
Ein Neuanfang, der keiner sein sollte
Nach dem Abschluss ihres Studiums hat Blair Lang eine Zusage für eine Stelle als Unternehmensberaterin in New York. Doch dann erkrankt ihre Großtante Lottie an Lungenkrebs, und Blair nutzt die Möglichkeit, den Arbeitsantritt um einige Monate zu verschieben, um bei ihr zu sein. Schließlich haben Blair und ihre Mutter Lottie viel zu verdanken, die beide damals in ihrer Villa aufnahm, als sie vor dem Vater flohen.
Zurück nach Seabrook – und zurück in ein altes Leben
Während Blair mit dem Auto nach Seabrook in Kalifornien aufbricht, ahnt sie nicht, dass Lotties Erkrankung ihr Leben völlig auf den Kopf stellen wird. Im Gästehaus ihrer Großtante richtet sie sich für die nächsten Wochen ein. Um ihre Mutter finanziell unterstützen zu können, sucht sie im kleinen Ort ihrer Kindheit nach Arbeit. In einem Coffeeshop hofft sie auf eine Aushilfsstelle – und kann kaum glauben, dort plötzlich Declan Renshaw wiederzusehen, mit dem sie zwölf Jahre ihrer Kindheit und Jugend verbracht hat. Er kennt sie wie kein anderer Mensch und verschwand damals ohne Abschied aus ihrem Leben.
Alte Gefühle, neue Distanz
Zu ihrer Überraschung erhält Blair die Zusage für den Job und kann fortan nicht vermeiden, Declan täglich zu begegnen. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen, und er tritt ihr zunächst völlig reserviert gegenüber, spricht sie sogar mit dem distanzierten „Ms Lang“ an. Blair wundert sich, warum er als Manager in einem Coffeeshop arbeitet, wo ihm doch eine große Karriere als Profi‑Footballer bevorstand. Er wiederum fragt sich, weshalb Blair, die längst als Autorin erfolgreich sein müsste, einen Aushilfsjob in Seabrook annimmt. Mit dem Testament der inzwischen verstorbenen Großtante kommen weitere Probleme auf Blair zu – und erst ein Gespräch mit ihrer Kollegin Harper bringt sie auf die richtige Spur.
Ein Unfall, ein Bruch – und ein Geheimnis
Schon früh macht Haley Pham in ihrem aus dem Englischen von Sabine Schulte übersetzten Roman Just Friends Andeutungen über eine Auseinandersetzung zwischen Blair und Declan, die – ebenso wie ein späterer Unfall – den Bruch der Liebenden einleitete. Declans erste Erinnerung daran ist das Aufwachen im Krankenhaus. Was damals wirklich geschah, enthüllt die Autorin jedoch erst später und hält ihre Leser damit geschickt bei der Stange.
Zwischen Gegenwart und Vergangenheit
In ihrem Erstlingswerk wechselt Haley Pham zwischen Gesprächen in der Gegenwart – mit Blair, ihrer kranken Großtante, ihrer Mutter, die sie erst jetzt richtig kennenlernt, sowie Videocalls mit ihren Studienfreundinnen Roshi und Faye – und Rückblicken auf die Highschooljahre. Dort erleben die Leser Abschlussball, ersten Kuss und erstes Date mit Declan, aus Freundschaft wird Liebe, und gemeinsame Zukunftspläne entstehen.
Gefühle, Missverständnisse und philosophische Fragen
Declans anfängliche Reserviertheit provoziert bei Blair immer wieder unbedachte Bemerkungen, die ihrer Verlegenheit und falschen Schlussfolgerungen geschuldet sind. Zu ihrem Ärger hat sie noch immer Gefühle für ihn und hofft insgeheim, dass auch er noch etwas für sie empfindet. In den Dialogen lässt Haley Pham ihre Leser tief in die Seelen der Figuren blicken und stellt philosophische Fragen: Darf ein schwer leidender Mensch diejenigen, die ihn lieben, von seinem Anblick ausschließen? Sowohl Lottie als auch Declan verkörpern dieses Thema im Roman.
Ein Liebesroman voller Herz und Tiefe
Haley Pham versteht es, die knisternde Spannung zwischen Blair und Declan spürbar zu machen. Wie die Autorin von ihrer vietnamesischen Mutter, wird auch Blair von deren Mutter und Großtante „Con“ genannt – das vietnamesische Wort für „Kind“. Dass das Korrektorat erstaunlich viele Fehler übersehen hat, ist angesichts des flüssigen, warmherzigen und völlig jugendfreien Romans verzeihlich. Just Friends ist ein kleines Juwel unter den Liebesromanen.
Just Friends von Haley Pham

Übersetzung von Sabine Schulte
Adrian & Wimmelbuchverlag 2026
Klappenbroschur
288 Seiten
ISBN 978-3-9858537-4-8