
Die Welt der akrobatischen Buchstaben
Auf der ersten Seite des Kinderbuches Der Buchstabenzirkus von Paulina Jara werden alle Kinder zum großen Spektakel, dem Buchstabenzirkus, willkommen geheißen. Die Manege, so heißt es, ist frei für Akrobatinnen und Akrobaten, die auf der von einem Stift gezogenen Spitze vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen. Dabei balancieren sie große und kleine, bunte Buchstaben auf ihren Händen.
Auf der nächsten Seite hat die Illustratorin Fátima Ordinola die Akrobaten in luftiger Höhe auf den Buchstaben sitzend dargestellt. Dazu heißt es im Text, dass bei einem Sturz jeder auf weichem Gummi eines Radierers landet. Es folgt eine Seite mit fünf Vokalen, an denen die Akrobaten ihr ganzes Können zeigen. Beim Umblättern machen die Kinder Bekanntschaft mit A, I und O sowie, durch kleine Texterklärungen, auch mit B und d.
Dann heißt es: Achtung! Damit das stolze P nicht mit einem kleinen q verwechselt wird, ist Aufmerksamkeit gefragt. Beim m angekommen, ist die Linie, die hier unverständlicherweise zu einem Seil wird, zu Ende. Doch der Buchstabe lässt sich fallen und wird nach einer Drehung zum w. Bevor alle Akrobaten noch einmal hoch aufs Seil gehen und es Trommelwirbel samt Applaus gibt, da das Kunststück gelungen ist, haben noch C und K einen Auftritt. Bis zur nächsten Vorstellung der akrobatischen Buchstaben heißt es: ENde.
Gelungene Illustrationen als größter Pluspunkt
Einzig und allein die von Fátima Ordinola angefertigten Illustrationen können überzeugen, da sie die wenigen Zeilen umfassenden Texte kaum besser hätte umsetzen können. Hervorzuheben ist außerdem, dass sie alle Akrobaten ausschließlich in Schwarz-Weiß dargestellt hat, um das Augenmerk auf die bunten Buchstaben zu lenken.
Schwächen bei den Erklärungen
Den wenig sinngebenden Texten von Paulina Jara kann in dem aus dem Spanischen von Eva Roth übersetzten Kinderbuch Der Buchstabenzirkus nur wenig abgewonnen werden. Und was, bitte schön, soll ein Kind mit der Verwandlung vom großen B zum kleinen d anfangen, wenn das B seinen Bauch und die Brust fallen lässt, den Bauch dann am Hintern wieder ansetzt und so als kleines d davonhüpft?
Weshalb ausgerechnet einer Pädagogin wie Paulina Jara keine sinnvolleren Erklärungen zu den vorgestellten Buchstaben eingefallen sind, ist eine Frage, die sich mancher Erwachsene stellen wird. Zudem werden im Buchstabenzirkus nicht alle Buchstaben unseres Alphabets dargestellt, sondern nur einige wenige. Auch hier darf die Frage gestellt werden, weshalb es manche Buchstaben nicht in die Manege geschafft haben.
Für die Zielgruppe nicht konsequent genug
Zudem irritiert die Kombination aus großen und kleinen Buchstaben, von denen der Vollständigkeit halber stets beide Varianten vorgestellt werden sollten. Denn das Buch richtet sich an Kinder ab sechs Jahren, die noch nicht unbedingt in der Lage sind, große und kleine Buchstaben sicher voneinander zu unterscheiden, was gerade durch das Schlusswort ENde demonstriert wird.
So gut der Ansatz auch sein mag, bereits den Kleinsten die Welt der Buchstaben verständlich zu machen, so wenig kann das Buch dazu beitragen, ihnen Lust auf das Erlernen der Buchstaben zu vermitteln oder sie dazu anzuregen, immer wieder einen Erwachsenen zu bitten, daraus vorzulesen.
Der Buchstabenzirkus von Paulina Jara

Mit Der Buchstabenzirkus wollen Paulina Jara und Fátima Ordinola Kinder spielerisch an Buchstaben heranführen. Wunderschöne Illustrationen treffen dabei auf ein Konzept, das einige Fragen offenlässt.