Im Mittelpunkt des großen literarischen Romans „Die Zwillinge von Nürnberg“ von Hermann Kesten steht das Leben der Zwillinge Primula und Ultima. Nachdem ihre Mutter im Kindbett verstarb, werden sie von ihrem Vater aufgezogen, der als grausamer Richter bekannt ist. Als sie in ein Internat gesteckt werden sollen, fliehen die 17-jährigen Schwestern nach Nürnberg. Man schreibt das Jahr 1918 und es ist endlich wieder Frieden eingekehrt. Sie werden zusammen mit Ferdinand Lust, der aus einem Gefangenenlager aus Nancy geflohen ist, liebevoll von Marie Tucher aufgenommen. Ferdinand unterhält eine kurze Liaison mit der Witwe eines kürzlich verstorbenen Freundes sowie mit der von ihm geliebten Marie Tucher und auch mit Primula, eine der beiden Zwillingsschwestern. Primula wird schwanger und die beiden Schwestern zieht es nach Berlin, wo Primula ebenfalls Zwillinge, zwei Jungen, auf die Welt bringt. Primula und Ultima beschließen, die beiden Jungen Alexander und Caesar jeweils als ein Kind von sich auszugeben und niemand soll jemals von diesem Schwindel erfahren.
Belletristik
In der Belletristik versammeln sich all jene Geschichten, die mit Sprache, Fantasie und erzählerischer Kraft neue Welten eröffnen. Ob leise Alltagsbeobachtungen, große Gefühle, historische Schicksale oder spannende Konflikte – Belletristik erzählt vom Menschsein in all seinen Facetten. Die Romane, Erzählungen und literarischen Werke dieser Kategorie laden dazu ein, Perspektiven zu wechseln, Emotionen zu erleben und in fremde Lebenswelten einzutauchen. Für alle, die Literatur als Kunstform schätzen und erzählerische Vielfalt lieben.
Kreuzende Urlaubsschicksale in einem Hotel – Mark Spörrles Urlaubsroman voller Absurditäten

Chaos, Katastrophen und Katla: Ein Hotelerlebnis der besonderen Art
So unterschiedlich die Erwartungen der Protagonisten an ihre Ferien sind, so verschieden verlaufen auch ihre Erlebnisse in Mark Spörrles unterhaltsamem Roman „Weg da, das ist mein Handtuch!“*. Obwohl alle ihren Urlaub im gleichen Hotel auf einer spanischen Insel verbringen, könnten ihre Geschichten nicht kontrastreicher sein.
Vom Katla-Vulkan zur Badezimmerklinke – Petes geplatzte Pläne
Pete würde lieber sofort wieder abreisen: Auf Island soll der Vulkan Katla ausbrechen – genau das Ereignis, auf das er seit der Entwicklung seiner Theorie der „kreuzweisen Vorbeben“ wartet. Doch ein banaler Zwischenfall durchkreuzt seine Fluchtpläne: Die Klinke bricht ab, und Pete steht nackt und hilflos im Hotelbad.
Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada
Berlin – Jablonskistraße – 1940: Das ist der Schauplatz in Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“. Der überwiegende Teil des deutschen Volkes lässt sich nur zu gerne täuschen und glaubt an den großen Sieg. Die Juden haben es immer schwerer. Es ist die Zeit, in der jeder etwas zu verbergen hat und sich schnell um Kopf und Kragen reden kann, wenn er nicht aufpasst. Einschüchterungen und Ängste sind an der Tagesordnung und die Luft ist wie bei einem drohenden Gewitter damit geladen. Für jeden spürbar. Niemand kann mehr jemandem trauen, die Kinder verraten ihre Eltern und die Gestapo ist überall.
So haben auch die Bewohner eines Mietshauses in der Jablonskistraße in Berlin mit ihrem Schicksal zu kämpfen. Da gibt es die Brüder Persicke, die sich je nach Situation schnell neu orientieren können und dank bester Beziehungen zur Partei immer mit einem blauen Auge davon kommen. Der Hausrat der alten Jüdin Rosenthal wandert als Diebesgut von einem zum anderen. Obwohl der Kammergerichtsrat Fromm ihr Unterschlupf gewährt, zieht es sie doch wieder in ihre Wohnung und damit ins Verderben.
Gegen die Welt von Jan Brandt
Daniel Kuper scheint ein normaler Junge zu sein, der in einem beschaulichen Dorf namens Jericho aufwächst, dort die Schule besucht, Freundschaften knüpft und wieder löst, sowie ein gewisses Interesse an Mädchen besitzt. Diese Eigenschaften, gepaart mit viel Schabernack und Fantasie im Kopf, macht ihn zu einem gewöhnlichen Teenager. Jedoch ereignen sich im Verlauf der Geschichte merkwürdige Ereignisse: unter anderem das Auftauchen eines Kornkreises, der Selbstmord eines Mitschülers und ganze Häuserreihen beschmiert mit Hakenkreuzen. Als Übeltäter dieser merkwürdigen Geschehnisse wird Daniel ausgemacht, der nun in einen Kampf zwischen sich und seiner Umwelt verwickelt ist.
Dies ist in groben Zügen der Inhalt von Jan Brandts Debütroman „Gegen die Welt“, und weist schon beim ersten Hören auf eine spannende und fesselnde Geschichte hin. Seine Sprache wirkt von Anfang an sehr einfach, und ermöglicht es dem Leser schnell sich zurecht zu finden. Mit Hilfe der Sprache gelingt es dem Autor, den Leser schon auf den ersten Seiten an den Roman zu binden.
Robinson und Julia von Isolde Schaad
Isolde Schaad macht es dem Leser mit „Robinson und Julia“ wahrlich nicht leicht. Es ist schwer, den „roten Faden“ zu finden, denn scheinbar gibt es keine Zusammenhänge zwischen den kurz gehaltenen Kapiteln. Diese wechseln zwischen den zwei Frauengestalten Eva und Julia. Eva begegnet uns einmal als Eva mit Adam, mit dem sie schon auf gemeinsam verbrachte Jahrtausende als unverheiratetes Paar zurückblicken kann. So kennt sie weder ihr Alter, noch das ihrer Mitmenschen. Der Paradiesapfel und das Feigenblatt verweisen immer wieder auf die Schöpfungsgeschichte. Obwohl Eva mit Adam zusammenlebt, trifft sie aber auch mit Jean-Paul Sartre in Paris zusammen, in dem sie einen Frauenbeglücker sieht. Ebenso begegnet sie Albrecht Dürer und Martin Luther in Wittenberg, was den Leser etwas verwirrt. Zu Eva und Adam ziehen zwei weitere Frauen, Sheila, der die Vertreibung der Palästinenser am Herzen liegt und Claps, mit der Adam ein Verhältnis beginnt. Eva leidet darunter, wenn Adam die Nächte mit Claps verbringt. Doch im weiteren Verlauf fühlt sie sich selbst von der Konkurrentin sexuell angezogen.
Politiker haben kurze Beine von Erich Koch
Satirische Geschichten aus (m)einem badischen Dorf.
Es sei kein Zufall, dass unter Merkel und Westerwelle die Wölfe wieder nach Deutschland eingewandert sind, schreibt Erich Koch in seinem Buch „Politiker haben kurze Beine“. Damit Sie trotzdem etwas zu lachen haben, hat er die satirischen Geschichten aus (m)einem badischen Dorf geschrieben.
Politiker sitzen in den Aufsichtsräten der Pleitebanken, die kleine Anleger in den Ruin getrieben haben. Die Regierung hat ein neues Verbraucherschutzgesetz gegen die Verbraucher herausgebracht, und mit dem Sparpaket wird den kleinen Leuten der Krieg erklärt. Die Gefahr für Deutschland lauert nicht am Hindukusch, sondern es sind die zähen Rentner, die nach Eintreffen des Rentenbescheides nicht sterben wollen. Doch die Merkel meint, es müssen alle ihren Beitrag leisten, die keine Lobby haben. Deshalb gehen immer weniger Menschen zur Wahl, doch Koch geht wählen, denn schließlich möchte er selbst bestimmen, von wem er in den nächsten Jahren angelogen wird.
Buchrezension: Die tote Schwester von Stephan Brüggenthies
Ein spannender Kriminalroman über Vergangenheit, Identität und Entführung

Ein Kommissar zwischen Erholung und neuer Bedrohung
Im Kriminalroman „Die tote Schwester“* von Stephan Brüggenthies ist Kommissar Zbigniew Meier vorübergehend vom Dienst bei der Kriminalpolizei Köln freigestellt, um sich von einem belastenden Fall zu erholen. Statt Ruhe gönnt er sich ein Abenteuer: Gemeinsam mit seiner erst 18-jährigen Freundin Lena fliegt der 38-jährige nach New York. Dort begegnen sie dem alten Mann Samuel Weissberg, der sie bei einer Kunstausstellung mit der Galeriebesitzerin Delia Johannsen bekannt macht. Samuel berichtet von seiner verschollenen Schwester Eva, die als Baby während der Flucht vor den Nazis auf einem Gehöft zurückgelassen wurde – seither fehlt jede Spur von ihr.
Rückkehr nach Köln: Die Spur von Lena verliert sich
Kaum in Köln gelandet, verschwindet Lena mitsamt Gepäck – Zbigniew war nur kurz auf der Toilette. War da nicht der geheimnisvolle Mann in Kufiya in New York? Wurde Lena entführt?
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Der Untertan von Heinrich Mann
Eine fiktive deutsche Kleinstadt namens Netzig, Ende des 19. Jahrhunderts: Diederich Heßling wächst in der strengen Erziehung der wilhelminischen Epoche auf. Der Vater ist ein patriarchalischer Kleinunternehmer, der zu heftigen Strafen greift, in der Schule wird militärischer Gehorsam gefordert und die Individualität gebrochen. Diese extremen Erziehungsmethoden machen aus Diederich ein Paradebeispiel des autoritären Charakters – gegenüber Vorgesetzten und Höherstehenden zeigt er sich unterwürfig, gegenüber Schwächeren spielt er gnadenlos seine Macht und Dominanz aus. Diederich beginnt ein Chemiestudium in Berlin, wo er sich einer Studentenverbindung anschließt, die sein neues Denken zusätzlich fördert. Zurück in seiner Heimatstadt, übernimmt er die Fabrik des verstorbenen Vaters und schaltet durch Intrigen seine Konkurrenten aus. In fanatischer Verehrung des Kaisers Wilhelm II. steigt er zur wichtigsten Person der Stadt auf.
Heinrich Manns „Der Untertan“ präsentiert sich als eine scharfe, bitterböse Satire über die wilhelminische Epoche und die deutschnationale Politik, die letztlich im Ersten Weltkrieg mündete.
Der Schrei des Lipizzaners von Isabella Trummer
Ein Verrückter, der seit über zwei Jahren in der Steiermark Pferde mit Messerstichen quält, beschäftigt Inspektor Kammerlander und seinen Kollegen Ratzinger in dem Kriminalroman „Der Schrei des Lipizzaners“ von Isabella Trummer. Doch diesem Tierquäler gilt nicht ihre einzige Sorge. In einem Wald wird eine Leiche entdeckt, die schon eine beginnende Verwesung aufweist und in Plastikfolie eingewickelt ist. Da bei dem Toten keine Papiere gefunden werden, kann Raubmord nicht ausgeschlossen werden. Nachdem der Tote als Wolfgang Grebien identifiziert werden konnte, weiß man, dass er an Aids im Endstadium litt und schwul war. Auffällig war allenfalls eine Kette in Hufeisenform, die er um den Hals getragen hat.
Wolfgang Grebien hat vier Jahre mit Martin Meringer zusammengelebt und Kammerlander und Ratzinger erhoffen sich von ihm erste Hinweise. Nachdem dieser eine Ansteckung mit Aids zunächst abstreitet, gibt er letztlich doch zu, auch infiziert zu sein.
Zwischen Schuld, Schweigen und Stoizismus – Georg Unterholzners „Mörderlatein“ im Spiegel Epiktets

Eine nächtliche Entdeckung mit Folgen
„Anytos und Meletos können mich zwar töten, aber schaden können sie mir nicht.“ – Dieser zentrale Gedanke aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“* spielt eine Schlüsselrolle in Georg Unterholzners Kriminalroman „Mörderlatein“*.
Nach einem Pink-Floyd-Konzert fahren die Freunde Max und Kaspar mit dem Motorrad zurück ins Kloster-Internat Heiligenbeuern. Im Licht der Scheinwerfer entdecken sie einen Unfallwagen: Ein dunkelblauer Jaguar ist von der Straße abgekommen und hat einige Sträucher mitgerissen. Das Auto weist nur geringe Schäden auf, doch der Fahrer – äußerlich unverletzt – ist tot. Die beiden können die Polizei nicht verständigen, da sie sich unerlaubt aus dem Internat entfernt haben. Kurz vor dem Abitur würde ein Verweis schwer wiegen. Als sich ein anderer Wagen nähert, fliehen Max und Kaspar.