
Neugier am Fenster
Ein Junge hört draußen Geräusche, die näher kommen und nach kurzem Vorbeiziehen wieder verschwinden. Neugierig läuft er zum Fenster. Rasch zieht er sich an und beobachtet im Park andere Kinder beim Rollbrettfahren, wobei er sich in seiner Vorstellung selbst unter ihnen sieht. Zu seiner Überraschung erhält er eines Tages ein Rollbrett von seiner Mutter – jenes, mit dem sie selbst in seinem Alter gefahren ist.
Erste Versuche und kleine Rückschläge
Auf dem Gehweg, dem Spielplatz, dem Basketballplatz, dem Pausenhof und vor dem Haus seiner Tante übt der Junge das Rollbrettfahren. Dabei bleiben schmerzhafte Stürze nicht aus. Nach einer wetterbedingten Pause zieht es ihn in den Skaterpark. Doch angesichts der hohen Geschwindigkeiten traut er sich noch nicht, selbst zu fahren, und beobachtet lieber aus der Distanz.
Gemeinsam über den eigenen Schatten springen
Andere Kinder nähern sich, und gemeinsam schauen sie den Rollbrettfahrern zu. Sie achten auf Füße, Hände und Gesichter der Skater, tauschen Blicke aus und sind schließlich – nachdem sie ihre Ängste überwunden haben – bereit. Auf dem Rollbrett wird der Junge eins mit seiner Bewegung und rollt mit den anderen die Straße entlang. Bald halten sie gemeinsam Ausschau nach weiteren Skaterparks.
Ein Kinderbuch über Mut, Beobachtung und Wachstum
Julie Flett lässt ihren nicht näher bezeichneten Protagonisten in ihrem Kinderbuch Wieder da! seine ersten Schritte auf dem Rollbrett in der Ich‑Form erzählen. Die ebenfalls von ihr gestalteten Illustrationen sagen dabei fast mehr aus als der kurze Text. Auf der ersten Seite ist ein schemenhaft erkennbarer Kinderkopf am Fenster zu sehen, das teilweise von einem Kirschbaum in voller Blüte verdeckt wird. Die letzte Seite zeigt denselben Baum – nun mit grünen, bereits fallenden Blättern – und die Mutter, die aus dem Fenster schaut, während ihr Sohn zurückkehrt. Er ist „wieder da!“.
Zwischen Sprachen, Kulturen und Jahreszeiten
Den Namen des Jungen erwähnt die Autorin ebenso wenig wie die Person, die die Kinder zu anderen Skaterparks fährt. Auch zum Alter des Protagonisten macht sie keine Angaben. Das aus dem Englischen von Barbara Brennwald übersetzte Kinderbuch eignet sich bereits für Kinder ab etwa sechs Jahren.
Ganz nebenbei lernen Kinder andere Völker und Schriften kennen – in diesem Fall die Sprache der indigenen Cree in Nordamerika. Der Buchtitel Wieder da! wird auf dem Umschlag zusätzlich in deren Silbenschrift wiedergegeben. Im Nachwort erläutert die Autorin die Sprache und das Land ihrer Vorfahren und berichtet vom Wissen ihres Vaters, der Angehöriger der Cree‑Métis ist. Außerdem nennt sie eine zweite Übersetzung: „Los geht’s!“ heißt in ihrer Sprache „haw êkwa!“.
Was Kinder aus den Bildern lernen können
Allein durch das Betrachten der in Erdtönen gehaltenen Illustrationen, die Gesichter nur schemenhaft andeuten und sich auf wenige Details beschränken, erfahren Kinder, dass niemand von Anfang an alles kann. Es braucht Zeit, Geduld und Mut, um Neues auszuprobieren. Bevor man sich einer neuen Sportart waghalsig nähert, kann es sinnvoll sein, zunächst die Technik zu beobachten. Wenn ein Erwachsener gemeinsam mit dem Kind die Stationen des Jungen – vom Frühling bis zum Herbst – verfolgt, kann dieses Buch zu einem wertvollen Begleiter werden.
Wieder da! von Julie Flett

Übersetzung von Barbara Brennwald
Baobab Books 2026
Hardcover
44 Seiten
ISBN 978-3-907277-34-8