Laurentius’ Wunder – Ein Roman über Glaube, Trauma und Hoffnung

Irene Matts Erzählkunst zwischen Missbrauch, Mystik und Vatikan

Cover von Laurentius' Wunder von Irene Matt

Kindheit ohne Trost – Giulianos schwieriger Start

Als Giuliano Ferrari an seinem zwölften Geburtstag nach Hause kommt, sucht er vergeblich nach seiner Geburtstagstorte. Stattdessen eröffnet ihm sein Vater, dass die Mutter ihn verlassen hat. Giuliano fragt sich, ob er Schuld daran trägt.

Vier Jahre später heiratet der Vater Signora Stefania, die entscheidet, dass Giuliano kein Theologiestudium beginnen, sondern stattdessen eine Kochausbildung bei ihrem Vetter absolvieren soll. Giuliano wird ohne Herzlichkeit verabschiedet und von Pietro ins Hotel gefahren. Noch am ersten Abend wird er von diesem vergewaltigt. In seiner Kammer, in der er sich nie sicher fühlt, blickt der Sechzehnjährige auf die Mauern eines nahen Klosters – seine stille Zuflucht.

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Intrigen, Schuld und Spiritismus: Eine Reise in Fogazzaros „Piccolo Mondo Antico“

Cover von Piccolo Mondo Antico von Antonio Fogazzaro

Die Welt am Luganer See – ein politisch aufgeladener Schauplatz

Der nach sechsjähriger Arbeit im Jahr 1895 erschienene Roman Piccolo Mondo Antico von Antonio Fogazzaro spielt im Gebiet des Luganer Sees um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit existierte noch das Königreich Lombardo-Venetien – ein Detail, das für das Verständnis der politischen Verhältnisse der vom Autor geschilderten Ereignisse von Bedeutung ist.

Im Zentrum steht Don Franco Maironi, der früh seine Eltern verloren hat und deshalb unter der strengen Autorität seiner wohlhabenden und tief religiösen Großmutter, Marchesa Ursula Maironi, aufwächst. Als sich in ihrem Haus unter anderem Pasotti einfindet – begleitet von seiner tauben Ehefrau Barborin und einem Pfarrer, mit dem er über den Luganer See übergesetzt wurde –, eskaliert ein Streit. Die Marchesa droht Franco mit Enterbung, sollte er Luisa Rigey heiraten. Franco verlässt daraufhin die Zusammenkunft.

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Bertha Benz und die Straße der Träume von Alexander Schwarz

Bertha Benz und die Straße der TräumeWahrscheinlich ist es unmöglich, die Anzahl der heutzutage auf der Welt fahrenden Autos auch nur annähernd zu beziffern und es fällt schwer sich vorzustellen, dass noch vor rund eineinhalb Jahrhunderten kein Mensch an ein Fahrzeug glauben wollte, das sich ohne Pferd fortbewegen kann. Bis auf den Ingenieur Carl Benz, der in dem Roman Bertha Benz und die Straße der Träume* der erst vierzehnjährigen Bertha Ringer im Jahr 1863 zum ersten Mal in Pforzheim begegnet. Sie ist erstaunt über den jungen Mann, der zwischen zwei Rädern auf einem „hölzernen Apparat“ strampelt. Sechs Jahre später trifft sie ihn bei einem Familienausflug wieder und beim Blick in seine Augen weiß sie sofort, dass sie ihn zum Mann haben will. Geduldig erzählt ihr Carl von seinem Veloziped und seinem Traum, einen selbst fahrenden Apparat zu bauen, der ohne Pferde auskommt.

Als Bertha, die auf die Höhere Töchterschule gehen durfte, ihren Eltern ihre Liebe zu Carl gesteht, hält ihr Vater dagegen, den Mann für einen Hallodri und Luftikus zu halten. Schließlich gibt er ihrem Drängen nach, Carl macht einen Antrittsbesuch und Bertha ist überglücklich, als er endlich um ihre Hand anhält.

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Canaria Criminal von Daniel Verano

Canaria CriminalDaniel Verano hat seinen Kriminalroman Canaria Criminal* dort angesiedelt, wo die Deutschen seit Jahrzehnten gerne Urlaub machen: Felix, einer seiner Protagonisten, bewohnt einen Bungalow an der Playa Besudo, unweit der bei Touristen beliebten Playa del Inglés. Der bei La Vida arbeitende deutsche Journalist muss durch ein Fernglas mitansehen, wie der neue Parteichef Francisco Fraude nach einem Fallschirmabsprung ungebremst auf einen Felsen aufschlägt. Sofort telefoniert er mit seiner Arbeitskollegin Candela: Hält sie es für möglich, dass Klimaaktivisten hinter dem Unglück stecken könnten? Immerhin ist Fraude gegen die weitere Zuwanderung von Asylanten und wollte mit dem angekündigten Fallschirmabsprung allen beweisen, was er für sein Land zu tun bereit ist. Aus Sorge vor einem wiedererstarkenden Faschismus haben sich Demonstranten am Flugplatz Aeródromo versammelt, von wo aus Fraude starten wollte, um in den Dünen von Maspalomas zu landen.

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The way I used to be von Amber Smith

The way I used to beAls die vierzehnjährige Eden McCrorey in dem Roman The way I used to be* eines Sonntagmorgens erwacht, glaubt sie zunächst, einen schlechten Traum gehabt zu haben, in dem Kevin, der beste Freund ihres Bruders Caelin, der seit Jahren quasi zur Familie gehört, sich des nachts zu ihr ins Bett gelegt und sie vergewaltigt hat. Doch dann realisiert sie das Blut auf dem Laken und ihren Beinen, sieht blaue Flecken an Armen, Hüfte und Oberschenkel. Sie hört, wie ihre Mutter zum Frühstück ruft. Da Eden sich nicht rührt, kommt die Mutter ins Zimmer. Was soll sie sagen, was kann sie sagen, zumal Kevin ihr glaubhaft versichert hat, dass ihr niemals jemand glauben wird und ihr zudem gedroht hat, sie in diesem Fall umzubringen? Für die Mutter besteht kein Zweifel, dass es sich lediglich um Menstruationsblut handelt, was keiner weiteren Erklärung bedarf.

Für das Mädchen beginnt ein Albtraum, sitzt doch Kevin weiterhin bei der Familie am Esstisch. In der Schule flüchtet Eden nach den Winterferien aus der Schulmensa vor ihren Mitschülern in die Bibliothek, ohne der irritierten Bibliothekarin eine Erklärung geben zu können.

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