
Ein Teenager zwischen Einsamkeit und Selbstinszenierung
Der Comiczeichner Stephen Emond, bekannt durch die Figur „Emo Boy“ und die Comicstrips „Steverino“, hat mit Happyface seinen ersten Comic-Roman veröffentlicht.
Der Protagonist, ein 16-jähriger Teenager, verbringt seine Zeit vor dem Computer oder mit Zeichnen in seinem Skizzenbuch. Er ist weder besonders beliebt noch hat er viele Freunde. In Chloe ist er verliebt, doch für sie bleibt er nur ein guter Freund. Als sie beginnt, mit seinem älteren Bruder Everett auszugehen, trifft ihn das tief. Seinen Bruder hat er immer bewundert – er ist cool, sportlich und scheinbar in allem gut, worin er selbst versagt. Der Teenager fühlt sich von den beiden Menschen hintergangen, die ihm am meisten bedeuten.
Familienkrise und Neuanfang
Zu Hause spitzen sich die Spannungen zwischen den Eltern zu. Sein Vater, ein Schriftsteller, greift zunehmend häufiger zum Alkohol. Nach der Trennung zieht der Junge mit seiner Mutter in eine kleine Wohnung und wechselt die Schule. Dies betrachtet er als Chance, endlich nicht mehr der unscheinbare Loser zu sein, den niemand beachtet.
Um als cool zu gelten, begegnet er seinen Mitschülern mit einem breiten Lächeln und seinen Lehrern mit sarkastischen Kommentaren. Schnell findet er neue Freunde, wird beliebt und zu Partys eingeladen. Wegen seines ständigen Grinsens geben sie ihm den Spitznamen „Happyface“.
Ein Buch zwischen Comic und Tagebuch – und doch keines von beidem
Stephen Emonds Happyface ist weder klassischer Roman noch Comic. Vielmehr handelt es sich um tagebuchartige Aufzeichnungen eines Teenagers, die sich auch nicht eindeutig als Comic-Roman einordnen lassen. Der Versuch, die dünne und wenig spektakuläre Handlung durch Comicstrips und Zeichnungen aufzuwerten, gelingt nur bedingt.
Die Grundidee, der namenlose Protagonist könne allein durch permanentes Grinsen als cool gelten, beliebt werden und Freundschaften schließen, wirkt ausgesprochen realitätsfern. Auch die Darstellung der Figur „Happyface“ mit einem Smiley-Gesicht unterstreicht diese Künstlichkeit – eine realistischere Zeichnung hätte den Protagonisten vermutlich unfreiwillig lächerlich wirken lassen.
Fazit: Gute Zeichnungen, schwache Geschichte
Zwar greift die Geschichte typische Probleme eines Teenagers auf, doch sie bleibt weder spannend noch besonders unterhaltsam. Selbst die teilweise sehr gelungenen Zeichnungen können darüber nicht hinwegtrösten.
