Über zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Unwissenheit vieler Bundesbürger über die Geschichte der DDR erschreckend und mit jedem Jahr seit ihrem Untergang scheint sie schöner zu werden. Darum ist das Wissen über das Alltagsleben in der DDR wichtig für das Verständnis dieser Epoche. Der DDR-Führer des DDR-Museums in Berlin lädt den Leser zu einer spannenden Reise in einen vergangenen Staat ein.

Dem Herausgeber Robert Rückel ist es gelungen, durch intensive Zusammenarbeit und gegenseitigen Austausch mit den Historikern Dr. Stefan Wolle und Dr. Jochen Voit sowie dem Journalisten Andreas Menn und der Museologin Kathrin Strohl, einen breit gefächerten Führer durch den untergegangenen Staat DDR zu erstellen. Der Leser erhält einen kurzen Überblick über die Entstehung des Staates und sein Ende, woran letztendlich eine undurchlässige Sperranlage auch nichts ändern konnte. Warum auch im Sozialismus das eigene Auto ein Wunschtraum vieler Menschen war und jung sein in der DDR Wildcampen an der Ostsee hieß, wird in den folgenden Kapiteln geschildert. Während im Westen nach Schnäppchen gejagt wurde, jagte man im Osten nach Mangelware, denn es gab alles zu kaufen, nur nicht immer und überall. Alkohol war Droge Nummer 1 und Wohnungen im Plattenbau waren heiß begehrt. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau gab es nur manchmal und in der Modezeitschrift „Sibylle“ waren schicke und moderne Kleider abgelichtet, die es nur nirgendwo zu kaufen gab. Gelesen wurde viel und Buchhändler bestellten 20.000 oder 50.000 Exemplare einer Neuerscheinung. Die einen machten Rock für den Frieden, andere einmal in der Woche Sport an jedem Ort und viele flüchteten in die Datsche…

Mit vielen Fotos und sachlich fundierten Texten wird in dem DDR-Führer nicht nur die Geschichte, sondern auch der Alltag der Menschen in dem sozialistischen Staat sehr anschaulich und unterhaltsam dargestellt. Auf objektive Art und Weise werden die vermeintlich oder tatsächlich positiven Seiten des sozialistischen Staates den grauenvollen Fakten – ständige Überwachung, verschlossene Grenzen und Mangelwirtschaft – gegenübergestellt. Das Buch bietet Wissenswertes und viele weitere Hintergrundinformationen für Leser, die sich ein Grundwissen über die DDR aneignen möchten und macht Lust auf einen Besuch im DDR-Museum in Berlin, wo man den DDR-Alltag hautnah erleben kann.

Robert Rückel (Hrsg.), DDR-Führer, DDR Museum Verlag 2012, Broschur, 156 Seiten, ISBN 978-3-939801-16-0, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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