
Ein Jugendleben voller Schicksalsschläge
Nachdem Hans in der Schule verprügelt wurde, beginnt er mit dem Boxtraining und bestreitet bereits mit dreizehn Jahren seinen ersten Kampf. Zwei Jahre später fährt sein Vater ihn zu einem Turnier – und verunglückt tödlich. Der Junge gibt sich die Schuld. Kurz darauf stirbt auch seine Mutter: Sie erleidet beim Ernten von Schnittlauch einen allergischen Schock durch das Gift einer Honigbiene, weil sie ihrem Sohn ein Rührei zubereiten wollte.
Ein Internat im Bayerischen Wald – und die Einsamkeit
Tante Alex hält es nach dem Tod seiner Eltern für das Beste, den Fünfzehnjährigen auf das von Mönchen geleitete Johannes-Kolleg im Bayerischen Wald zu schicken. Pater Gerald ermöglicht Hans zwar, weiter zu trainieren, doch trotz aller Vertiefung in die Bücher bleibt er einsam.
Ein Angebot aus Cambridge – und ein geheimnisvoller Auftrag
Eines Tages lädt Tante Alex ihn nach Cambridge ein, wo sie seit ihrer Promotion als Professorin arbeitet. Sie stellt ihm einen Studienplatz samt Stipendium in Aussicht. Im Gegenzug soll er nach bestandenem Abitur herausfinden, was die Boxer der Universität im Pitt Club treiben. Inkognito, damit keine Verbindung zu ihr entsteht, soll er ein Verbrechen aufklären – mehr verrät sie nicht.
Der Pitt Club und die Spur eines Verbrechens
Über Angus Farewell, den Vater von Charlotte, erhält Hans nach einem gemeinsamen Essen Zugang zum Club. Charlotte fasst zunehmend Vertrauen zu ihm und erzählt von einer traumatischen Erfahrung. Hans wird klar, dass sich unter den „Schmetterlingen“, wie sich die Clubmitglieder wegen des gestickten Schmetterlings auf ihrer Fliege nennen, der Täter befinden muss.
Nichtsahnend gerät er selbst in die Enge – und wird Zeuge eines Verbrechens, dessen Vollstreckung er mit allen Mitteln zu verhindern versucht.
Vielstimmige Erzählperspektiven – und ein zäher Mittelteil
Takis Würger lässt nicht nur Hans in der Ich-Form erzählen, sondern auch weitere Figuren, die mit markanten Eigenheiten ausgestattet sind: Einer kocht leidenschaftlich für die Clubmitglieder, ein anderer pflegt ein tägliches Ritual mehrfacher Masturbation. Sie alle berichten aus ihrem Leben, damit der Leser ein Bild von ihnen erhält. Am Handlungsverlauf ändert das jedoch wenig – trotz zahlreicher Boxkämpfe wartet man lange auf einen entscheidenden Durchbruch.
Wahrheit, Rache und die Geduld des Menschen
Interessant ist eine Aussage im Plot: Wahrheit „sind Geschichten, die wir uns so lange erzählen, bis wir glauben, sie wären Wirklichkeit“. Tante Alex definiert zudem den Unterschied zwischen Mensch und Pavian: Nur der Mensch besitzt die Fähigkeit zur Rache – und die Geduld, einen Plan zu entwickeln, der erst nach seiner Umsetzung Erfüllung verspricht. Ihr Plan, Hans nach Cambridge zu holen, nimmt damit Form an.
Ein College mit Geschichte – und ein Roman, der nachhallt
Das von Lady Margaret Beaufort gegründete St. John’s College in Cambridge hat zahlreiche Nobelpreisträger hervorgebracht; auch Prinz Charles studierte an einem College dieser Stadt – ebenso wie der Autor. Takis Würger war selbst Mitglied verschiedener studentischer Clubs, in denen er in der Gewichtsklasse „Schwergewicht“ boxte. Gerade deshalb wirkt der unspektakulär beginnende und schließlich mit zwei Toten endende Roman Der Club lange nach, auch wenn der Autor versichert, die Geschichte sei frei erfunden.
