Unten ohne von Mark Spörrle

Geschichten aus dem Homeoffice

Unten ohneFluch und Segen: In der Vorstellung der Menschen, die noch nie im Homeoffice gearbeitet haben, stellt diese Form meist etwas Erstrebenswertes dar, während sich die davon Betroffenen häufig zurück in einen geregelten Berufsalltag sehnen. Mark Spörrle gibt in seinem Buch Unten ohne* Geschichten aus dem Homeoffice zum Besten. Der Ich-Erzähler ist mit Lizzy verheiratet, die sich als berufstätige Frau natürlich auch im Homeoffice befindet. Aber erst in diesen krisengeschüttelten Zeiten macht das Ehepaar eine ganz neue Erfahrung, nämlich dass sie sich den ganzen Tag kaum aus dem Weg gehen können. Als Lizzy eines Tages ebenfalls ganz dringend auf ein Arbeitszimmer in der gemeinsamen Wohnung angewiesen ist, macht sich niemand mehr über einen Börsentrader lustig, dem nur die Stockbetten seiner Kinder als Platz für eine Videokonferenz zur Verfügung standen.

Wie ein HB-Männchen könnte der Ich-Erzähler auch an die Decke gehen, als das Netz eines Tages aufgrund Überlastung komplett zusammenbricht, denn nicht nur Lizzys Ehemann und sie selbst sind auf das Internet angewiesen, sondern, um das Chaos perfekt zu machen, auch die pubertierende Tochter Luise.

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Zwischen Schrebergarten und Männerchaos

Ein Blick in Ulrike Hartmanns Roman „Liebe geht durch den Garten“

Buchcover des Romans Liebe geht durch den Garten

Neuanfang mit Hindernissen

Für die Kinderbuchillustratorin Anna Baumgarten gibt es seit ihrer Scheidung nur noch schöne oder kluge Männer – von den schönen hat sie allerdings die Nase gestrichen voll. Nachdem sie ihren Ehemann Raimund mit der Erzieherin ihres Sohnes im Bett erwischt hat und inzwischen geschieden ist, lebt sie mit dem zehnjährigen Max und dessen zwei Jahre jüngerem Bruder Anton allein in einer Dachgeschosswohnung.

Beim Friseur stößt Anna in einer Gartenzeitschrift auf die Idee, einen Schrebergarten zu besitzen. Begeistert kontaktiert sie den Vorsitzenden einer Kleingartenanlage, der ihr eine frei gewordene Parzelle anbietet. Da es viele Bewerber gibt, muss sie sich schnell entscheiden – und unterschreibt überstürzt den Pachtvertrag.

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Ein turbulenter Trip nach Paris – Rezension zu „Paris für Anfänger“ von Katrin Einhorn

Buchcover des Romans Paris für Anfänger

Ein geplatzter Geburtstag und ein überraschender Auftrag

Kurz vor Pauls dreißigstem Geburtstag wird seine Freundin Annika mitten in der Nacht von ihrem Chef nach Bologna beordert. Als Paul am nächsten Morgen erwacht, findet er nur noch ein leeres Bett vor – verständlich, dass er enttäuscht ist, seinen Ehrentag ohne sie verbringen zu müssen.

Ausgerechnet einen Tag vor der geplanten Feier bittet ihn Annikas Schwester Jojo, mit ihr von Trier nach Paris zu fahren. Auf einem Flohmarkt hat sie günstig einen Kontrabass erworben, für den ein Käufer eine enorme Summe zahlen will. Als auch Annika zur Fahrt rät, um ihrer in Geldnöten steckenden Schwester zu helfen, gibt Paul nach. Gemeinsam machen sie sich samt Kontrabass auf den Weg. Immerhin tröstet ihn der Gedanke, dass sie bei zügiger Fahrt rechtzeitig zurück sein könnten und die Party wie geplant stattfinden kann.

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Chaos im Kinderbuch: „Der Theoretikerclub“ von Anja Janotta

Buchcover des Kinderbuchs Der Theoretikerclub

Eine Bande mit vielen Konflikten

Linus betreibt gemeinsam mit Albert und Roman, der eine Vorliebe für lateinische Sprüche hat, einen Blog im Internet. Der deutlich jüngere Knut, der häufig Wörter verdreht, wird von den drei nur als „halbe Person“ betrachtet. Dennoch möchte er unbedingt wie sie die Administrationsrechte erhalten.

Der Theoretikerclub, zu dem sich die Jungen zusammengeschlossen haben, zählt die Geschwister Moritz und Jonathan sowie Thomas, den Sohn des Bürgermeisters, zu seinen erklärten Feinden. Doch damit nicht genug: Albert liegt in ständigem Streit mit seiner Zwillingsschwester Alba. Als er mit seinen Freunden heimlich ihr Tagebuch stiehlt, findet die Theoretikerbande ihr Baumhaus – den Ort ihrer Mitgliederversammlungen – zerstört vor. Das können nur ihre Feinde gewesen sein! Denn Alba, die mit Moritz befreundet ist, hat sich vermutlich auf diese Weise rächen wollen.

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Zwischen Nordseeluft und Selbstfindung: Ein Roman über Mut, Freundschaft und neue Wege

Buchcover des Romans Manchmal will man eben Meer

Eine Auszeit vom Alltag

Die Journalistin Yola Wolkenstein benötigt dringend eine Auszeit – sowohl von ihrer Ehe, die durch eine Affäre ihres Mannes belastet ist, als auch von ihrem Job in der Redaktion einer Frauenzeitschrift, wo zunehmende Konflikte mit ihrer Chefin die Arbeit erschweren. Da ihre vierjährige Tochter Janelle laut Kinderärztin dringend Nordseeluft braucht, entschließt sich Yola zu einer Mutter-Kind-Kur. Von der Vorstellung, drei Wochen in einer Kurklinik mit anderen Frauen und deren Kindern zu verbringen, ist sie allerdings wenig begeistert. Dennoch macht sie sich mit ihrer Tochter, die sie liebevoll „Wölkchen“ nennt, in einem zwanzig Jahre alten VW-Bulli auf den Weg von Hamburg in den Kurort Cuxhaven.

Vom Chaos zur Gemeinschaft

Bei ihrer Ankunft in der Klinik Seeburg herrschen chaotische Zustände, und Yolas Bedenken gegenüber der Mutter-Kind-Kur scheinen sich zunächst zu bestätigen.

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Ziemlich unverhofft von Frauke Scheunemann

Ziemlich unverhofftNach dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren lebt die Anwältin Nikola Petersen alleine mit ihren beiden Kindern Tessa und Max in Hamburg. Auf ihre Schwiegermutter Gisela, die sich spontan zu einer Kreuzfahrt entschlossen hat, kann sie ausgerechnet während der zähen Scheidungsverhandlung ihrer Freundin Florentine nicht zählen. Die wurde nämlich von ihrem Mann Ulf mit drei kleinen Kindern im Stich gelassen, und obwohl die Eheleute erst vier Monate getrennt leben, behauptet er vor Gericht, dass das Trennungsjahr bereits verstrichen ist. Sein Anwalt Dr. Schleitheimer ruft dazu eine Zeugin auf, die das bestätigt, was wiederum für Florentine den Wegfall des Trennungsunterhaltes bedeuten und sie vor große finanzielle Probleme stellen würde.

An der ganzen Geschichte, die Ulf dem Gericht aufgetischt hat, scheint nach ersten Recherchen der beiden Frauen etwas faul zu sein. Deshalb will sich Nikola mit dem Strafverteidiger Simon beraten, der in Zusammenarbeit mit ihrem Sozietätpartner Alexander einen Plan ausarbeitet.

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Rentierköttel von Lars Simon

RentierköttelNachdem Torsten Brettschneider, der Protagonist aus den beiden Romanen Elchscheiße und Kaimankacke von Lars Simon, wieder zurück in Schweden ist, kauft er ein kleines Ferienhaus ganz in der Nähe seiner Angebeteten Linda, die ihn mit ihren langen, goldblonden Haaren und einem Elfenlächeln verzaubert hat. Allerdings ist Linda zum Zweck der Selbstfindung nach Lappland gefahren, wo ihr Exfreund Olle Olofsson ein Kulturprojekt betreibt, was Torsten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Doch beauftragt er zunächst einmal die Firma des Handwerkers Johansson mit der Renovierung des neu erworbenen Hauses. Noch während der Bauarbeiten kommt sein Kumpel Rainer in samischer Traditionsbekleidung vorzeitig von einem kulturellen Intensivkurs aus Lappland zurück. Als ihn dann noch sein Vater Gerd mit seiner esoterischen Freundin Renate und Pfarrer Pettersson unangemeldet besuchen, ist das Chaos perfekt.

Pfarrer Pettersson macht sich große Sorgen um seine Tochter Linda, die seit einigen Tagen nicht mehr zu erreichen ist. Er möchte nicht die Polizei einschalten und bittet Torsten, nach Jokkmokk zu fahren, um bei Olle Olofsson nach dem Rechten zu sehen.

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Wolfgang muss weg! von Cathrin Moeller

Wolfgang muss weg!Wenn zwei Freundinnen mit der Mätresse des Ehemannes und der verhassten Schwiegermutter aufeinander treffen, kann es eigentlich nur im Chaos enden. Genau das erfährt Annemie Pfeffer, die seit achtzehn Jahren mit Wolfgang verheiratet ist, am eigenen Leib. Der Tumult beginnt in dem Moment, in dem Annemie versehentlich den Tod ihres Mannes, einen Kriminalhauptkommissar, durch einen Unfall herbeiführt. Nicht, dass sie darüber besonders traurig wäre, denn ihr Liebesleben ist schon lange auf einem Tiefpunkt angelangt, aber ins Gefängnis will sie natürlich auch nicht und die Witwenrente möchte sie ebenfalls kassieren. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als alle Spuren zu beseitigen, wobei ihr der kriminalistische Ratgeber ihres Mannes gute Dienste leistet. Nach getaner Arbeit steht sie allerdings vor der größten Herausforderung, denn Wolfgang muss weg!

Die Tiefkühltruhe ist ihre Rettung, und alles könnte perfekt sein, wenn da nicht die viel zu aufmerksame Nachbarin Frau Feldmann wäre. Störend ist auch Wolfgangs Freund Holger, für den sich Annemie wie auch für die Arbeitskollegen ihres Mannes immer neue Lügen ausdenken muss.

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Zwischen Genetik und Gefühl: Don Tillman im „Rosie-Projekt“

Cover des Hörbuchs Das Rosie-Projekt

Ein ungewöhnlicher Protagonist mit klaren Regeln

Asperger-Autisten verfügen häufig über eine geschärfte Wahrnehmung und eine außerordentliche Gedächtnisleistung, die allerdings mit einem Mangel an Empathie einhergeht. Dass ein Genetiker, der einen Vortrag über das Asperger-Syndrom hält, entsprechende Anzeichen auch an sich selbst wahrnimmt, könnte man annehmen – doch bei dem neununddreißigjährigen Assistenzprofessor Don Tillman in Graeme Simsions Roman Das Rosie-Projekt* ist das nicht der Fall.

Sein Tagesablauf folgt einer minutiösen Einteilung, Effizienz und Perfektionismus sind oberstes Gebot. Don fährt Fahrrad, beherrscht die Technik des Aikido und ordnet allen Personen augenblicklich einen geschätzten IQ sowie BMI zu.

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Zwischen Kiffen, Chaos und Klassenkameraden

Der Roman „Die letzte Nacht des Matze Blitz“ von Aleks Wiercinski

Buchcover: Die letzte Nacht des Matze Blitz

Ein Außenseiter findet Anschluss

Als Mateusz Blizniak im Alter von acht Jahren zu Beginn der 1990er-Jahre mit seiner Mutter aus Polen nach Schwetzingen übersiedelt, lernt er innerhalb eines Jahres die deutsche Sprache nahezu perfekt. Da seine Mitschüler seinen polnischen Namen kaum aussprechen können, nennen sie ihn kurzerhand Matze Blitz. Der als Außenseiter geltende Junge freundet sich in der siebten Klasse einer Hauptschule mit Robert, Daniel und Steff an.

Steff, wie Matze ein Scheidungskind, wird aufgrund seiner nazifreundlichen Gesinnung gelegentlich „Adolf“ genannt. Der wortkarge und eher nachgiebige Robert mit russischen Wurzeln trägt den Spitznamen „Josef“. Daniel, dessen Mutter aus Thailand stammt, teilt sich seine Wohnung mit dem Türken Erkan – bei ihm treffen sich die grundverschiedenen Freunde regelmäßig.

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