
Ein Messer, eine Villa und ein verschwundener junger Mann
Die Hauptkommissare Waldemar Flottmann und Gustav Hilgersen werden in eine Nobelvilla im Husumer Ortsteil Schobüll gerufen. Caroline Voigt hat dort Blutspuren und ein zurückgelassenes Messer entdeckt. Bei der Befragung erklärt sie, sie sei mit Alexander, dem Sohn des Hausherrn Wilhelm Küster, befreundet. Nach einem Streit habe er sie am Vorabend jedoch aus dem Haus geworfen. In der Hoffnung auf eine Versöhnung sei sie zurückgekehrt – und habe die Spuren gefunden.
Für die Ermittler zählt jede Minute: Niemand weiß, ob Alexander noch lebt. Weder der geschäftlich verreiste Vater Wilhelm noch der in Kiel studierende Bruder Erik können Hinweise geben. Einzig eine sichergestellte SD‑Karte der Überwachungskameras verspricht Aufschluss.
Ein Angriff vor laufender Kamera – und ein Täter ohne Gesicht
Die Aufzeichnung zeigt eindeutig, wie ein vermutlich verkleideter Täter Alexander mit einem Messer attackiert. Anschließend versucht der Unbekannte vergeblich, den Tresor zu öffnen. Kurz darauf taucht an der Seebrücke ein Schuh des Vermissten auf, doch selbst ein Hundeführer findet keine Spur.
Zu allem Überfluss muss Flottmann einen Einbruch in seiner eigenen Wohnung melden – und sein geliebter Kater ist verschwunden. Die Sorge um das Tier belastet ihn zusätzlich.
Ein Knochen aus Strandgut und eine Ärztin mit Spürsinn
Unterdessen entdeckt Flottmanns Bekannte Lena Abendroth in einem Laden eine Skulptur aus Strandgut. Als Ärztin erkennt sie sofort: Das vermeintliche Treibholz ist ein menschlicher Oberarmknochen. Doch bevor sie zugreifen kann, wird das Stück vor ihren Augen verkauft. Lena bleibt nur der Weg zur Künstlerin – und damit beginnt für sie ein gefährlicher Pfad.
Während die Ermittler auf das außergewöhnliche Gehör des Musikers Leon Gerber setzen, wird an der Seebrücke ein weiterer Toter gefunden. Lena folgt ihrem eigenen detektivischen Instinkt, ohne zu ahnen, wie nah sie der Gefahr bereits ist.
Nordfriesische Geschichte, versunkene Orte und moderne Ermittlungsarbeit
Der in Husum geborene Gerd Kramer verwebt in seinem Küstenkrimi Tod an der Seebrücke nicht nur Lokalkolorit, sondern auch historische Hintergründe. Er erklärt die Bedeutung der sogenannten Faschinen – Reisigbündel zur Landgewinnung – und verweist auf die Wattströme zwischen Pellworm, Nordstrand und Eiderstedt.
Immer wieder tauchen die Namen versunkener Orte auf: Hersbüll, das 1634 vollständig zerstört wurde, und Rungholt, der legendäre Handelsort, der in den Sturmfluten von 1362 und 1634 unterging. Nur Pellworm und die Halbinsel Nordstrand blieben übrig.
Spannung, Technik und norddeutscher Humor
Flottmann und Hilgersen nutzen modernste Technik: 3D‑Laserscanner, Tachymeter und die seit den 1960er‑Jahren bekannte mitochondriale DNA‑Sequenzierung. Kramer versteht es, Spannung aufzubauen, indem er an den dramatischsten Stellen die Perspektive wechselt und so den Leser immer weiter antreibt.
Für Auflockerung sorgen die liebevollen Frotzeleien der Kommissare – wenn Waldemar Flottmann zu „Waldi“ und Gustav Hilgersen zu „Gustl“ wird. Der Krimi ist nicht nur spannend und informativ, sondern weist ganz nebenbei auch auf die Gefahren des auflaufenden Wassers im Watt hin.
