Zwischen Nähe, Lügen und verlorenen Fäden

Ein Beziehungsgeflecht voller Brüche und unerwarteter Wendungen

Cover von Danke, wir können nicht klagen von Ruth Wittig

Ein riskanter Nachbarschaftsabend

Der geschiedene Enzo Brüning‑Cattaneo ist Psychiater und lebt mit Lene, einer Psychologin, die aktuell an ihrem zweiten Roman arbeitet, in einer Mietwohnung. Beide haben sich darauf geeinigt, kein Eigentum zu erwerben, da ihrer Meinung nach „Besitz belastet“.

Eines Sonntagabends werden sie von ihren neuen Nachbarn gebeten, wegen eines vergessenen Wohnungsschlüssels über ihr Fenster Zugang zur darüber liegenden Wohnung zu verschaffen. Als Reto, der Nachbar, bereits gefährlich nah am Abgrund steht, muss die Aktion abgebrochen werden. Vom Onkel der Nachbarin Nicole wollen sie Kletterequipment besorgen, während Lene inzwischen den Tatort im Abendprogramm ansieht. Zu ihrer Verwunderung gehen die Nachbarn nach ihrer Rückkehr ohne Übergang zum Du über.

weiterlesenZwischen Nähe, Lügen und verlorenen Fäden

Über die Berge zu sich selbst – eine Reise an die Grenzen und darüber hinaus

Cover von In den Bergen findest du zu dir von Petra Bartoli y Eckert

Warum Wandern stärkt – und Resilienz nicht im Seminarraum entsteht

Wer selbst schon in den Bergen unterwegs war, versteht sofort die Aussage, die Petra Bartoli y Eckert gleich zu Beginn ihres Sachbuchs In den Bergen findest du zu dir* trifft: Beim Wandern tankt man Kraft – und lässt die Sorgen im Tal zurück. Die Autorin geht der Frage nach, „wie Resilienz, wie Widerstandsfähigkeit in schweren Situationen wirklich gelingen kann“, und erklärt zugleich, warum sie von klassischen Resilienzkursen wenig hält.

Um Antworten zu finden, fasst sie einen entschlossenen Plan: eine Alpenüberquerung, die sie körperlich wie mental an ihre Grenzen bringen soll. Mit zahlreichen Tagestouren bereitet sie sich vor, bevor die eigentliche Route steht.

weiterlesenÜber die Berge zu sich selbst – eine Reise an die Grenzen und darüber hinaus

Die Kunst, sich selbst wiederzufinden

Ein Leben zwischen Kunst, Verlust und Neubeginn

Cover von Die Kunst, eine schwarze Katze von André David Winter

Die ersten Schritte einer Künstlerin

Anina, die Protagonistin des Romans Die Kunst, eine schwarze Katze* von André David Winter, wagt im Jahr 1964 in ihrer Schule im Wallis ihre ersten Malversuche. Als der italienischsprachige Schüler Agostino in ihre Klasse kommt, soll sie ihm helfen, da sie als Klassenbeste Hochdeutsch beherrscht. Während sie ihm die Sprache näherbringt, lernt sie selbst Italienisch – und Agostino inspiriert sie mit einem Buch über die Weltmeere zu weiterem künstlerischen Schaffen. Umso größer ist ihre Enttäuschung, als er eines Tages plötzlich nicht mehr in der Schule erscheint.

Paris: Kunst, Freundschaft und ein schmerzhafter Bruch

Zehn Jahre später lebt Anina in einem Internat und besteht die Aufnahmeprüfung an der Akademie in Paris. Dort freundet sie sich mit Nathalie Dupré an, die sie liebevoll „Pralina“ nennt.

weiterlesenDie Kunst, sich selbst wiederzufinden

Die verlorene Puppe – und ein Schriftsteller, der Trost schenkt

Cover von Kafkas Puppe von Gerd Schneider

Ein Mädchen, ein Park und ein Schriftsteller

An einem sonnigen Oktobertag im Jahr 1923 spaziert Franz Kafka im Park am Steglitzer Wasserturm in Berlin. Auf einer Bank sitzt ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen und weint, weil ihre Puppe verschwunden ist. Sie hatte sie während des Spielens auf eine Bank gesetzt und glaubt nun, jemand habe sie gestohlen.

Kafka erkundigt sich behutsam, wie die Puppe ausgesehen habe, und Lena beschreibt sie ihm bis ins Detail. Um sie zu trösten, behauptet Kafka, die Puppe sei nicht gestohlen worden – er habe sie am Parkeingang gesehen, wo sie ihm gesagt habe, sie wolle Lena schreiben.

Die Briefe der Puppe

Am nächsten Tag kehrt Kafka zur gleichen Uhrzeit in den Park zurück, in der Hoffnung, Lena wiederzutreffen. Als sie erscheint, überreicht er ihr einen Brief, angeblich von ihrer Puppe. Darin erzählt diese, dass ein Hund nach ihr geschnappt habe und sie deshalb weggelaufen sei, sich dann aber verirrt habe.

weiterlesenDie verlorene Puppe – und ein Schriftsteller, der Trost schenkt

Wenn Träume auseinanderdriften – und ein Neuanfang möglich wird

Cover von Glück für Wiedereinsteiger von Carla Berling

Ein Paar, zwei Lebensträume – und eine ehrliche Frage

Was, wenn ein Paar nach vierzigjähriger Ehe feststellt, dass jeder von ihnen noch einen Traum hat, der jedoch nicht mit dem des Partners vereinbar ist? Genau das geschieht den Protagonisten im Roman Glück für Wiedereinsteiger* von Carla Berling: Thea Schmidt ist wie Ronny am ersten Januar geboren und hat dieselbe Schule wie er besucht. Beide haben bei der Sparkasse eine Ausbildung gemacht, in der sie nunmehr halbtags arbeitet, während ihr Ehemann Filialleiter ist. Sie sind glückliche Eltern von drei Töchtern, haben zwei Schwiegersöhne und fünf Enkelkinder. Ihren vierzigsten Hochzeitstag, der gleichzeitig ihr sechzigster Geburtstag sein wird, wollen sie groß im Rheinhotel feiern. Geplant ist eine Mottoparty rund ums Kino, zu der neben der Familie auch die alten Freunde eingeladen werden sollen, die schon bei ihrer Hochzeit dabei waren.

weiterlesenWenn Träume auseinanderdriften – und ein Neuanfang möglich wird

Eine absurde Geschäftsidee, ein Hummer – und die Liebe in der Bretagne

Cover von Hummer to go von Rüdiger Bertram

Vom Arbeitslosen zum Fotobetrachter – eine Idee, die niemand kommen sah

Frank Berger hat gerade seinen Job verloren und viel Zeit, denn er hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Da sich niemand für seine Fotos aus einem Venedig‑Urlaub interessiert, kommt ihm eine ungewöhnliche Idee: Jeder besitzt Fotos, die niemand sehen will. Also gibt er eine Anzeige auf: „Sehe mir gegen Honorar mit regem Interesse Ihre Urlaubsfotos an.“ Keine halbe Stunde nach Veröffentlichung erhält er bereits den ersten Auftrag – fünftausend Fotos aus dem Leben eines Kunden. Während er diese durchgeht, trudeln zwanzig weitere Anfragen ein. Frank hätte nie gedacht, dass sich mit Nichtstun so viel Geld verdienen lässt.

Ein Start‑up wächst – und Frank bleibt lieber beim Wesentlichen

Nach nicht einmal einem Jahr hat sein Unternehmen fünfhundertzwanzig Mitarbeiter und Filialen in allen großen deutschen Städten. Doch Frank schaut weiterhin lieber Fotos bei den Kunden an, statt Bilanzen zu prüfen.

weiterlesenEine absurde Geschäftsidee, ein Hummer – und die Liebe in der Bretagne

Im Haifischhaus: Ein Tennisroman zwischen Triumph und Abgrund

Cover von Das Haifischhaus von Rüdiger Barth

Der Aufstieg und der tiefe Fall

Tom Torge Berger, den alle nur „Toto“ nennen, ist seit seinem sechzehnten Lebensjahr Profisportler. Zwei Jahrzehnte lang betrieb er Leistungssport und schaffte es als Tennisspieler bis an die Weltspitze. Doch der Preis für seine Karriere war hoch: Er wurde abhängig von Medikamenten, die er gegen Schmerzen, Angst und Depressionen einnahm – ein Geheimnis, das er um jeden Preis wahren wollte. Schließlich zog er die Konsequenzen und tauchte nach einem Wimbledon-Match in Amerika unter.

Rückkehr mit Schulden und Schatten

Mittlerweile ist Toto nach Deutschland zurückgekehrt. Er steht vor dem finanziellen Ruin, seine Gläubiger setzen ihn unter Druck. Zu allem Überfluss taucht auch noch sein fast volljähriger Sohn Nils auf – ein Kind, um das er sich nie gekümmert hat.

weiterlesenIm Haifischhaus: Ein Tennisroman zwischen Triumph und Abgrund

Himmelrot – Eine Reise durch Deutschland und die eigene Vergangenheit

Buchcover: Himmelrot von Heiner Meemken

Klaus Wiesenbach: Zwischen Krise und Erinnerung

Der fünfzigjährige Klaus Wiesenbach, Lehrer an einem Gymnasium in Oldenburg, hat eine Auszeit genommen und ist seit einigen Wochen krankgeschrieben. Er ist Alkoholiker und seit zwölf Monaten trocken, doch nach der Trennung von seiner Frau Andrea befindet er sich in einer tiefen Krise. Was genau er sucht, weiß er selbst nicht.

Da erreicht ihn eine E-Mail von einem alten Freund aus seiner Studienzeit in Hamburg: Rüdiger, den es nach Wasserburg in der Nähe von München verschlagen hat, lebt in einem Hospiz. Er leidet an Krebs und wird nicht mehr lange leben. Rüdiger bittet Klaus, eine Abschiedsfeier mit den Studienfreunden zu organisieren – jenen, die gemeinsam mit ihnen in der Studentenbewegung aktiv waren. Doch die ehemaligen Kommilitonen sind nach dem Studium in alle Himmelsrichtungen verstreut, und so begibt sich Klaus auf eine Reise quer durch Deutschland, um sie wiederzufinden.

weiterlesenHimmelrot – Eine Reise durch Deutschland und die eigene Vergangenheit

Eine Reise zu sich selbst – Rezension zu „Ziemlich mitgenommen“ von Mia Sassen

Buchcover: Ziemlich mitgenommen von Mia Sassen

Aufbruch ins Ungewisse

Isabel ist 45 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist mit dem Physiklehrer Carsten verheiratet. Nicht nur das Verhältnis zur 16-jährigen Tochter Lisa gestaltet sich zunehmend schwierig – Isabel verliert auch noch ihren Job als Synchronsprecherin. Als ihr Mann sie für zu alt hält, um eine neue Rolle als Schauspielerin anzunehmen, und ihr stattdessen eine Kur empfiehlt, fühlt sie sich „ziemlich mitgenommen“. Sie will nur noch weg und frei sein.

Ohne Gepäck steigt sie kurzerhand in das Auto einer über Siebzigjährigen, die auf dem Weg nach Prag ist. Während der Fahrt erfährt Isabel von Viktoria, dass Prag nur die erste Station ist – das eigentliche Ziel lautet Istanbul. In der Türkei möchte die alte Dame ihren früheren Verlobten Can wiederfinden, den sie vor 48 Jahren zuletzt gesehen hat.

weiterlesenEine Reise zu sich selbst – Rezension zu „Ziemlich mitgenommen“ von Mia Sassen

Buchrezension: „SexLügen“ von Denise Harris – Zwischen Tabubruch und Klischeeüberladung

uchcover: SexLügen von Denise Harris

Ein Pseudonym als Schutzschild

Autoren greifen nicht selten zu einem Pseudonym, wenn sie nicht persönlich mit einem kontroversen Werk in Verbindung gebracht werden möchten. Besonders in der erotischen Literatur ist dies weit verbreitet – und im Fall des Romans SexLügen* erscheint es fast selbstverständlich. Denn die Hauptfigur Denise Harris, die offenbar identisch mit der Autorin ist, erlebt in der Handlung zahlreiche sexuelle Begegnungen – mit über 300 Männern und zwei Frauen.

Vom Ehebruch in die Krise

Durch ein Telefonat mit Mr. Murdock von der First Interstate Bank erfährt Denise, dass ihr Ehemann Ronald nicht nur sämtliche gemeinsamen Konten überzogen hat, sondern auch drei Monatsraten für das Haus offen sind.

weiterlesenBuchrezension: „SexLügen“ von Denise Harris – Zwischen Tabubruch und Klischeeüberladung