Zwischen Trauma und Hoffnung – ein Roman, der nachhallt

Cover von Die Frauen der Familie von Katherena Vermette

Wer sind die Indigenen? Ein notwendiger Einstieg

Indigene sind die Nachkommen der ursprünglichen Bevölkerungen eines Landes – Menschen, deren Kulturen, Sprachen und Traditionen bereits vor der Kolonisierung existierten. Zu ihnen zählen unter anderem die Indianer Nord- und Südamerikas, die Aborigines in Australien, die Māori in Neuseeland, die Inuit der Polarregion, die Sami Nordeuropas sowie zahlreiche indigene Gruppen in Bolivien, Guatemala und Peru.

Katherena Vermette, selbst indigene Kanadierin, weist in ihrem Roman Die Frauen der Familie in einer einleitenden Warnung darauf hin, dass das Buch für viele Leserinnen und Leser mit traumatischen Erfahrungen belastend sein kann. Umso bewusster habe sie „Liebe und Hoffnung“ in ihre Texte gelegt.

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Die verborgene Realität hinter der Fassade: Ein Sachbuch, das erschüttert

Cover von Die (un)verborgene Gewalt gegen Frauen von Barbara Schmid

Ein Einstieg, der keine Zweifel lässt

Bereits im Vorwort macht Simone Kleinert im Sachbuch Die (un)verborgene Gewalt gegen Frauen deutlich, dass Prostitution eine Normalisierung von Machtmissbrauch darstellt und die liberale Prostitutionsgesetzgebung sexuelle Übergriffe rechtlich wie gesellschaftlich begünstigt. Die ehemalige Spiegel-Journalistin Barbara Schmid folgt dem Anspruch Rudolf Augsteins, „Schreiben, was ist“, und setzt diesen Grundsatz konsequent um. Laut Koalitionsvertrag der aktuellen Merz-Regierung ist Deutschland zum größten europäischen Umschlagplatz für Menschenhandel geworden – mit Duisburg als zentraler Drehscheibe. Männer müssen, so wird ausgeführt, dank früherer politischer Entscheidungen nicht mehr nach Thailand reisen, sondern finden das „europäische Bordell“ direkt vor der eigenen Haustür.

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Am Saum der Jahre – Ein Leben zwischen Schuld und Sehnsucht

Cover von Am Saum der Jahre von Thomas Röthlisberger

Lehrjahre im Schatten des Meisters

Herrenschneider Ernst Bergmann schickt seine Tochter Margret, die eines Tages sein Schneideratelier für wohlhabende Männer im Dorf übernehmen soll, zum verheirateten Schneidermeister Paul Pfund, damit das begabte Mädchen dort noch einiges dazulernt. Von Beginn an hat der Patron ein Auge auf seine Lehrtochter geworfen. Nach erfolgreich beendeter Lehre bietet er ihr nicht ohne Hintergedanken einen Vertrag an und legt alsbald seine Hand auf die ihre, während er von den Bedürfnissen eines Mannes spricht. Überstürzt und irritiert rennt Margret daraufhin aus dem Haus.

Ein verhängnisvoller Augenblick

Später lässt Margret stillschweigend geschehen, dass Paul Pfund sie küsst. Schließlich nimmt er sich, was nicht länger warten kann. Wankend kommt sie nach Hause und erbricht sich, was der aufmerksamen Mutter nicht verborgen bleibt.

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Zwischen Liebe, Verrat und verlorenen Hoffnungen – Yvonne Zitzmanns Roman „Die geteilte Schuld“

Cover von Die geteilte Schuld von Yvonne Zitzmann

Martina und Mischa: Ein Leben zwischen Kranarbeit und Regimezwang

Yvonne Zitzmann zeichnet in ihrem Roman Die geteilte Schuld das Leben von zwei Frauen nach. Martina Seiffert ist 1977 Kranführerin in einem Betonwerk der DDR. Noch wohnt sie bei ihrer Mutter, träumt jedoch von einer eigenen Wohnung. Mit dem neuen Schweißer Mischa freundet sie sich an, bevor er für fünf Monate in die bitterkalte Sowjetunion zur Verlegung der Druschba-Pipeline aufbricht.

Im Dezember 1978 heiraten beide, doch schon im Januar fährt Mischa erneut fort. Das Paar bezieht eine Wohnung, und nach der Geburt eines Kindes will der Vater zur Freude von Tina bei seiner neuen Familie bleiben.

1985 gesteht Mischa seiner Ehefrau, dass ihn das Regime seit einem tödlichen Unfall eines Kollegen in der Hand habe. Zwar träfe ihn keine direkte Schuld, doch unter Druck habe er sich als Spitzel betätigt.

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Drei Frauen, drei Schicksale – ein Roman, der nachhallt

Cover von Aabidah, Emma, Iryna von Alma Ramsden

Aabidah: Zwischen Bomben und Flucht aus Aleppo

Die schicksalhaften Lebenswege der drei Frauen Aabidah, Emma, Iryna zeichnet Alma Ramsden in ihrem Roman nach. In ihrer Vorbemerkung betont sie, dass sie deren Geschichten sorgfältig recherchiert hat.

Die in Syrien lebende Aabidah heiratet mit achtzehn Jahren den angehenden Zahnmediziner Amir. Unter Baschar al-Assad nehmen willkürliche Verhaftungen zu, zwei ihrer Brüder werden festgenommen, und Spitzel finden sich sogar innerhalb der Familien. Nachdem im Jahr 2013 Bomben die Universität treffen, muss Aabidah ihr Studium der Ingenieurwissenschaften unterbrechen. Hunger und Kälte sind ständige Begleiter der jungen Familie mit inzwischen drei Kindern. Erst nach der Detonation ihres Wohnhauses fassen die Eheleute den Entschluss, aus Aleppo zu fliehen – zumal auch Amirs Praxis zerstört wurde.

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Der Honigmann: Zerfall einer Nachbarschaft

von Peter Huth

Idylle in Fischbach

Fischbach ist für seine Bewohner ein Kleinod, in dem sich besonders drei Familien wohlfühlen: Der im Homeoffice arbeitende Programmierer Tim Klugmann, seine Lebensgefährtin Fine Burg, eine Schauspielerin, und die gemeinsame Tochter Carla. Die stellvertretende Chefredakteurin Katja und ihr Ehemann Robert, der als Layouter keine Anstellung mehr findet und deshalb zu Hause die Kinder Nick und Justus versorgt. Controller Albert und seine Ehefrau Louisa mit den Kindern Juno, Merle und Kitta. Die drei befreundeten Paare grillen und feiern gerne zusammen und frönen dabei ausgelassen ihrer Lebensfreude.

Der Skandal um den Honigmann

Doch eines Tages deckt die Mutter eines Schulkindes einen Skandal auf, und ein ominöser Brief macht die Runde: Dietmar Köhler, den alle nur den „Honigmann“ nennen, weil er einen kleinen Laden mit Honig, Tee und Dekorationsartikeln eröffnet hat, soll ein vorbestrafter Pädophiler sein.

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Haltlos – Ein Psychothriller über Erinnerung, Schuld und Identität

Cover von Haltlos von Sarah Nisi

Ein Leben im Schatten der Erinnerung

Seit drei Tagen lebt Emily in einem fremden Appartement im Barbican Estate – einer brutalistischen Wohnanlage und der größten Wohnsiedlung Londons, die emotionale Kälte und Isolation widerspiegelt. Vor drei Monaten starb ihre beste Freundin Liv an der U-Bahn-Station Holborn, als sie auf die Gleise stürzte. Emily stand neben ihr, als es passierte, doch ihre Erinnerung ist wie ausradiert. Diese Leere macht ihr zunehmend Angst.

Sie kann weder das Alleinsein noch Gesellschaft ertragen. Wenn sie überhaupt schläft, hat sie Albträume und wacht schweißgebadet auf. Ihr Therapeut hat ihr ein Medikament gegen Angststörungen verschrieben, das ihr hilft, sich von der Welt zu distanzieren. Das WG-Zimmer in Stoke Newington hat sie gekündigt, ihr Jurastudium abgebrochen und ihren Podcast aufgegeben. Sie hat ein Trauma erlitten – eines, an das sie keine Erinnerung hat.

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Der Wolf im dunklen Wald – Krimi zwischen Jagdgesellschaft und dunkler Vergangenheit

Eine Kommissarin zwischen Mordermittlung und Trauma

Cover von Der Wolf im dunklen Wald von Sia Piontek

Leichenfund im Dragahner Forst

Hauptkommissarin Carla Seidel von der Polizeistation Dannenberg wird von der Polizeileitstelle Lüneburg über einen Leichenfund im Dragahner Forst informiert. Vor Ort entdeckt sie einen Mann mit frischen Stichverletzungen im Unterbauch und Brustbereich. Der Revierjäger Heiko identifiziert den Toten als Thomas Winkels. Er gibt an, die Jagd sei als Wiedersehen ehemaliger Schulfreunde geplant gewesen – organisiert von seinem Schwiegervater Maximilian von Boenning. Heiko selbst habe lediglich den praktischen Teil geleitet.

Sorge um die Tochter

Währenddessen sitzt Carlas Tochter Lana mit Fabian, Heikos Sohn, auf einem Hochsitz zur Tierbeobachtung. Carla kann Lana telefonisch nicht erreichen – nur wenige Tage vor deren achtzehntem Geburtstag, an dem ein Umgangsverbot zu ihrem Vater Sören endet.

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Laurentius’ Wunder – Ein Roman über Glaube, Trauma und Hoffnung

Irene Matts Erzählkunst zwischen Missbrauch, Mystik und Vatikan

Cover von Laurentius' Wunder von Irene Matt

Kindheit ohne Trost – Giulianos schwieriger Start

Als Giuliano Ferrari an seinem zwölften Geburtstag nach Hause kommt, sucht er vergeblich nach seiner Geburtstagstorte. Stattdessen eröffnet ihm sein Vater, dass die Mutter ihn verlassen hat. Giuliano fragt sich, ob er Schuld daran trägt.

Vier Jahre später heiratet der Vater Signora Stefania, die entscheidet, dass Giuliano kein Theologiestudium beginnen, sondern stattdessen eine Kochausbildung bei ihrem Vetter absolvieren soll. Giuliano wird ohne Herzlichkeit verabschiedet und von Pietro ins Hotel gefahren. Noch am ersten Abend wird er von diesem vergewaltigt. In seiner Kammer, in der er sich nie sicher fühlt, blickt der Sechzehnjährige auf die Mauern eines nahen Klosters – seine stille Zuflucht.

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Die weiße Laterne – Shaw Kuzkis bewegender Jugendroman über Erinnerung und Verlust

Ein literarischer Blick auf die Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima

Cover von Die weiße Laterne von Shaw Kuzki

Historischer Hintergrund und Mahnung

Shaw Kuzki gehört zur Nachfolgegeneration der Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6. August 1945. Damals starben siebzigtausend Menschen sofort – und bis Ende des Jahres kamen weitere siebzigtausend hinzu. Wie die Autorin in ihrem Roman Die weiße Laterne schildert, herrschte im Epizentrum eine Temperatur von über 4.000 Grad, sodass Körper schmolzen und selbst Gebäude im Umkreis von zwei Kilometern in Brand gerieten.

Alljährlich gedenkt Japan diesem unfassbaren Ereignis: Am 6. August um 8.15 Uhr läuten im Friedenspark Hiroshima die Glocken. Hibakusha, die Überlebenden, berichten von ihren Erlebnissen. Am Abend werden bunte Papierschiffchen – wie Laternen gestaltet – auf dem Fluss Motoyasu zu Wasser gelassen.

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