Entflammtes Herz von Angelika Stephan

Kurzgeschichten und mehr …

Entflammtes HerzAngelika Stephan hat in einem Buch mit Kurzgeschichten und lyrischen Texten, die durch Abbildungen ihrer Gemälde noch Ergänzung finden, ihre künstlerische Vielfalt unter Beweis gestellt. Schon den Bucheinband ziert in Herzform ein Ausschnitt aus ihrem Bild „Entflammtes Herz“, wonach auch das Buch benannt ist. Die Künstlerin präsentiert einige ihrer abstrakten Kunstwerke, bei denen die orangen und blauen Töne überwiegen, teilweise dominiert auch nur eine dieser beiden Farben.

Die Kurzgeschichten könnten unterschiedlicher kaum sein. Angelika Stephan erzeugt in einigen Erzählungen schnell die nötige Spannung. In den Geschichten geht es aber auch um negative Erlebnisse beim Friseur oder Träumereien, die wie Seifenblasen platzen. Die Autorin stellt das traurige Schicksal einer Magersucht vor, präsentiert dem Leser ein trauriges Weihnachtsfest und einen zerbombten Keller während des Krieges. Eine Kurzgeschichte endet zwar mit der Freude über den Mauerfall, doch ist das Thema an sich schon eher bedrückend.

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Studenten sind auch Menschen von Helmut Rücker

Studenten sind auch Menschen„Studenten sind auch Menschen“ – und was für welche! – ist der Titel der Realsatiren aus Münster von Helmut Rücker. Zum Teil selbst Erlebtes gibt der Autor hier zum Besten, schreibt von dem Schabernack und den Streichen, die anderen Kommilitonen zugefügt wurden. Allerhand Kurioses ist da wieder aus der Versenkung geholt worden, denn der Autor ist Jahrgang 1939 und die Anekdoten ranken sich um die Jahre vor 1968.

In über dreißig Satiren geht es um den Spaß, die manch einer auf Kosten anderer hatte. Wenn gewaschene Hemden plötzlich an einer Platane baumeln, ein noch gefrorenes Huhn in der Pfanne gegart werden soll oder Wasserfontänen des Nachts in geöffneten Fenstern für Gekreische sorgen. Eine Dose Fisch sorgt in einem Café für Empörung, eine Elektrotafel mit vielen Schaltern treibt eine Professorin fast in den Wahnsinn und in einen Münzautomaten werden Geldscheine „geschmuggelt“. Findige Entdecker verwandeln die Blätter der Gunnera in einen Regenschirm, ein auf der Herdplatte zurückgelassener Vogelkäfig hat eine fristlose Kündigung seitens der Vermieterin zur Folge und ein Essensdieb im Studentenheim wird mit Rizinusöl böse bestraft.

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Gebete an den Alligator und die Klimaanlage von Johannes Witek

Gebete an den Alligator und die KlimaanlageEin Buch – siebenundachtzig Geschichten. Die meisten erreichen den Leser in einer Gedichtform, einige wenige auch als Prosa. Da erkennt ein Mann erst zu spät, was er an einer Frau hatte. Ein anderer beobachtet erst eine Frau im Theater, wie sie mit Gegenständen schmeißt. Später wird er selbst Opfer ihrer Wut.

Johannes Witek spricht in seinen Erzählungen häufig Menschen an, die sich völlig einem System untergeordnet haben. Sie merken nichts mehr, sehen nichts mehr. Die Regeln der Gesellschaftsordnung, denen sich alle zumindest dem Schein nach unterwerfen, kritisiert er scharf und wirft immer wieder die Frage nach der Sinnlosigkeit überhaupt auf. Er fragt nach den Träumen der Menschen. Stellt den Wunsch nach Frau, Kind und Skiurlaub in Kitzbühel infrage und hält diese Leute für Spießer. Johannes Witek zeigt auf, wie Schicksalsschläge den Menschen formen und wie er sich dadurch verändert. An einer Stelle behauptet er, dass der gesunde Menschenverstand ein Fehler in einer Welt ist, die nicht aus Vernünftigen besteht.

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Politiker haben kurze Beine von Erich Koch

Satirische Geschichten aus (m)einem badischen Dorf.

Politiker haben kurze BeineEs sei kein Zufall, dass unter Merkel und Westerwelle die Wölfe wieder nach Deutschland eingewandert sind, schreibt Erich Koch in seinem Buch „Politiker haben kurze Beine“. Damit Sie trotzdem etwas zu lachen haben, hat er die satirischen Geschichten aus (m)einem badischen Dorf geschrieben.

Politiker sitzen in den Aufsichtsräten der Pleitebanken, die kleine Anleger in den Ruin getrieben haben. Die Regierung hat ein neues Verbraucherschutzgesetz gegen die Verbraucher herausgebracht, und mit dem Sparpaket wird den kleinen Leuten der Krieg erklärt. Die Gefahr für Deutschland lauert nicht am Hindukusch, sondern es sind die zähen Rentner, die nach Eintreffen des Rentenbescheides nicht sterben wollen. Doch die Merkel meint, es müssen alle ihren Beitrag leisten, die keine Lobby haben. Deshalb gehen immer weniger Menschen zur Wahl, doch Koch geht wählen, denn schließlich möchte er selbst bestimmen, von wem er in den nächsten Jahren angelogen wird.

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Wenn Aschenputtel zum Aschenpudel wird

Cover von Liebe ist Gewühle von Thomas Maiwald

Heitere Anekdoten aus dem Schulalltag

Thomas Maiwald schildert in seinem Buch Liebe ist Gewühle seine Erfahrungen aus dem Schulalltag in Form kleiner, humorvoller Anekdoten. So fällt es manchen Schüler/innen bereits schwer, sich seinen Namen zu merken, und er wird kurzerhand „Herr Urwald“ oder „Herr Bergwald“ genannt. Auch scheint nicht allen klar zu sein, dass Lehrer sein tatsächlich ein Beruf ist – so wurde er allen Ernstes gefragt, ob er denn auch eine Arbeit habe.

Von Bestimmern, pupenden Herzen und Altersheimern

Aus Versehen oder Unwissenheit entstehen immer wieder kuriose Wortschöpfungen: Aus dem Rektor wird ein „Bestimmer“, ein Herz kann „pupen“, aus Aschenputtel wird Aschenpudel, Leibeskräfte werden zu Leideskräften. Es gibt „Altersheimer“ statt Alzheimer, und die Monatsblutung wird zur Durchblutung.

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Radio Heimat – Frank Goosens Liebeserklärung an das Ruhrgebiet

Buchcover von Radio Heimat: Geschichten von zuhause

Omma, Oppa und die Kunst des Erinnerns

Frank Goosen macht in Radio Heimat*, seiner literarischen Hommage an das Ruhrgebiet, gleich zu Beginn deutlich: Fortan sprechen wir nur noch von Omma und Oppa. Die Omma weiß Bescheid. Gefragt nach dem Krieg, genügt ihr lapidarer Kommentar: „Wir hatten nix.“ Auch in kulinarischer Hinsicht wird schnell klar – echte Frikadellen schmecken nur bei ihr. Wie sie die macht? „Wie imma!“ Und wenn die Uromma vom Steckrübenwinter 1916/17 berichtet, bleibt einem die bittere Geschichte regelrecht im Hals stecken.

Alltag am Fenster und Duschen auf dem Pütt

Goosen ruft mit liebevollem Blick die Frauen im geblümten Hauskittel ins Gedächtnis, die sich beim „Im-Fenster-Liegen“ quer über die Fassaden unterhielten. Typisch Ruhrgebiet: Frauen und Kinder badeten nur einmal pro Woche, während die Männer täglich im Pütt duschen gingen.

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Stahlstück von Sebastian Guhr

Stahlstück„Stahlstück“ von Sebastian Guhr ist eine Sammlung von 15 in sich geschlossenen Erzählungen. Ein ehemaliger Ministrant berichtet in „Echnaton der Zweite“ von stumpfsinniger Anwaltsarbeit und dass seine Kollegen ihre Gleichgültigkeit sogar vor sich selbst verbergen können. Nach einem alles vernichtenden Feuer hält sich das Gerücht, ein Junge kann durchs Feuer gehen ohne Schaden zu nehmen. In „Hüben wie drüben“ besucht eine Schwester ihren Bruder und es entwickeln sich Gespräche mit weiteren Gästen. Dabei geht es unter Anderem um die Arbeitsmoral, wobei ein Großteil der Bevölkerung nur zu Leistungen fähig ist, wenn sie sich prostituiert. Die Frage bleibt offen, wer hier auf Kosten anderer lebt.

Die Titelgeschichte „Stahlstück“ spielt an einem Ort, wo Fixerutensilien und Hundekot herumliegen und es nur unbrauchbare Bänke gibt. Eine Musikerin trifft auf einen Menschen mit nicht augenfälligem Geschlecht und unförmigem Körper.

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Zwischen Mondkult und Sachertorte: Witeks literarischer Wahnsinn mit Methode

Cover von Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte von Johannes Witek

Ein Einstieg in die radikale Sprachwelt

Johannes Witek präsentiert in Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte eine ebenso ungewöhnliche wie herausfordernde Mischung aus Lyrik und Prosa. Gespickt mit kritischen und zynischen Untertönen, konfrontiert er seine Leserinnen und Leser mit neuen Wortschöpfungen und einer Aneinanderreihung von Versen, die auf den ersten Blick weder Sinn ergeben noch zusammenpassen wollen. Die gewählten Gedichtformen sprengen bewusst das klassische Bild eines Gedichts.

Die teils surreal anmutenden Inhalte verlangen Aufmerksamkeit, Offenheit und gelegentlich auch ein zweites Lesen, um zu erahnen, was die Zeilen vermitteln möchten. Selbst dann bleibt manches schwer zugänglich. Wer sich auf Witeks Stil einlässt, muss bereit sein, gedanklich um die Ecke zu denken und sich auf ein literarisches Experiment einzulassen.

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Zwischen Lachen und Abgrund: Joachim Zelters Blick auf die „Welt in Weiß“

Cover von Die Welt in Weiß von Joachim Zelter

Acht Kapitel über Krankheit, Tod – und die Absurditäten dazwischen

Joachim Zelter entfaltet in Die Welt in Weiß acht in sich geschlossene Kapitel voller Erlebnisse und Beobachtungen rund um Krankheit und Tod. Mal berichtet er von modernen medizinischen Errungenschaften, dann wieder führt er in vergangene Zeiten und abgelegene Dörfer, in denen schnelle Hilfe kaum zu erwarten war. Ein Kapitel überrascht mit einer unerwarteten Wendung, ein anderes nähert sich fast philosophisch dem Innenleben eines Patienten, der kurz vor einer Operation steht.

Routine, Anonymität und die Sprache der Medizin

Ohne es ausdrücklich zu benennen, kritisiert Zelter die zunehmende Anonymität in Krankenhäusern. Alles scheint in routinierte Abläufe gegossen, die Menschlichkeit droht zu verblassen. Mit spitzer Feder nimmt er die Sprache der Ärzte aufs Korn und zeigt, wie widersprüchlich medizinische Einschätzungen ausfallen können, je mehr Fachleute man konsultiert.

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Samtene Nächte von Aveleen Avide

Samtene NächteSingle Tanja, eine Frau um die dreißig, besucht einen Lesezirkel, in dem sich Frauen gegenseitig erotische Lektüre vorlesen. Dabei macht sie eine ungeahnte, sinnliche Erfahrung.
Ginger, die ihre sexuellen Gelüste auslebt, will etwas Neues ausprobieren und erlebt eine Kuschelparty der besonderen Art.
Arabella und David sind eigentlich ein glückliches Paar, doch ist es Arabellas sehnlichster Wunsch mit heißen Blicken beim Liebesspiel beobachtet zu werden.

Duvessa, eine schöne und begehrenswerte Frau, kann jeden Mann um den kleinen Finger wickeln. Doch für sie kommt nur ein reicher Mann in Frage, alle anderen Männer sind für sie nur Übungspartner, bis ihr Henning begegnet.
Anne und Harald sind glücklich verheiratet. Warum andere, verheiratete Menschen fremdgehen, ist ihr ein Rätsel. Denn mit ausgefallenen Spielen bietet sie ihrem Mann so viele Abwechslungen, dass er nicht den Verlockungen anderer Frauen erliegen kann.

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