
Ein rätselhafter Einsatz in Görz
Als Commissario Lorenzo Medeot in die Questura di Gorizia, das Polizeipräsidium von Görz, kommt, meldet ihm sein Kollege Ispettore Tommaso Bearzot den Überfall auf einen Supermarkt. Beim Eintreffen am Coop-Markt erfahren sie, dass eine Geisel genommen wurde. Kassierer Nicolo Zaghet ergänzt, dass es sich um zwei vermummte Täter handelt, die mit der Geisel geflohen sind. Santino Capello von der Squadra Volante überreicht ihnen einen USB-Stick mit Aufnahmen des Überfalls. Die Auswertung führt zu der Vermutung, dass die Geisel mit den Entführern unter einer Decke steckt.
Verdächtige Zufälle und widersprüchliche Spuren
Zurück auf der Wache wird Lorenzo mit einer Frau konfrontiert, die beim Verkauf von Drogen auffiel und exakt die Bargeldsumme bei sich trug, die im Supermarkt entwendet wurde. Beim Verhör liefert sie jedoch eine plausible Erklärung. Lorenzo glaubt nicht an den Zufall, dass sich zeitgleich ein Dealer aus dem Staub machen wollte. Bei dessen Vernehmung gibt Pietro Lugan zu bedenken, dass die Entführer den offen liegenden Schlüssel zum Tresor hätten ergreifen können, wenn es ihnen um eine große Beute gegangen wäre. Zudem empfiehlt er dem Commissario, den Filialleiter Signor Campodonico zu befragen. Dieser sei vor dem Überfall von Kassierer Nicolo Zaghet – der kein unbeschriebenes Blatt sei – zur Zentrale gelockt worden. Lorenzo kommt der Verdacht, dass der Überfall nur eine Ablenkung war und es eigentlich um einen Entführungsfall geht.
Die verschwundene Schriftstellerin
Wie sich herausstellt, wurde die Schriftstellerin Alexandra Hüttenstätter entführt. Zunächst verdächtigt Lorenzo ihren früheren Geliebten, den Betrüger, Dieb und Kunstfälscher Angelo Cherubini. Doch ausgerechnet dieser erschreckt ihn nachts, als er plötzlich an seinem Gartenfenster auftaucht. Er präsentiert dem Commissario eine Nachricht, die er per E-Mail erhalten hat: Offenbar will man Alexandra gegen ihn austauschen. Doch Alexandra konnte sich inzwischen selbst befreien und hilft bei der Jagd nach einem Phantom mit, über das niemand etwas Genaues weiß.
Ein Krimi voller Tempo und verschlungener Wege
Im Kriminalroman Im Schatten der Zypressen von Andrea Süssenbacher überschlagen sich die Ereignisse nicht erst am Ende, sondern bereits zu Beginn – ein sicherer Garant für das Interesse des Lesers. Mit Schmunzeln verfolgt man die amüsanten Dialoge zwischen Commissario Lorenzo und Angelo Cherubini, die sich bereits aus einem früheren Fall kennen. Lorenzo schätzt seinen Kollegen Tommaso Bearzot als äußerst fähigen Ispettore, hält ihn jedoch auch für tollpatschig, was ihm die Entscheidung erschwert, ihn in brenzligen Situationen einzusetzen.
Viele Namen, viele Perspektiven
Die Autorin macht es dem Leser nicht leicht mit den zahlreichen italienischen Namen, die auseinanderzuhalten sind. Auch die wechselnden Perspektiven verlangen Aufmerksamkeit: Mal sorgt sich Angelo um Alexandra, dann wieder gilt ihre Sorge ihm. Ein glücklicher Umstand für die Ermittlungen ist die Überwachungskamera im Supermarkt – in Italien offenbar verbreiteter als hierzulande, wo dies sicher nicht nur die Polizei begrüßen würde.
Kunst, Fälschungen und große Summen
Andrea Süssenbacher hat ihren in flottem Stil gehaltenen Kriminalroman im Kunstmilieu angesiedelt. Es geht um gefälschte Gemälde, den Verkauf echter Kunstwerke und um viel Geld – ein Umfeld, das die Spannung zusätzlich befeuert.
Im Schatten der Zypressen von Andrea Süssenbacher

Emons Verlag 2018
Taschenbuch
256 Seiten
ISBN 978-3-7408-0287-5