Mord in Sunset Hall von Leonie Swann

Mord in Sunset HallWährend die Mitglieder der Senioren-WG in dem Kriminalroman Mord in Sunset Hall* von Leonie Swann eine Krisensitzung abhalten, erfahren sie durch die Polizei, dass ihre Nachbarin Mildred erschossen im Liegestuhl auf ihrer Veranda aufgefunden wurde. Dabei haben Agnes Sharp, die Gründerin der Wohngemeinschaft, Edwina, Marschall, Winston, Bernadette und Charlie schon genug wegen ihrer tot im Schuppen liegenden Mitbewohnerin Lillith um die Ohren. Agnes stattet Isobel, der Zwillingsschwester von Mildred, einen Besuch ab, der ihr allerdings keine neuen Erkenntnisse bringt. Inspektorin Locke und ihr Kollege Tom verraten ihnen, dass Mildred mit derselben Waffe wie Lillith erschossen wurde. Da sämtliche WG-Bewohner von der Polizei verhört und vermutlich auch der Morde verdächtigt werden, entschließen sie sich dazu, auf eigene Faust zu ermitteln und sie fahren ins Dorf nach Duck End. Doch dann wird eine weitere Person erschossen und ein Unbekannter hat die Mordwaffe provokativ bei ihnen zu Hause auf den Tisch gelegt.

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Kein Held von Valentin Moritz

Kein HeldAn seinem neunzigsten Geburtstag bittet Josef Mutter seinen Enkel Valentin Moritz, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, die dieser in dem Buch Kein Held* veröffentlicht hat. Während ein Videospiel das Leben des Autors in den neunziger Jahren bestimmte, die für ihn „ein goldenes Jahrzehnt“ waren, trat sein Großvater in diesem Alter dem Jungvolk bei, und während Valentin Moritz eine Band gründete, ein Studium absolvierte und berufliche Perspektiven hatte, hat der Krieg Josef Mutter, wie so viele seiner Generation, in Verzweiflung und Elend gestürzt.

Sein Großvater wurde im Jahr 1922 in Niederdossenbach geboren, einem Dorf mit nur sechzehn Häusern unweit von Bad Säckingen. Er erinnert sich an die Wohnverhältnisse und daran, wie auch schon die Kinder zu anstrengenden Arbeiten auf dem Hof herangezogen wurden, an die Mahlzeiten und seinen Schulalltag, an die Inflation, den Aufstieg der Nazis und an Kriegsgefangene, die als Knechte, Mägde oder Waldarbeiter eingesetzt wurden.

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Interview mit der Autorin Gabriela Kasperski

Gabriela Kasperski
Bildquelle: Gabriela Kasperski
Gariela Kasperski wurde in den Sechzigerjahren in Thalwil, einer Gemeinde am Zürichsee, geboren. Nach einem Anglistikstudium hat sie neben einer Reihe weiterer Tätigkeiten als Moderatorin beim Rundfunk und Fernsehen sowie als Theaterschauspielerin gearbeitet. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt sie in Zürich.

Gabriela, jetzt musst du mich als erstes einmal darüber aufklären, wie man sich bei euch in Zürich richtig begrüßt. Mit einem „Grüezi“, „Griezi“ oder „Grüesseich“? Oder einfach mit „Sali“ oder „Salü“?

    Das kommt drauf an, ob man sich siezt oder duzt. Beim Duzen ist es „Hoi“ oder Hallo, wie bei euch 🙂. „Sali“ sagen eher ältere Menschen, meine Mutter zum Beispiel. Beim Siezen ist es Grüezi, klar, allerdings hält auch da das Hallo Einzug. Die Umgangssprache ist wie überall in ständiger Veränderung. Außerdem ist es je nach Dialekt anders, Grüessich ist eher Berndeutsch, Griezi eher Baseldeutsch. Einfach kompliziert, wie überall.

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Whisper Network von Chandler Baker

Whisper NetworkSexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wird häufig aus Scham nicht zur Anzeige gebracht und nach einem Artikel auf Tagesschau.de ist in Deutschland jede achte Frau davon betroffen. In dem Roman Whisper Network* von Chandler Baker arbeiten Ardie Valdez, Grace Stanton und Sloane Glover als Justiziarinnen bei Truviv in Dallas, dem Weltmarktführer für Sportbekleidung. Als der Geschäftsführer Desmond Bankole plötzlich einen Herzinfarkt erleidet und stirbt, ist Chefjustiziar Ames Garrett für dessen Nachfolge im Gespräch. Die drei Frauen haben ihn auf ihre BAD-Liste gesetzt und konnten nicht ahnen, dass ihre „Begrapscher-aus-Dallas-Liste“ veröffentlicht wird. Sie müssen eine Entscheidung treffen: Entweder verklagen sie ihre Firma und den Chef, bevor er befördert wird, oder sie riskieren den finanziellen Ruin. Ihre Entscheidung setzt eine Tragödie in Gang.

Dass Chandler Baker im Zusammenhang von der neu zu besetzenden Stelle konsequent nur von einem CEO spricht, hätte vielleicht bei der deutschen Übersetzung mit Vorstandsvorsitzenden erklärt werden können. Im Plot erwähnte TV-Folgen werden einem deutschen Leser vermutlich genau so fremd sein wie „ein Dixi-Klo am dritten Tag von Coachella“.

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Bretonisch mit Meerblick von Gabriela Kasperski

Bretonisch mit MeerblickDie fast fünfzigjährige und geschiedene Schweizerin Tereza Berger hat von ihrer Tante Annie Gisler ein Haus in Camaret-sur-Mer auf der Halbinsel Crozon geerbt, dass sie verkaufen will. Bevor sie der Maler Severin Lukesch zum Haus führt, macht sie die Bekanntschaft der Surflehrerin Ayala Ngkachana, die ihr von der gefährlichen Strömung im Atlantik erzählt und auch von den zwei Toten in diesem Frühjahr: Bruno und Ronan. Einer alten bretonischen Sage nach fordert die Strömung „Morwen“ alle einhundert Jahre drei Tote, so dass in diesem Jahr noch ein weiteres Opfer im Meer ertrinken wird. Das, so erfährt Tereza, würde sich in einem geringeren Verkaufspreis niederschlagen. Als sie endlich an der „Villa Wunderblau“ ankommt, ist sie von dem verfallenen Haus mit morschen Treppenstufen und nicht funktionierendem Wasser einerseits enttäuscht, findet es andererseits aber auf „schäbige Weise grandios“.

Schon nach der ersten Nacht, die Tereza in der Villa verbracht hat, erhält sie Drohungen in Form von Schmierereien, die am Fenster der zum Haus gehörenden Bibliothek ihrer Tante angebracht wurden. Zudem hat sie das Gefühl, von einem „Kapuzenmann“ beobachtet zu werden, was ihr Angst bereitet.

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#CrashTag von Martin Brückner

#CrashTagFriedrich Graber ist Wirtschaftsredakteur bei der Neuen Frankfurter Zeitung und hat, wie sein Idol Steve McQueen, ein Faible für schnelle Autos, insbesondere für Modelle aus der Filmgeschichte. Auf der Website crashtag.com, die von ausgebrannten Luxusautos berichtet, liest er von dem Unfall eines Lamborghini Miura, der sich in Bangkok ereignet hat. Wenig später wird ein weiterer Unfall vermeldet: Sebastian Wirt, Geschäftsführer der Wirt AG, die auf autonomes Fahren setzt, kommt mit seinem Porsche 911 Carrera 2.7 RS in Nizza von der Fahrbahn ab, der Wagen fängt Feuer und der Fahrer verstirbt. Auf der Website ist weiterhin zu lesen, dass Klaus Polanski den Porsche, der offensichtlich nur Schrott war, an Wirt verkauft hat, was Friedrich Graber aufhorchen lässt.

Der Journalist stattet Klaus Polanski für eine neue Story einen Besuch ab. Als Friedrich Graber feststellt, dass seine Playstation gehackt wurde, bittet er seinen Freund und IT-Spezialist Titus Boyst, alles über Polanski herauszufinden. Leider meint es das Schicksal mit Graber nicht gut, denn sein neuer Ferrari Dino wird ihm gestohlen.

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Zwischen Bühne und Abgrund: Anne Enrights Roman Die Schauspielerin

Buchcover des Romans Die Schauspielerin

Die Suche nach der Mutter

In ihrem Roman Die Schauspielerin* lässt Anne Enright die Ich-Erzählerin Norah der Frage nachgehen, wer ihre Mutter wirklich war – nicht nur als öffentliche Figur, sondern als Mensch. Für Norah ist es bereits rätselhaft, dass ihre Mutter, die Schauspielerin Katherine O’Dell, ihren Geburtsort London geheim hielt. In Irland feierte Katherine erste Erfolge, die ihr als Sprungbrett für eine Karriere dienten, die sie ab Mai 1948 für dreiundzwanzig Jahre an den Broadway führte. Norah, die 1952 in Brooklyn geboren wurde, erinnert sich an die vielen Zigaretten, die ihre Mutter rauchte, und an deren übermäßigen Alkoholgenuss.

Der Zusammenbruch einer Schauspielerin

Schon früh berichtet Norah von einem Vorfall im Jahr 1980, bei dem ihre Mutter den Filmproduzenten Boyd O’Neill in den Fuß schoss.

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Bedrohung aus dem Mikrokosmos: Uwe Laubs Thriller „Leben“

Buchcover des Thrillers Leben

Ein tödlicher Pilz und ein rätselhafter Krankheitsverlauf

Die aktuelle Covid-19-Pandemie führt eindrücklich vor Augen, wie gefährlich selbst ein winziger Gegner wie das Coronavirus SARS-CoV-2 sein kann. In dem Thriller Leben* von Uwe Laub bedroht ein mutierter Pilz die Menschheit: In München liest Fabian Nowack, Pharmareferent bei Artinova, von einem Massensterben hunderttausender Tiere. Da er selbst zunehmend unter Kurzatmigkeit, Herzrasen und Übelkeit leidet, sucht er seinen Arzt auf. Dieser diagnostiziert anhand einer DNA-Analyse das Werner-Syndrom, das zu vorzeitiger Alterung führt.

Eines Tages stellt sich Dr. Leonie Hauser vom Robert Koch-Institut bei Fabian vor und möchte ihn für ein Forschungsprojekt gewinnen. Da eine großzügige Entlohnung winkt und sich sein Zustand täglich verschlechtert, willigt er ein und begibt sich in die Behandlung bei Prof. Engelmann.

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Die Tränen von Triest von Beate Maxian

Die Tränen von TriestWährend Johanna Silcredi an ihrem dreiunddreißigsten Geburtstag in einem erstklassigen Restaurant in Wien einen Heiratsantrag von Roman erwartet, der allerdings einen Schlussstrich unter die Freundschaft zieht, erleidet ihr Großvater Bernhard einen Schwächeanfall. Als Johanna ihn im Krankenhaus besucht, schenkt er ihr einen einwöchigen Aufenthalt in der Villa Costa in Triest, in der schon ihre Urgroßmutter Afra gelebt hat. Allerdings bittet er seine Enkelin vor Ort in Erfahrung zu bringen, wer sein Vater war. Nach Aussage seiner Mutter Afra wäre es Alfred Herzog gewesen, doch ist dieser bereits 1917, acht Jahre vor seiner Geburt, im Krieg gefallen.

Als Johanna nach Triest aufbricht, bittet die in Hamburg lebende Charlotte von Uhlrich ihre Enkelin Ina, sie zur Beerdigung ihrer verstorbenen Freundin nach Triest zu begleiten. Sie besteht auf der Reservierung von Zimmern in der Villa Costa, was ihre Familie erstaunt, zumal es sich nur um eine einfache Frühstückspension handelt.

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Die Notaufnahmeschwester von Ingeborg Wollschläger

Ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn!

Die NotaufnahmeschwesterWer wie Ingeborg Wollschläger zwanzig Jahre Notaufnahmeschwester war, hat einiges erlebt. In ihrem Sachbuch schreibt sie, wie sie in Pfarrhäusern aufgewachsen ist und sich für eine Ausbildung als Schwesternschülerin entschieden hat. Zunächst arbeitete sie in der Neurochirurgie und der Dialyse, bis sie in die Notaufnahme wechselte. Sie nennt Gründe, warum es dort nicht immer der Reihe nach gehen kann, welche Regeln das Leben für medizinisches Personal sowie Patienten angenehmer machen und wie einmal erlerntes und über die Jahre verloren gegangenes Wissen durch Erfahrung wettgemacht werden kann. Sie weist auf die Bedeutung des Nocebo-Effekts hin und erklärt, was Mediziner unter einem Notfall verstehen. Eine gute Beobachtungsgabe ist ihrer Meinung nach in diesem Beruf unabdingbar.

Interessant sind die vielfältigen Reaktionen, die sie zu ihrem Job als Notaufnahmeschwester erfahren hat, von dem sie allerhand Kurioses und schier Unglaubliches zu berichten weiß. Natürlich hatte sie während ihrer Arbeit auch weniger schöne Erfahrungen machen müssen und eine der Kehrseiten sind unangenehme Gerüche, denen sie unweigerlich ausgesetzt war.

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