
Wenn Kinder große Fragen stellen
Manche Eltern fühlen sich überfordert, wenn ihre neugierigen Kinder Fragen über „das Klima unserer Erde von der Urzeit bis heute“ stellen. In diesem Fall kann das Kindersachbuch Pupsende Mikroben und Dinos im Winterschlaf von Ola Woldańska‑Płocińska eine wertvolle Hilfe sein. Anhand vieler Beispiele zeigt es, wie Klima und Wetter zusammenhängen und welche Auswirkungen sie auf Pflanzen, Tiere und Menschen haben.
Da sich das Klima über Jahrmillionen hinweg verändert hat, wandelten sich auch die Lebensformen. Vor 230 Millionen Jahren existierte nur ein einziger Kontinent – Pangäa –, bevölkert von Dinosauriern, bis ein Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren ihr Ende einleitete.
Eiszeiten, Energiequellen und der Blick ins All
Die Autorin erklärt die Entstehung und das Verschwinden von Eiszeiten während der Epoche vor 2,5 Millionen Jahren – beeinflusst unter anderem durch die Position der Erde im All. Sie erläutert den Sinn von Eisbohrkernen und hebt die Bedeutung moderner Klimaerforschung hervor, etwa durch Satelliten oder Wetterballons, die Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen ermöglichen.
Weitere Themen sind die Wirkung von Sonnenflecken, die Entstehung fossiler Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas sowie grundlegende Prozesse wie Fotosynthese und Treibhauseffekt.
Klimawandel – und was er für unseren Alltag bedeutet
Vulkanausbrüche, so Woldańska‑Płocińska, sind nicht verantwortlich für die zunehmend heißen Sommer oder katastrophalen Überschwemmungen. Dass der Eisbär durch die Gletscherschmelze seinen Lebensraum verliert, mag manchen noch gleichgültig sein. Doch spätestens bei der düsteren Prognose für Pommes – weil Kartoffeln Hitze und Trockenheit schlecht vertragen – oder der möglichen Bedrohung der Tomate für die Ketchup‑Produktion wird klar, wie nah der Klimawandel unseren Alltag betrifft.
Wege aus der Krise: Energie, Natur und Verantwortung
Wenn wir nicht ohne Strom leben wollen, führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei: Fotovoltaik‑Module, Windkraftanlagen und Wasserkraftwerke werden als Alternativen zu fossilen Brennstoffen vorgestellt. Landwirte könnten Biogasanlagen nutzen, in denen pflanzliche und tierische Abfälle zu Energie verarbeitet werden.
Die Autorin plädiert für mehr Natur: Wiesen säen, Insektenhotels aufstellen, den Amazonas‑Regenwald und die Karpatenwälder schützen. Denn ohne Insekten gäbe es keine Bestäubung – und damit keine Nahrung. Am Ende stellt sie die Frage, ob Reichtum – meist mit Geld gleichgesetzt – wirklich Glück bedeutet.
Wissenschaft trifft Humor – ein Kinderbuch mit vielen Ebenen
Das aus dem Polnischen von Marlena Breuer übersetzte Sachbuch eignet sich bereits für Kinder ab etwa sechs Jahren, zumindest in Auszügen. Je nach Interesse können Erwachsene einzelne Themen vertiefen, bevor Kinder später selbst lesen.
Die großformatigen Illustrationen sind ausdrucksstark, humorvoll und oft herrlich schräg. Manche Darstellungen erfordern Fantasie – etwa der bildhafte Vergleich verschiedener Sphären oder die Szene, in der Sonnenflecken mit Putztüchern „weggewischt“ werden.
Der Text selbst kombiniert wissenschaftliche Begriffe wie Pleistozän oder Orbit mit kindgerechten, humorvollen Einlagen – etwa einem Nutellabrötchen.
Zwischen Anspruch und Realität
Die Empfehlung, im Laden nach Bioprodukten zu greifen, ignoriert allerdings, dass sich viele Menschen diese nicht leisten können. Die Autorin spart nicht mit Schuldzuweisungen: Für die Klimaveränderung seien wir alle verantwortlich. Gleichzeitig zeigt sie Wege auf und listet fünf Dinge, die jeder beherzigen kann.
Vielleicht bewirkt das Buch, dass ein wissbegieriges Kind später als Erwachsener dazu beiträgt, die Folgen des Klimawandels abzumildern.
Pupsende Mikroben und Dinos im Winterschlaf von Ola Woldańska-Płocińska

Übersetzung von Marlena Breuer
Carl Hanser Verlag 2024
Hardcover
80 Seiten
ISBN 978-3-446-27931-5