Es ist zwar in der ersten und letzten Kurzgeschichte in dem Buch Basilikumdrache und Schöpfungskrönchen von Regina Schleheck von einem Drache die Rede, doch die weiteren Geschichten handeln unter anderem von der Begegnung zweier Frauen aus unterschiedlichen Zeitepochen oder auch von einem Jungen, der sich in einer Waschmaschine auf eine Zeitreise begibt. Im Carlisle Castle fürchtet eine Jungverheiratete um ihr Leben, ein Familienurlaub in Südtirol bleibt nicht ohne Folgen und eine Klettertour in der Eifel genau so wenig wie ein Besuch auf dem Alzeyer Weihnachtsmarkt. Es geht um Spinnenmord, einen Mumienfund und junge Frauen, die ein Herrscher im Harem hält.

Einmal kommt in den Geschichten ein Weihnachtsmann zu Besuch, eine Kosmetikerin wird besucht oder es kündigt sich Besuch von einem unbekannten Planeten an. Ein Kunstwerk wird betrachtet, eine Zugfahrt unternommen und Bücher werden „verschlungen“. Während ein Sohn sich an seinem Vater rächt, weil der seine Mutter auf dem Gewissen hat, übt eine Frau Rache an der Ehefrau ihres verschiedenen Liebhabers, und ein betrogener Ehemann will sich am Liebhaber seiner Frau rächen. Es geht um eine junge Liebe unter der Herrschaft der Nazis, wie auch um die schwere und gefahrvolle Arbeit unter Tage. Die Autorin schreibt vom geplatzten Traum einer jungen Frau als Bootsflüchtling und von einem Pharmakonzern, der über die Grundwasserreserven Einfluss auf die Bevölkerung nimmt.

Schauplätze der Geschichten sind sowohl das ferne China, Moskau, Tripolis oder Schottland, wie auch eine Ruhrgebietshalde, der Friesenwall Vringspootz und die Severinstorburg der Kölner Altstadt oder das Naturdenkmal Werthelstein an der Grenze zwischen den Dörfchen Bergweiler und Dreis im Landkreis Bernkastel-Wittlich, das der Sage nach ein Opferstein gewesen sein soll. In den aufwändig recherchierten Texten von Regina Schleheck vermischen sich Fiktion mit Realität, wenn es beispielsweise um den 1590 in Lackum aufgefundenen Toten in der Ruhr, den Bürgerkrieg 2011 in Libyen, oder den erstmalig Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Künstlernamen Harry Houdini aufgetretenen Zauberkünstler Erik Weisz geht, den eine Freundschaft zu Arthur Conan Doyle verband. Auch den Begriff Wieverfastelovend, der die Weiberfastnacht bezeichnet, gibt es tatsächlich.

In einigen Geschichten hat sich die Autorin der systematischen Ausrottung der Juden gewidmet und immer wieder sind der Krieg und die Arbeit der Bergleute ein Thema. Die erwähnte, verheerende Schlagwetterexplosion auf dem Bergwerk Mont Cenis im Jahr 1921 hat es tatsächlich gegeben. Allerdings war der Anschluss an die Zeche „Friedrich der Große“ nicht im Jahr 1963, sondern erst zehn Jahre später. Figuren aus der Literatur, wie die Seeräuber-Jenny oder das Rotkäppchen aus dem gleichnamigen Märchen dienten ihr wie unzählige Legenden und Mythen häufig als Vorlage für die Umsetzung zu einer anspruchsvollen und intelligenten Geschichte aus dem Phantastikbereich. Mit bissigem Humor und Wortspielereien können die insgesamt fünfunddreißig Kurzgeschichten von Regina Schleheck in ihrem Buch Basilikumdrache und Schöpfungskrönchen überzeugen, die sowohl amüsant, wie auch erschütternd, hintergründig, doppeldeutig oder skurril sind.

Regina Schleheck, Basilikumdrache und Schöpfungskrönchen, In Farbe und Bunt Verlag 2016, Taschenbuch, 256 Seiten, ISBN 978-3-959360-53-1, Preis: 13,80 Euro.

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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