reinhold Messner und dessen Leben – ein Grenzgänger, der die „Erkenntnis der eigenen Begrenztheit“ erfahren hat. Um den Kilimandscharo zu besteigen, schließt sich Langer erneut einer Gruppe an. In Etappen von rund 1000 Höhenmetern pro Tag wollen sie der Höhenkrankheit trotzen, die gerade hier vielen Bergsteigern das Leben gekostet hat. Der monotone Anstieg versetzt den Autor gedanklich in die Präkolonialzeit, und immer wieder zeigt er sich beeindruckt von der Zähigkeit der Träger, die für einen Hungerlohn arbeiten.
Abenteuer in Eis und Schnee
Obwohl eine Seilbahn bis zur Gipfelstation des Montblanc führt, lautet Freddy Langers Devise: „Alles zu Fuß“. In der Sicherheit einer Seilschaft geht es kräftezehrend bergauf. Im Auyuittuq-Nationalpark der kanadischen Arktis folgt er einem Pfad, den einst schon die Inuit beschritten. Die Überquerung eines Gletscherbachs wird zur Herausforderung, und Mut ist gefragt, wenn lediglich ein Stahlseil über einen reißenden Fluss führt. Der Autor berichtet von den Qualen, die Forscher am Südpol erlitten haben, und begibt sich selbst auf eine Expedition in die Arktis zum Nordpol, von dem er eindrucksvoll erzählt. Schließlich führt ihn seine letzte Tour auf den Eifelsteig in heimischen Gefilden.
Beobachtungen, Geschichte und Sprachkunst
Auf all seinen Wanderungen hat Freddy Langer die Menschen genau beobachtet und vermittelt dem Leser durch seine Aufzeichnungen viele Eindrücke und Gefühle. Häufig wirft er einen Blick in die Vergangenheit der Orte und gibt dabei umfangreiches Hintergrundwissen weiter. Wo es sich anbietet, erwähnt er spannende Erstbesteigungen. Das Reiselesebuch ist gespickt mit zumeist poetischen oder philosophischen Sprüchen. Zwar präsentiert Langer nur wenige Fotos in Schwarz-Weiß, doch entschädigt er den Leser mit einer bildreichen Sprache, die die Landschaften und Erlebnisse lebendig werden lässt.
Alles zu Fuß von Freddy Langer

Ellert & Richter Verlag 2009
Hardcover mit Schutzumschlag
168 Seiten
ISBN 978-3-8319-0361-0