„Romanino“ von Jonis Hartmann – Ein düsteres Mosaik römischer Abgründe

Buchcover des historischen Romans Romanino

Ein Sprung in die Verzweiflung – Protagonist Sebastian

In Romanino* beginnt Jonis Hartmann seine Erzählung mit einem dramatischen Bild: Der junge Sebastian springt von einer Brücke in den Tiber, fest entschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Seine letzten Gedanken gelten Laura, der untreuen Gattin des Kaisers, für die er einst alles riskiert hätte. Der einstige Senatorensohn sieht sich selbst als gebrochen und zermartert – Laura, glaubt er, ist Schuld an seinem Zerfall.

Crudus‘ Prüfung und das geheime Bündel

Parallel dazu verfolgt die Geschichte die Figur Crudus, der sich einer Aufnahmeprüfung bei den Tiberschiffern stellen muss. Dabei soll er ein geheimes Bündel unbemerkt den Tiber hinuntertransportieren – ein Vorhaben, das durch Sebastians Sprung eine unerwartete Wendung nimmt.

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Radio Heimat – Frank Goosens Liebeserklärung an das Ruhrgebiet

Buchcover von Radio Heimat: Geschichten von zuhause

Omma, Oppa und die Kunst des Erinnerns

Frank Goosen macht in Radio Heimat*, seiner literarischen Hommage an das Ruhrgebiet, gleich zu Beginn deutlich: Fortan sprechen wir nur noch von Omma und Oppa. Die Omma weiß Bescheid. Gefragt nach dem Krieg, genügt ihr lapidarer Kommentar: „Wir hatten nix.“ Auch in kulinarischer Hinsicht wird schnell klar – echte Frikadellen schmecken nur bei ihr. Wie sie die macht? „Wie imma!“ Und wenn die Uromma vom Steckrübenwinter 1916/17 berichtet, bleibt einem die bittere Geschichte regelrecht im Hals stecken.

Alltag am Fenster und Duschen auf dem Pütt

Goosen ruft mit liebevollem Blick die Frauen im geblümten Hauskittel ins Gedächtnis, die sich beim „Im-Fenster-Liegen“ quer über die Fassaden unterhielten. Typisch Ruhrgebiet: Frauen und Kinder badeten nur einmal pro Woche, während die Männer täglich im Pütt duschen gingen.

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Ein Roman der Gedanken und Fragen

Cover von Nur Mut, kleiner Liebling von Christian FutscherIn seinem Roman Nur Mut, kleiner Liebling lässt der Autor Christian Futscher seinen Protagonisten, den 49-jährigen Christian, seinen Gedanken nachhängen. Der Wiener hält sich wiederholt in Venedig auf – immer in derselben Wohnung –, um an einem neuen Buch zu schreiben. Wenn er nicht schreibt oder in einem der vielen Bücher liest, führt er Tagebuch und hält darin seine Erinnerungen fest.

Erinnerungen, Begegnungen und innere Monologe

Dabei können es ganz unterschiedliche Begebenheiten sein: eine zurückliegende Zugfahrt und das sich entwickelnde Gespräch mit einem Kind oder auch ein Spaziergang durch das jüdische Ghetto in Rom. Er träumt davon, kein Geld verdienen zu müssen, und empfindet Mitleid mit Nichtlesern, ohne sie deshalb missionieren zu wollen.

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„Seelenkuss“ von Sharen Ashwood – Urban Fantasy mit Tiefgang und überraschender Handlung

Buchcover des Romans Seelenkuss

Ein frischer Wind in der Vampirliteratur

Seelenkuss* ist der dritte Band der Urban-Fantasy-Reihe von Sharen Ashwood. Wer eine klassische Neuauflage bekannter Vampirgeschichten erwartet, wird positiv überrascht: Die Autorin bricht mit Konventionen und präsentiert eine vielschichtige Handlung mit wechselnden Hauptfiguren und emotionaler Tiefe.

Neuer Fokus: Ashe Carver kämpft an zwei Fronten

Nach Holly Carver und Vampir Alessandro im ersten Band sowie Ex-Cop Mac in Vampirdämmerung* übernimmt nun Ashe Carver, Hollys Schwester, die Hauptrolle. Bereits aus dem zweiten Band bekannt, wird Ashe nicht nur als erfahrene Monsterjägerin, sondern auch als Mutter in einem Sorgerechtsstreit eingeführt.

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Ein Strandkorb für Oma – Ein humorvoller Inselroman mit Herz und Krimi-Twist

Buchcover des Romans Ein Strandkorb für Oma

Ankunft mit Hindernissen: Jade sorgt für Wirbel

Im Roman Ein Strandkorb für Oma* von Janne Mommsen geht es turbulent zu: Sönke und Maria leben auf der Nordseeinsel Föhr und erwarten am Hamburger Flughafen Sönkes 15-jährige Cousine Jade. Diese hat von ihrem Vater ein iPhone versprochen bekommen – unter der Bedingung, dass sie zwei Wochen auf der Insel durchhält. Die Vorfreude ist groß, doch die Überraschung ebenso: Jade entpuppt sich als Punkerin im Gothic-Stil. Die Verständigung ist schwierig, und als sie auch noch die letzte Fähre verpassen, beginnt das Abenteuer mit einer Nacht voller Improvisation.

Oma, Friedhof und erste Annäherung

Am nächsten Morgen werden sie von Oma herzlich empfangen. Gemeinsam besuchen sie den Friedhof und begeben sich auf Spurensuche der Vorfahren. Trotz ihrer 76 Jahre entwickelt Oma schnell ein Gespür für Jade – ein Hoffnungsschimmer für Sönke und Maria.

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Macht, Geld und Mord in den Grachten von Amsterdam

Cover von Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut

Ein gefährliches Spiel mit politischen Extremen

Die Handlung von Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut spielt in Amsterdam, einer Stadt, in der Drogen, Prostitution und die Schwulenszene allgegenwärtig sind. Der linke Aktivist und mit den Kommunisten sympathisierende Pieter van Boer hat sich in eine zur äußersten Rechten gehörende Partei der Niederlande eingeschleust.

Deren Gründerin, Hendrika van Tillo, hat eine Liste mit rund 300 Personen erstellt, die hohe Summen an ihre Partei spenden. Sämtliche Namen sind mit Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche verknüpft. Van Boer gelingt es, diese Liste auf illegalem Weg in seinen Besitz zu bringen.

Ein Mord, eine Liste und eine Verfolgungsjagd

Der russische Finanzier Adam Keretsky, der legale Geschäfte als Tarnung für seine Operationen nutzt und bald zu den Hauptaktionären der mächtigen Fabna-Bank zählen wird, setzt alles daran, die Veröffentlichung der Liste zu verhindern. Er beauftragt Andrej Tarkovski und Parnow mit der Beseitigung des Problems.

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Stahlstück von Sebastian Guhr

Stahlstück„Stahlstück“ von Sebastian Guhr ist eine Sammlung von 15 in sich geschlossenen Erzählungen. Ein ehemaliger Ministrant berichtet in „Echnaton der Zweite“ von stumpfsinniger Anwaltsarbeit und dass seine Kollegen ihre Gleichgültigkeit sogar vor sich selbst verbergen können. Nach einem alles vernichtenden Feuer hält sich das Gerücht, ein Junge kann durchs Feuer gehen ohne Schaden zu nehmen. In „Hüben wie drüben“ besucht eine Schwester ihren Bruder und es entwickeln sich Gespräche mit weiteren Gästen. Dabei geht es unter Anderem um die Arbeitsmoral, wobei ein Großteil der Bevölkerung nur zu Leistungen fähig ist, wenn sie sich prostituiert. Die Frage bleibt offen, wer hier auf Kosten anderer lebt.

Die Titelgeschichte „Stahlstück“ spielt an einem Ort, wo Fixerutensilien und Hundekot herumliegen und es nur unbrauchbare Bänke gibt. Eine Musikerin trifft auf einen Menschen mit nicht augenfälligem Geschlecht und unförmigem Körper.

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Zwischen Mondkult und Sachertorte: Witeks literarischer Wahnsinn mit Methode

Cover von Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte von Johannes Witek

Ein Einstieg in die radikale Sprachwelt

Johannes Witek präsentiert in Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte eine ebenso ungewöhnliche wie herausfordernde Mischung aus Lyrik und Prosa. Gespickt mit kritischen und zynischen Untertönen, konfrontiert er seine Leserinnen und Leser mit neuen Wortschöpfungen und einer Aneinanderreihung von Versen, die auf den ersten Blick weder Sinn ergeben noch zusammenpassen wollen. Die gewählten Gedichtformen sprengen bewusst das klassische Bild eines Gedichts.

Die teils surreal anmutenden Inhalte verlangen Aufmerksamkeit, Offenheit und gelegentlich auch ein zweites Lesen, um zu erahnen, was die Zeilen vermitteln möchten. Selbst dann bleibt manches schwer zugänglich. Wer sich auf Witeks Stil einlässt, muss bereit sein, gedanklich um die Ecke zu denken und sich auf ein literarisches Experiment einzulassen.

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Zwischen den Welten: Identitätssuche im „Wunderland“

Cover von Wunderland von Sophie Albers

Die Begegnung: Eine Journalistin und ein junger Mann zwischen zwei Kulturen

In Sophie Albers’ Roman Wunderland möchte die Journalistin Hama einen Artikel über Menschen mit Migrationshintergrund schreiben. Sie will verstehen, in welcher Welt diese Menschen leben – jenseits der Klischees, mitten im Alltag. Dafür trifft sie Tamer, dessen Vater Palästinenser und dessen Mutter Deutsche ist. Als er neun Jahre alt war, verschwand der Vater; zuvor hatte er sowohl Tamer als auch seine Mutter geschlagen.

Schon bei ihrem ersten Treffen in einem Café erlebt Hama, wie offen Fremdenfeindlichkeit sein kann. Obwohl Tamer in Deutschland geboren wurde, wird er aufgrund seines Aussehens als „Ausländer“ abgestempelt.

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Ein Tag, der alles ins Wanken bringt

Stefan Mühldorfers Roman über einen Mann, der sich selbst aus den Augen verliert

Cover von Tagsüber dieses strahlende Blau von Stefan Mühldorfer

Ein Morgen wie jeder andere – und doch nicht

In Tagsüber dieses strahlende Blau lässt Stefan Mühldorfer seinen Protagonisten Robert Ames selbst erzählen. Der 37‑jährige Versicherungsmakler lebt seit elf Jahren mit seiner Frau Kala in Kanada. Als er an diesem Morgen aufwacht, scheint alles seinen gewohnten Gang zu nehmen: Gedanken an den Arbeitstag, an den Chef, der ihm wider Willen ein Geheimnis anvertraut hat – einen Seitensprung.

Auf dem Weg ins Büro erinnert sich Robert an die frühen Tage mit Kala. Dort angekommen, verwickelt ihn Kollegin Glandis in ein Gespräch über ihre gescheiterte Beziehung. Robert spürt, wie sehr er selbst den Überblick über richtig und falsch verloren hat. Der Gedanke, dass nichts ewig dauert – auch nicht das Unglück –, ist ihm Trost und Warnung zugleich.

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