Der rätselhafte Sturz – Was geschah wirklich mit Zac Brettler?

Cover von Der Sohn des Oligarchen von Patrick Radden Keefe

Ein Todesfall, der Fragen aufwirft

Als der Investigativjournalist Patrick Radden Keefe während einer privaten Reise im Jahr 2023 vom Tod eines Neunzehnjährigen hörte und mit dessen nach Antworten suchenden Eltern Mathew und Rachelle Brettler sprach, informierte er nach ersten Recherchen die Presse, der die Eltern zuvor kein Wort gesagt hatten. Schließlich entstand daraus das Buch Der Sohn des Oligarchen*.

Ein hochbegabter Junge und ein gefährliches Umfeld

Zachary, genannt Zac, verfügte laut seinen Eltern bereits als Zehnjähriger über ein „enzyklopädisches Wissen“. Nachdem ihn die Schule seines älteren Bruders Joe zweimal abgewiesen hatte, wurde er auf einer anderen Privatschule aufgenommen. Zur gleichen Zeit rief der Zusammenbruch der UdSSR Oligarchen auf den Plan, eine „aufsässige Bruderschaft von Banditen“, denen London bereitwillig Asyl gewährte. Der Autor beschreibt ihre weitreichenden Verbindungen, die er mit Synapsen im menschlichen Gehirn vergleicht.

Faszination für Macht und Reichtum

Zac war fasziniert von „hochnäsigen exsowjetischen Sprösslingen“ und bewunderte „reiche Gangster und Autokraten“. Anfang 2019 lernte er den Geschäftsmann Akbar Shamji kennen, während seine Eltern sich über das Vermögen ihres Sohnes wunderten. Sie fragten sich, ob er dealte oder in illegale Geschäfte verwickelt war. Am 28. November 2019 verschwand Zac plötzlich. Akbar erzählte Rachelle Brettler später, Zac habe sich als Sohn eines russischen Oligarchen namens Zac Ismailov ausgegeben – eine Nachricht, die sie schockierte.

Der Sturz vom Riverwalk

Am 29. November 2019 stürzte ein junger Mann vom Balkon des Riverwalk, einer von der Presse als „Geistervilla“ bezeichneten Anlage. Erst nach dem Ablaufen des Wassers gab die Themse die Leiche frei, die Tage später als Zac identifiziert wurde. Es blieben viele Fragen: Wie gelangte Zac in diese Kreise? Warum wurde er von Akbars indischem Freund Verinder Sharma, einem brutalen Gangster, quasi in die „Familie“ aufgenommen? Und hatten beide seine Hochstapelei durchschaut?

Verdächtige Abläufe und widersprüchliche Aussagen

Die Sicherheitskamera des Riverwalk-Komplexes zeichnete die letzten Augenblicke vor dem Sprung auf. Akbar Shamji verließ kurz zuvor das Gebäude und kehrte wenig später zurück, während Verinder Sharma im Zimmer war. Beide wurden von Scotland Yard getrennt befragt. Keefe schildert ausführlich die Hintergründe: Akbars Vater konnte einst eine große Geldsumme in die Schweiz transferieren, die den Grundstein für ein weit verzweigtes Firmengeflecht legte.

Geldwäsche, Gewalt und brisante Einblicke

Der Autor zeigt, dass Geldwäsche in diesem Umfeld Menschenleben gekostet hat. Die Vernehmungen von Akbar und Verinder – auch bekannt als „Indian Dave“ – werden im Buch anhand originaler Handy-Nachrichten wiedergegeben. Ebenso schildert Keefe wortgetreu die Erinnerungen von Zacs Weggefährten.

Ermittlungsfehler und mögliche Vertuschung

Mathew Brettler engagierte einen Privatdetektiv, doch auch dieser konnte nicht alle Fragen klären. Keefe weist dem leitenden Ermittler Rory Wilkinson grobe Fehler nach, die möglicherweise absichtlich begangen wurden. Eine mitgeschnittene Originalaufnahme zeigt, wie sich der Scotland-Yard-Mitarbeiter in Widersprüche verstrickte. Laut Keefe stufen britische Behörden Morde durch mutmaßliche Kreml-Killer häufig als Unfall oder Suizid ein, bevor sie weiter ermitteln.

Ein vielschichtiges Werk voller Abgründe

Keefes Enthüllung reicht von Erinnerungen an einen Privatzoo und den Bau der Uganda-Bahn, die viele Todesopfer forderten, bis hin zu KZ-Häftlingen und dem Aufstieg der Partydroge Ecstasy. Sein Buch umfasst fünfzig Seiten Anmerkungen und er dankt über hundert Personen – ein Werk, das nur mit einem großen Team und intensiver Recherche entstehen konnte. Über die Ängste, die der Autor während seiner Aufdeckungen erlitten haben mag, lässt sich nur spekulieren.

Der Sohn des Oligarchen von Patrick Radden Keefe

Cover von Der Sohn des Oligarchen von Patrick Radden Keefe
Übersetzung von Hannes Meyer
Carl Hanser Verlag 2026
Hardcover mit Schutzumschlag
448 Seiten
ISBN 978-3-446-28300-8

Bildquelle: Carl Hanser Verlag

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