Kein Elch. Nirgends von Sebastian Lehmann

Kein Elch. NirgendsSpieleabende, bei denen Rollen- oder Strategiespiele gespielt werden, kann Sebastian nichts abgewinnen, denn es geht immer ums Gewinnen, wozu er keinen Ehrgeiz hat. Also verlässt er wieder einmal Berlin, um nach Stockholm zu fahren, wo er durch die Wälder fährt, aber nirgendwo einen Elch findet. Dafür begegnet er in einem Café in Södermalm mehreren jungen schwedischen Männern, die mit ihren dunkelblonden Bärten aussehen wie Wikinger und besser und akzentfreier Englisch sprechen, als echte Engländer. Am Abend geht er in einen Club, in dem ausschließlich Berliner Elektromusik gespielt wird und begegnet einem wunderschönen Mädchen in einem riesigen, schwarzen Sackkleid von Acne. Am nächsten Tag beschließt er in einen Naturpark zu fahren, denn besser ein Elch in einem Gehege, als gar keiner. Doch findet er am Zaun den Hinweis: „No elk today“.

Zurück in Berlin erfährt Sebastian bei einem Anruf einer Hotline der Polizei, dass alle Polizeistreifen im Einsatz sind oder eine Pause bei Burger King machen und er Selbstjustiz üben soll, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

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Zeitreise ins Ruhrgebiet – Elke Schleichs Roman „Gummitwist in Schalke-Nord“

Buchcover Gummitwist in Schalke-NordTauche ein in die 1960er Jahre des Ruhrgebiets – mit achtzehn liebevoll erzählten Geschichten über Kindheit, Sehnsucht und das Leben in Gelsenkirchen-Schalke. Elke Schleich lässt Erinnerungen lebendig werden und verwebt Lokalkolorit mit Zeitgeschichte.

Kindheit zwischen Minusgraden und Freibad

In den Wintermonaten herrschen noch strenge Minusgrade, Schnee bedeckt die Straßen. Im Sommer zieht es die Menschen an den Kanal oder ins Freibad. Inmitten dieser Kulisse wächst Leni mit ihren Eltern und den Geschwistern Uschi und Berni in Schalke auf. Ihr sehnlichster Wunsch zum sechsten Geburtstag – ein eigenes Pferd – bleibt unerfüllt. Neid auf die Freundin, die im Zoo Ponyreiten darf, und ein Angriff älterer Jungen stellen die Freundschaft auf die Probe.

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Betrachtungen über Blaues und Schwarzes von Enya Benthaus

Betrachtungen über Blaues und SchwarzesEs gibt Kunstwerke, die durchaus ein Vermögen kosten, und dennoch mag sich mancher Betrachter fragen, was ihm der Künstler damit sagen will. Vielleicht fragt er sich sogar im Stillen, ob er die Klecksereien oder Pinselstriche nicht genauso hinbekommen hätte. Es ist allgemein bekannt, dass sich über Kunst streiten lässt, wozu unzweifelhaft auch literarische Werke gehören.

Ähnlich ergeht es manchem Leser, wenn er das Buch „Betrachtungen über Blaues und Schwarzes“ von Enya Benthaus zur Hand nimmt, in dem die Autorin in den Kapiteln „Himmel/Wasser“, „Blues/Rhythm“, „Die Blaue Blume“, „Nacht“ und „Bluescreen/Testbild“ Kurzgeschichten und Gedichte vorstellt. Da trifft ein Vater seine Tochter bei Regen in einem Café, doch erfährt der Leser nichts über den Dialog. Ein Mensch, der nicht an die Naturgesetze glaubt, springt vom Parkhaus und will fliegen, ein anderer springt von einer Stromleitung auf ein Zugdach.

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Satirische Weihnachten mit Hans Scheibner: Ein Blick in „Wer nimmt Oma?“

Buchcover der Anthologie Wer nimmt Oma?

Familienchaos und Geschenkestress

In einer von über vierzig Gedichten und Geschichten, die sich rund um das Weihnachtsfest drehen, widmet sich Hans Scheibner in humorvoller Weise der Frage: Wer nimmt Oma? Wenn es unter ihren Kindern wieder einmal aufzuteilen gilt, bei wem sie den Heiligabend verbringen soll, ist Streit vorprogrammiert. Scheibner kritisiert in seinen Texten die Heuchelei der Menschen zu diesem sogenannten Friedensfest und die Tatsache, dass heutzutage immer teurere Geschenke gemacht werden. In einem Streitgespräch eines Ehepaares geht es darum, was mehr Freude bereitet: etwas zu bekommen oder etwas zu verschenken. Makaber wird es, wenn per Grundgesetz jedem Bürger aus Kostengründen nur noch fünfundsiebzig Lebensjahre zugestanden werden sollen.

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Momente im Jetzt von Louis Jansen

Momente im JetztIn vierundzwanzig Kurzgeschichten und Gedichten erzählt Louis Jansen in seiner Anthologie Momente im Jetzt* von einer Frau, die in ihrem Ehemann einen Held sieht oder einer anderen, die nicht mehr leben will und deshalb den Freitod wählt. Ein Vater fährt mit seinen drei Söhnen mit dem Wohnmobil zu einer Weihnachtsmarkttour und ein anderer erschlägt seinen Sohn wegen eines begangenen Diebstahls. In einer Geschichte läuft die Freiheitsstatur durch New York, in einer weiteren hat ein Professor aus Heidelberg eine ungewöhnliche Leidenschaft und in wieder einer anderen geht es in einem Gespräch mit dem Präsidenten um die Eigentumsfrage des Mondes. Der Leser weiß nach der Lektüre, dass man besser nicht Trompete spielen sollte, wenn man es nicht kann und wundert sich mit dem Protagonisten Redcap über die Veränderungen seiner Großmutter, der er das Essen bringen sollte.

In den Kurzgeschichten und auch in den Gedichten geht es überwiegend um gebrochene und enttäuschte Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen und alle Hoffnungen verloren haben.

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Die Zeckenbürstenkatzentreppe von Andreas Schumacher

Die ZeckenbürstenkatzentreppeDas Buch „Die Zeckenbürstenkatzentreppe“ von Andreas Schumacher beinhaltet eine Sammlung von insgesamt neunundzwanzig Kurzgeschichten und Dialogen: So fliegt ein Student nach einem eBay-Kauf nach Manila und in einer weiteren Erzählung tüfteln drei Studenten an einem neuen Geschäftskonzept. Ein Mann beobachtet seine Nachbarn mit einem Fernglas, ein anderer findet auf der Suche nach seinem Sozialversicherungsausweis allerhand Verstaubtes und wieder jemand anderes hat beim Anblick zweier „junger Dinger“ Lust auf einen Dreier. In einer Geschichte geht es um eine Beschwerde nach dem Besuch eines Irrgartens, in einer weiteren um einen verschwundenen Schüler und eine andere gibt einen kuriosen Mailverkehr wieder. Der Weg in den Urlaub stellt sich für eine Familie als der alltägliche Wahnsinn dar, ein Dichter begegnet in seinem Heizungskeller einem Waldschrat und ein Gerichtsvollzieher begibt sich vor seinem Urlaub zu einem letzten Auftrag.

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mondo kranko von Jonis Hartmann

mondo krankoDas Buch „mondo kranko“ von Jonis Hartmann vereinigt 45 Kurzgeschichten unterschiedlichster Art, deren tieferer Sinn sich nur den wenigsten Lesern erschließen mag. Da wird eine Straßenbahn im Wasser versenkt und an einem Dünenrennen nimmt ein Pilot mit einer Taucherbrille teil, dem bei einer Bremsung die Kastration droht. Strandkörbe bewegen sich von allein, eine Fußballfrau vergräbt Eier und ein Mann erlebt einen Overkill, als er vor dem Fernsehen einschläft. Ein anderer Mensch nimmt in einem Schwimmring Kurs auf Calais, Finger steigen in einen Bus und einem pferdeähnlichen Mensch kommen Karotten aus den Ohren. Jonis Hartmann schreibt von turmhohen Mohnblumen und einer Riesenwelle, von einem grünen Himmel und einem einstürzenden Einkaufszentrum. Ein Großvater kreuzt Enten, bis alle die gleiche Scheckung aufweisen und ein Musiker lässt sich von einem Mädchen drei Finger mit einem Beil abschlagen.

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BRDgeneration von Uwe Helfrich

BRDgenerationDie heutige „BRDgeneration“ setzt sich nach Uwe Helfrich aus Schildbürgern zusammen, die in der BRS leben, was gleichbedeutend mit „Bundesrepublik Schilda“ ist. In der Satire kritisiert der Autor unser Krankenkassensystem und die Pflegeversicherung sowie die Machenschaften in der Zeitarbeit und das Leid der Minijobber. Er greift das Thema Grundsicherung, Bild-Zeitung und die Schnulzen der TV-Sender auf. Lustig macht er sich über einen Fachmann der Pisa-Studie und erinnert den Leser ganz nebenbei daran, was in unseren Lebensmitteln steckt. Uwe Helfrich schreibt vom Schicksal der Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen ans Bett gefesselt sind und von den Kindern, die häufig Opfer der Streubomben werden. Er warnt vor den Gefahren, die vom Teflon, den Pestiziden, der Gentechnologie, des Fluglärms, der Atomkraftwerke, Resistenzen und Herbizide ausgehen sowie vor den Nebenwirkungen der Arzneimittel. Außerdem schreibt er von einem Genetiker, der zweifelhafte Versuche an der DNA anstellt und prangert die zunehmende Kluft zwischen Armen und Reichen an.

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Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu! von David Leukert

Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu!In seinem Buch „Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu!“ erklärt David Leukert dem Leser auf eine amüsante Weise den Schwachsinn einiger Bonusprogramme und wie es bei einem Speed-Dating abläuft. Mit einem vollautomatischen Handtuchkasten auf einer Toilette ereilt ihn ein Malheur und beim rheinischen Karneval bekommt er einen Kulturschock. Lustig macht er sich über die Carglas-Werbung sowie über ein Paar, das wie Kletten aneinander hängt, und er nimmt die Multitasking-Fähigkeit der Frauen aufs Korn. Ihm stoßen unsinnige Namensgebungen auf Speisekarten und schwachsinnige Dialoge in neuen Fernsehserien unangenehm auf, er geht Anglizismen auf den Leim und ärgert sich über Blumen, die anstelle von Freude nur Arbeit machen.

Der Autor schreibt von Erfahrungen, die er mit der Telekom und in einem Baumarkt gemacht hat und auch von den Erlebnissen eines leidgeprüften Vaters. Gar nicht einverstanden ist er damit, dass Katholiken sündigen und durch eine anschließende Beichte ihren „Fehlerpunkte-Score“ auf null setzen.

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Günner Mambrallek: So isset! von Volker Kosznitzki

Günner Mambrallek: So isset!In bestem Ruhrpott-Deutsch schreibt Volker Kosznitzki Geschichten über Günner Mambrallek, der sich als bekennender Gewerkschafter den Titel eines Dipl.-Cholerikers zugelegt hat. Obwohl Günner an seinem Wohnort die Innenstadt nicht gefällt, ist er stolz auf das „Berchbaumuseum“. Verheiratet ist er mit „Lissbett“, die ihm sogar Vorschriften macht, wie er zu pinkeln hat. Vergeblich sucht er in einem Biergarten bei ein paar „Pilskes“ Entspannung, zieht sich einen Bandscheibenschaden zu, als er gegen Wildtauben vorgehen will und kommt einem Zeitschriftenwerber bei einer Urkundenfälschung auf die Schliche. Günner versteht nicht, wieso die „Verschönerung“ eines Wahlplakats Sachbeschädigung sein soll, hält nur eine Abgeordnetendiät für eine wahre Diät, wird von einer früheren Schulkollegin über „Traumfänger“ aufgeklärt und sammelt Erfahrungen als Patient im Krankenhaus.

Volker Kosznitzki gibt in dem Buch „Günner Mambrallek: So isset!“ Ruhrpott-Geschichten zum Besten, von denen einige eher zum Heulen sind, als zum Lachen.

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