
Ein rosa Wurm und ein Wasserfall aus Gefühlen
Das Kinderbuch Wenn du weinst wie ein Wasserfall zeigt zunächst einen traurig blickenden rosa Wurm, dem die Tränen regelrecht aus den Augen schießen. Der Erzähler warnt, dass bald alles überschwemmt sein könnte und der Wurm sogar ertrinken würde. Also empfiehlt er ihm, einen Rettungsring oder ein aufblasbares Krokodil zu benutzen.
Tatsächlich fühlt sich der Wurm darauf etwas besser – bis er feststellt, dass Weinen „nichts bringt“, und erneut in Tränen ausbricht.
Tränen als Superkraft: Von Pasta bis Putzmittel
Wenn schon geweint wird, so der Erzähler, dann bitte richtig – als Wasserfall, der Tauben glücklich macht.
Tränen können kleine und große Feuer löschen, Pasta kochen (wenn man sie vorher im Topf auffängt), Böden glänzend putzen, Zähne reinigen, Hunde baden oder als Eisfläche dienen, wenn sie gefrieren.
Sie bewässern Blumen, löschen Kerzen oder werden mit Mehl zu Salzteig, aus dem sich Geschenke formen lassen. Die Fantasie kennt keine Grenzen.
Weinen verbindet – überall auf der Welt
Menschen, Tiere und sogar Dinge weinen – allein oder gemeinsam. Egal, wo auf der Welt man weint, so der Erzähler, Tränen werden überall verstanden.
Ohne sie würden Flüsse austrocknen, und wenn die Wolken nicht weinten, wären die Bauern verzweifelt: Birnen, aus denen man Marmelade kochen könnte, würden nicht wachsen.
Doch alles hat ein Ende – auch das Buch. „Nur die Tränen gehen nie aus…“
Illustrationen, die Geschichten erzählen
Noemi Vola hat ihr Kinderbuch, aus dem Italienischen von Andrea Grill übersetzt, mit großzügigen Filzstift‑Illustrationen gestaltet. Jede Idee, wozu Tränen dienen könnten, setzt sie in eine bildhafte, aussagekräftige Szene um – oft so deutlich, dass der Text fast überflüssig wäre.
Die Botschaft ist klar: Niemand muss sich erklären, wenn er weint. Tränen werden überall verstanden, unabhängig von Sprache oder Herkunft. Selbst kleine Kinder spüren instinktiv, dass es einem weinenden Menschen nicht gut geht.
Ein Wurm, ein Rettungsring – und viel Humor
Die farbigen Illustrationen zeigen zunächst den vollständigen traurigen Wurm, der von Seite zu Seite größer wird, bis nur noch sein Kopf zu sehen ist.
Schon die nächste Szene – der Wurm im Rettungsring, umgeben von Wasser – sorgt für Heiterkeit. Kinder können sich kaum sattsehen an den vielen Tränen, die von allen Figuren vergossen werden.
Ein fragwürdiger Einsatz von Genderformen
Warum in einem Buch für sehr junge Kinder bereits personalisierte Genderformen verwendet werden, die sich nicht einmal korrekt vorlesen lassen – etwa wenn nur „Polizistinnen“ erwähnt werden, obwohl auch männliche Polizisten weinen –, bleibt fraglich.
Eine Liebeserklärung an das Weinen
Das vergnügliche Buch versteht sich als „große Liebeserklärung an das Weinen“ und endet mit einer fröhlichen Szene: Der rosa Wurm und eine grüne Raupe genießen gemeinsam ein Plantschbecken – mit Getränken und guter Laune.
Wenn du weinst wie ein Wasserfall von Noemi Vola

Übersetzung von Andrea Grill
Leykam Verlag 2025
Hardcover
44 Seiten
ISBN 978-3-7011-8364-7