Ein Kind im Krieg – und ein Überleben gegen jede Wahrscheinlichkeit

Cover von Das einzige Kind von Hera Lind

Früheste Erinnerungen: Angst, Flucht und der Verlust der Heimat

Hera Lind zeichnet in ihrem Roman Das einzige Kind die ersten Lebensjahre von Djoko nach, dem späteren Franz Peters‑Engl, der ihr dreiundachtzig Jahre später erzählt, wie er im Frühling 1939 als kleiner Junge von drei bis vier Jahren bei seiner Mame und seinem Tate im damaligen Jugoslawien lebte, im heutigen Landesteil Bosnien.

Wenn sein Tate im Wald war, fürchtete er sich gemeinsam mit seiner Mame in der Hütte vor den hungrigen Wölfen. Im Herbst 1940 suchte die Familie Schutz vor dem von Ante Pavelić gegründeten Geheimbund Ustascha und floh zu Tates Eltern in eine Siedlung. Noch wusste der Junge nicht, dass er seine Nachbarn nie wiedersehen würde. Er musste mitansehen, wie seinem Freund das Gesicht zerschossen wurde, und flüchtete nachts in den Wald, als auch diese Siedlung überfallen wurde.

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Gefangenschaft, Folter und verlorene Jugend – Tsai Kun-lins erschütternde Jahre

Cover von Tsai Kun-lin Die gestohlenen Jahre von Yu Pei-yun und Zhou Jian-xin

Ein junger Mann gerät unschuldig in die Fänge des Regimes

Tsai Kun-lin – Die gestohlenen Jahre ist der zweite von vier Bänden, die inhaltlich eine geschlossene Einheit bilden. In dieser ausführlichen Comicform erzählt Yu Pei-yun das Leben von Tsai Kun-lin, der ihr und Illustrator Zhou Jian‑xin in zahlreichen Gesprächen seine Erinnerungen anvertraut hat.

Die Fortsetzung knüpft direkt an den ersten Band an, der mit Kun‑lins Abführung zum Verhör endet: Nachdem sein ahnungsloser Bruder Kun‑chang die Militärpolizisten unwissentlich zu ihm geführt hat, gerät der knapp Zwanzigjährige am 10. September 1950 unschuldig in die Gewalt des Regimes von Chiang Kai‑shek. Sein einziges „Vergehen“ besteht darin, während der Schulzeit einem Lesezirkel angehört zu haben, der als „aufrührerische Vereinigung“ eingestuft wurde.

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Ein Hund namens Tulpe – und ein Griesgram, der sich verändern muss

Cover von Tulpe - Gewissen auf vier Pfoten von Thomas Letocha

Ein Schrebergarten, ein Unfall und ein unerwarteter Störenfried

Nachdem die Ehefrau von Karlheinz Kallemann vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, hat sich der Neunundsechzigjährige zu einem regelrechten „Kotzbrocken“ entwickelt. Er lebt seitdem allein in seinem kleinen Häuschen im Schrebergarten und ist bei allen Nachbarn als Nörgler, Miesepeter und unberechenbarer Griesgram verschrien.

Als eines Tages ein Hund seinen Weg kreuzt, gerät er beim Versuch, ihn zu verscheuchen, ins Straucheln und stürzt zu Boden. Beim Abendrundgang entdeckt Kallemann große Löcher in seinem geliebten Tulpenbeet. Sogar Blumenzwiebeln wurden herausgerissen – für ihn ist klar: Das war der Hund. Hinter dem Geräteschuppen entdeckt er ihn tatsächlich und macht Jagd auf seinen vermeintlichen Feind. Doch immer wieder landet er selbst auf dem Boden, bis er sich schließlich schmerzgeplagt ins Bett legt.

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Zwölf Ruhrpott‑Geschichten voller Herz, Humor und Erinnerung

Cover von Ruhrgebiet – Taubengurren und Kohlenhaufen von Margit Kruse

Konfirmationen, Kirchenfreizeiten und unerfüllte Liebe

In ihrem Buch Ruhrgebiet – Taubengurren und Kohlenhaufen präsentiert Margit Kruse zwölf Geschichten und Anekdoten, die allesamt im Ruhrgebiet angesiedelt sind.

Da geht es um die Vorbereitungen für Karins Konfirmation, die mit dem Nähen eines Kleides, das so gar nicht ihrem Geschmack entsprach, lange vor dem großen Tag begannen und in der völligen Erschöpfung der Mutter endeten. Petra freute sich auf die Kirchenfreizeit mit Sabine und dachte nicht daran, auf ein deutlich jüngeres Mädchen aufzupassen – sie wollte lieber ihre ersten Lungenzüge ausprobieren.

Während Matthias seinen Vater nicht aus der Kneipe bekommt, obwohl die Mutter zu Hause vergeblich mit dem Mittagessen wartet, findet in einer anderen Geschichte die Liebe von Paul zu Lydia ein trauriges Ende. Nur weil er nicht der „richtigen“ Konfession angehörte. Obwohl Lydia volljährig ist, fehlt ihr die Kraft, sich gegen ihre Eltern zu stellen.

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Zwischen Kostümen und Kontrolle – Evas Weg zu ihrem eigenen Traum

Cover von Wunder gibt es immer wieder von Beate Sauer

Ein unerwarteter Einstieg in die Filmwelt

Die neunzehnjährige Eva Vordemfelde freut sich auf einen Urlaub bei ihrer Cousine Margit, die in einem luxuriösen Hotel in Fuschl am See eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert. Als Eva eintrifft, eröffnet Margit ihr, dass aus der geplanten Wanderung nichts wird, da sie wegen der kurzfristig ins Hotel verlegten Dreharbeiten zu einem Sissi‑Film arbeiten muss. Ehe sich Eva versieht, ist sie als Statistin vorgesehen und zeigt sich begeistert von den Kostümen. Eigentlich hätte sie eine Schneiderlehre machen wollen, doch ihr strenger Vater Axel hatte es ihr nicht erlaubt. Als sie die Kostümbildnerin Gerdago kennenlernt, gesteht sie ihr, dass sie bereits Kostüme gezeichnet hat, und zeigt ihr die Entwürfe. Tatsächlich bescheinigt Gerdago ihr Talent und reicht ihr ein Empfehlungsschreiben für das Theater in München.

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Die Kunst der Rebellion – Elsa Schiaparellis Weg nach Paris

Cover von Die Modemacherin von Paris von Mina König

Neuanfang nach einer gescheiterten Ehe

Die 1890 in Rom geborene Elsa Schiaparelli hat es nach einer unglücklichen Ehe in New York zurück nach Europa gezogen, wo sie bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine gefeierte Modeschöpferin war, die Größen wie Greta Garbo und Joan Crawford einkleidete. Doch bis dahin hatte sie noch einen beschwerlichen Weg vor sich, den Mina König in ihrem Roman Die Modemacherin von Paris nachgezeichnet hat: Nachdem Elsa von ihrem Ehemann wegen einer Affäre verlassen wurde, zieht sie mit der zweijährigen Tochter Gogo und ihrer Freundin Gabi Picaba, deren Ehemann Francis sie nur noch gelegentlich besucht, nach Paris. In dieser Metropole will Elsa ihren Traum verwirklichen und die Pariserinnen in ihre Kunstwerke kleiden, wie sie ihre Entwürfe nennt.

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Zwischen Bühne und Abgrund: Anne Enrights Roman Die Schauspielerin

Buchcover des Romans Die Schauspielerin

Die Suche nach der Mutter

In ihrem Roman Die Schauspielerin* lässt Anne Enright die Ich-Erzählerin Norah der Frage nachgehen, wer ihre Mutter wirklich war – nicht nur als öffentliche Figur, sondern als Mensch. Für Norah ist es bereits rätselhaft, dass ihre Mutter, die Schauspielerin Katherine O’Dell, ihren Geburtsort London geheim hielt. In Irland feierte Katherine erste Erfolge, die ihr als Sprungbrett für eine Karriere dienten, die sie ab Mai 1948 für dreiundzwanzig Jahre an den Broadway führte. Norah, die 1952 in Brooklyn geboren wurde, erinnert sich an die vielen Zigaretten, die ihre Mutter rauchte, und an deren übermäßigen Alkoholgenuss.

Der Zusammenbruch einer Schauspielerin

Schon früh berichtet Norah von einem Vorfall im Jahr 1980, bei dem ihre Mutter den Filmproduzenten Boyd O’Neill in den Fuß schoss.

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Blaue Nächte – Ein Roman über verpasste Chancen und lebenslange Versprechen

Buchcover des Romans Blaue Nächte

Ein rätselhafter Besucher im Blue Nights

Als Milenas Mutter erkrankt, soll sie vorübergehend im Klub Blue Nights aushelfen, den ihre Mutter nach dem Tod des Vaters weiterführt. Eines Abends möchte ein etwa siebzigjähriger Mann den Klub betreten. Er spricht von „riesigen Fehlern“, die er begangen habe, und davon, dass dies seine letzte Gelegenheit sei, alles wieder in Ordnung zu bringen. Offensichtlich verwirrt, wird er zunächst vom Türsteher und schließlich auch von Milena abgewiesen. Plötzlich bricht er zusammen und wird mit einem Rettungswagen abtransportiert.

Kurz darauf tritt eine ältere Dame in einem azurblauen Kleid aus dem Blue Nights. Milena erinnert sich, sie zuvor an der Bar gesehen zu haben. Vermutlich wollte der Mann zu ihr, mutmaßt Milena, und versucht vergeblich, sie aufzuhalten.

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Zwischen Skalpell und Schicksal: Klinikgeschichten, die unter die Haut gehen

Buchcover: Tage in Weiß

Erste Schritte im weißen Kittel

Rainer Jund schreibt in seinem Buch Tage in Weiß über den Klinikalltag. Er ist selbst HNO-Arzt und hatte als Medizinstudent in München zunächst die Anatomie auf dem Lehrplan. Früh macht er die Erfahrung, dass Neurochirurgen Entscheidungen treffen und abwägen müssen, ob beispielsweise eine riskante Operation dem Risiko eines Aneurysmas vorzuziehen ist.

Nächte voller Notfälle

Jund schildert eine Reihe von Fallbeispielen, wie sie typischerweise vorkommen können: Während des Nachtdienstes wird eine Tracheotomie nötig, weil eine Intubation nach einem missglückten Suizid nicht möglich ist. Bei einer OP-Assistenz beobachtet er, wie dem operierenden Professor kaum eine Wahl bleibt, auch wenn mit der Entscheidung niemand zufrieden sein kann. Eines Nachts muss der Autor einem Patienten die Nase annähen – aufgrund des hohen Blutalkoholwerts ohne Vollnarkose. Kaum will er sich ausruhen, wird er schon zum nächsten Notfall gerufen.

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Ein Mord im Schnee – und die Frage nach Identität

Cover von Girl in Snow von Danya Kukafka

Der Fund am Spielplatz

An einem eisigen Morgen im Februar wird auf dem Spielplatz neben der Grundschule von Broomsville, einer Kleinstadt am Fuße der Rocky Mountains, die Leiche der fünfzehnjährigen Lucinda Hayes vom Hausmeister der Schule entdeckt. Da in der Nacht Schnee gefallen war, ist die Tote mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt, die alle Spuren beseitigt hat. Die Tatwaffe und das Handy des Opfers sind verschwunden, und auch die Befragung der Anwohner liefert keine neuen Erkenntnisse.

Erste Ermittlungen

Bis zum späten Nachmittag hat es der Fall bereits in die landesweiten Medien geschafft. Die Mitarbeiter des Broomsville Police Department versammeln sich im Konferenzraum, um sich auf den neuesten Stand der Ermittlungen bringen zu lassen.

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