
Von den Kanaren bis Madeira: Ein weiter gesteckter Rahmen
Der Marco Polo Reiseführer Kreuzfahrt Kanaren führt nicht nur die Besonderheiten der namensgebenden Inselgruppe auf, sondern bezieht auch Cádiz und Lissabon als mögliche Auslaufhäfen ein. Je nach Route werden zudem die Kapverdischen Inseln sowie die zu Portugal gehörenden Azoren und Madeira berücksichtigt.
Als erstes widmen sich die Autoren ausführlich Lanzarote, wo ihrer Einschätzung nach einiges im Argen liegt und Besucher teilweise Mondlandschaften erwarten. Es folgen Fuerteventura mit Wanderdünen und kilometerlangen Stränden, Teneriffa mit dem häufig wolkenverhangenen Pico del Teide und zahlreichen Schluchten, für deren Begehung feste Wanderschuhe empfohlen werden, sowie La Palma, dessen Nordosten erst seit vergleichsweise kurzer Zeit erschlossen ist. Auch das ruhige, vom Massentourismus weitgehend verschonte La Gomera wird vorgestellt.
Andalusien, Marokko und Portugal – Vielfalt entlang der Routen
Weiter geht es mit Andalusien, wo sowohl Stierkämpfe als auch Flamenco zu Hause sind und Städte wie Málaga, Cádiz, Sevilla und Gibraltar – inklusive der dort lebenden Berberaffen – vorgestellt werden.
Marokko wird mit Casablanca, Tanger, Agadir und Marrakesch beschrieben, wobei das Anrempeln in den überfüllten Souks laut Autoren zur Normalität gehört.
In Lissabon weisen sie auf die bei Touristen beliebten, jedoch recht teuren Standseilbahnen hin. Madeira mit Funchal bietet Lavapools und im Sommer sogar traditionelle Korbschlittenfahrten. Danach folgen die Azoren, die Kapverdischen Inseln und schließlich Senegal mit seiner modernen Hauptstadt Dakar. Im Umland berichten die Autoren von einem rosa gefärbten Salzsee.
Praktische Hinweise für Kreuzfahrer
Am Ende jedes Gebietes finden sich die wichtigsten Informationen für Kreuzfahrer: Anlegestellen und ihre Entfernung zur Stadt, Hinweise zu Shopping & Stöbern, Einreise, Klima & Reisezeit, Verkehrsmitteln und Notfällen.
Nach der Vorstellung aller Destinationen folgen speziell für Kreuzfahrer relevante Fakten: Ablauf von Ein‑ und Ausschiffung, Kennenlernabende, Kabinentypen, die Bedeutung von Tenderbooten, die verpflichtende Seenotrettungsübung, Rettungsboote sowie die medizinische Versorgung an Bord. Ein Schiffs‑ABC sowie kurze Sprachhilfen in Englisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch runden den praktischen Teil ab.
Realistische Einschätzungen: Was in der Praxis kaum funktioniert
Ein ausgiebiger Spaziergang auf dem Teide, wie im Reiseführer vorgeschlagen, ist für Kreuzfahrer kaum realistisch: Erst geht es mit dem Bus rund zweitausend Höhenmeter hinauf, dann mit der Seilbahn fast auf viertausend Meter – und anschließend alles wieder zurück. Das Risiko, nicht rechtzeitig an Bord zu sein, ist erheblich.
Ähnlich problematisch ist ein Ausflug zur Isla de los Lobos: Vom Schiffsanleger in Puerto del Rosario fährt man zunächst eine halbe Stunde nach Corralejo, doch von dort muss man weiter übersetzen. Wer auf der Rückfahrt kein Boot oder Taxi rechtzeitig erwischt, gerät schnell in Zeitnot.
Ungereimtheiten im Text – und ihre wahrscheinliche Ursache
Irritierend sind Formulierungen wie „wenn du mit dem Schiff zu den Azoren reist“ oder der Hinweis, wie schön es sei, sich La Palma mit dem Schiff zu nähern – schließlich ist dies für Kreuzfahrer selbstverständlich.
Diese Ungereimtheiten deuten darauf hin, dass der Reiseführer auf bereits in anderen Marco‑Polo‑Bänden veröffentlichten Texten basiert, aus denen Passagen übernommen wurden. Das erklärt auch, warum eingangs keine Angaben dazu gemacht werden, was sich beim Anlaufen eines Hafens oder einer Insel bietet.
Fazit: Trotz Schwächen ein brauchbarer Einstieg
Trotz mancher inhaltlicher Schwächen bietet der Reiseführer – ergänzt durch zahlreiche Insel‑ und Citypläne – Einsteigern eine erste Orientierung über die Vielfalt möglicher Kreuzfahrtrouten rund um die Kanaren.
Marco Polo Reiseführer Kreuzfahrt Kanaren

MairDumont 2. Auflage 2024
Klappenbroschur
152 Seiten
ISBN 978-3-8297-3124-9