
Früheste Erinnerungen: Angst, Flucht und der Verlust der Heimat
Hera Lind zeichnet in ihrem Roman Das einzige Kind die ersten Lebensjahre von Djoko nach, dem späteren Franz Peters‑Engl, der ihr dreiundachtzig Jahre später erzählt, wie er im Frühling 1939 als kleiner Junge von drei bis vier Jahren bei seiner Mame und seinem Tate im damaligen Jugoslawien lebte, im heutigen Landesteil Bosnien.
Wenn sein Tate im Wald war, fürchtete er sich gemeinsam mit seiner Mame in der Hütte vor den hungrigen Wölfen. Im Herbst 1940 suchte die Familie Schutz vor dem von Ante Pavelić gegründeten Geheimbund Ustascha und floh zu Tates Eltern in eine Siedlung. Noch wusste der Junge nicht, dass er seine Nachbarn nie wiedersehen würde. Er musste mitansehen, wie seinem Freund das Gesicht zerschossen wurde, und flüchtete nachts in den Wald, als auch diese Siedlung überfallen wurde.
weiterlesenEin Kind im Krieg – und ein Überleben gegen jede Wahrscheinlichkeit
Rosemarie bekommt zu ihrem neunundvierzigsten Geburtstag von ihrem Sohn eine zweiwöchige Reise nach Sri Lanka geschenkt. Im August 1995 startet sie von Düsseldorf und ist nach ihrer Ankunft am Ziel auf ganzer Linie enttäuscht: Aufgrund der Korallenbänke wimmelt es am Strand nur so von spitzen Steinen, sie zieht sich einen starken Sonnenbrand zu und in der Nacht wird sie von Mücken geplagt. Von Neugier getrieben, wagt sie sich in die Armenviertel, woraufhin ihr klar wird, warum das Resort von Security-Leuten bewacht werden muss. Mit Eberhard und Bärbel, die sie bereits auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel kennengelernt hat, macht sie einen Ausflug zu einer herrlichen Bucht und türkisfarbenem Wasser, was ihre Freude auf den weiteren Urlaub hebt.
Wie weit kann oder darf die Liebe zu einem Menschen gehen oder anders gefragt: Ab welchem Stadium wird aus Liebe Hörigkeit? In dem Roman „Mein Mann, seine Frauen und ich“ von Hera Lind, dem eine wahre Geschichte zugrunde liegt, hat die vierundvierzigjährige Nadia Schäfer gerade eine Scheidung hinter sich, als sie einen Anruf von einem ihr unbekannten Mann erhält. Er bittet sie, ihn am nächsten Tag vom Bahnhof abzuholen und beendet damit das Gespräch.
Mit achtzehn Jahren lernt die Gymnasiastin Rita den aus Ghana stammenden Tony kennen und lieben. Doch nach seinem Studium muss er zurück in sein Heimatland und rät ihr, als sie ein Kind erwartet, zur Abtreibung. Obwohl Rita keine Unterstützung seitens ihrer Familie zu erwarten hat, bekommt sie ihren Sohn Benni und nimmt jede Arbeit an, um sich über Wasser zu halten. Sie entschließt sich zur Auswanderung nach Spanien, eröffnet dort eine kleine Bar und hofft, in der neuen Bekanntschaft mit dem Nigerianer Raymond einen Vater für ihren kleinen Benni zu finden. Vierzehn Jahre später steht plötzlich ihre große Liebe Tony vor ihr. Sie schmieden Heiratspläne und sind beide überglücklich, bis Rita die Nachricht von seinem tödlichen Autounfall ereilt.