Burgen, Mythen und harte Realitäten – Ein Blick in Tirols mittelalterliche Welt

Cover von Die schönsten Tiroler Burgen und Schlösser von Anton Prock

Vom Mittelalter zur Begriffsklärung

Anton Prock setzt in seinem Buch „Die schönsten Tiroler Burgen und Schlösser“ im Mittelalter an und erläutert zunächst die Unterschiede zwischen Burg, Schloss, Festung, Ansitz und Palais. Bedeutungsvoll weist er darauf hin, dass heute – nicht zuletzt durch Ritterromane – ein „teilweise romantisch verklärtes Bild des Rittertums“ vorherrscht.

Anschaulich beschreibt er den Bau einer Burg, bei dem die Planer bereits die Möglichkeit der Selbstversorgung im Falle einer Belagerung berücksichtigten. Er geht dabei auf die Vielzahl der beteiligten Handwerker, ihre Werkzeuge und die verwendeten Materialien ein. Eine schematische Darstellung veranschaulicht die wichtigsten Bauteile einer Burg.

Leben auf der Burg: hart, eng und unhygienisch

Unmissverständlich wird deutlich, dass der Alltag der Burgbewohner „hart und entbehrungsreich“ war. Die hygienischen Verhältnisse waren äußerst schlecht – menschliche wie tierische Exkremente gelangten schlicht über den Burggraben nach außen.

Prock thematisiert früh geschlossene Ehen und die hohe Säuglingssterblichkeit. Mit Naturmaterialien gefüllte Säcke dienten als Matratzen, begleitet von Bettwanzen und Flöhen. Aus Glaubensgründen schlief man zudem im Sitzen.

Auch die Burgküche wird beleuchtet: Schon damals half man sich mit einer Art „Eisschrank“. Das Grundnahrungsmittel war Bier – mangels Alternativen sogar für Kinder.

Glaube, Turniere und Belagerungstechniken

Religion und Glaube spielten eine zentrale Rolle. Neben Turnieren, die der körperlichen Ertüchtigung dienten und von denen der Autor drei Arten unterscheidet, vertrieb man sich die Zeit mit Musik und Spielen.

Bei Belagerungen waren der Erfindungsgabe kaum Grenzen gesetzt – ebenso wenig wie den Möglichkeiten der Verteidigung.

Vom Adel zur Festung: Tirol im Wandel

Im weiteren Verlauf widmet sich Prock den Tiroler Adelsfamilien des Spätmittelalters und zeigt, wie Burgen im 15. Jahrhundert zunehmend von Festungen abgelöst wurden. Auch deren Bau beschreibt er detailliert.

Der größte Teil des Buches stellt vierzig Burgen und Schlösser in Nord- und Osttirol vor. Jede Beschreibung beginnt mit „was uns erwartet“, gefolgt von einem historischen Rückblick. Der Leser erfährt, wie man den Ort erreicht, welche Sehenswürdigkeiten in Bauwerk und Umgebung warten – etwa Klettergebiete, Grotten, Innsbruck und Hall, den Alpenzoo, Hängebrücken, Jagdsitze, Silberbergwerke, Klöster, römische Überreste oder Wallfahrtskirchen – und welche Besonderheiten inklusive QR-Code zur Webseite geboten werden.

Redewendungen, Legenden und überraschende Details

Anton Prock, der umfangreiche Literatur heranzog, liefert nicht nur ein umfassendes Zeugnis einer vergangenen Epoche, sondern nimmt seine Leser mit auf eine spannende Reise in eine Zeit, die wir meist nur aus Filmen kennen. So erklärt er den Ursprung von Redewendungen wie „etwas auf die hohe Kante legen“ oder „einen Zahn zulegen“. Überraschend ist auch, dass das „Endloshandtuch“ keine moderne Erfindung ist.

Natürlich kommt der Autor auch auf die Bewohner der vorgestellten Bauwerke zu sprechen – etwa auf eine nicht standesgemäße Ehe aus dem Jahr 1557. Er erzählt zudem eine Legende, in der zwei Kuhschwänze zusammengebunden wurden, und eine Sage über einen Menschen, der nach dem Genuss von Quellwasser gesundete. Wer das überprüfen möchte, kommt allerdings zu spät: Die Quelle ist, wie Prock lapidar bemerkt, verschwunden.

Ein reich bebildertes Sachbuch mit Mehrwert

Das informative, gut gegliederte und angenehm lesbare Sachbuch überzeugt durch zahlreiche Abbildungen und Fotos und schließt mit einem Glossar.

Die schönsten Tiroler Burgen und Schlösser von Anton Prock

Cover von Die schönsten Tiroler Burgen und Schlösser von Anton Prock
Tyrolia Verlag 2025
Klappenbroschur
224 Seiten
ISBN 978-3-7022-4307-4

Bildquelle: Tyrolia Verlag

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