Rezension: Allgäu Sixties von Peter M. Roese – Zwischen Militärdrill, Minirock und Milchbombengeschwader

Buchcover des Romans Allgäu Sixties

Ein Rekrut zwischen Rockmusik, Zeitgeist und Kaserne

In Allgäu Sixties* erzählt Peter M. Roese mit viel Witz und nostalgischer Tiefe vom Leben als Rekrut auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren in den 1960er Jahren. Die Hauptfigur Rossner, ein freiwilliger Wehrpflichtiger, erlebt gemeinsam mit seinen Kameraden die teils absurden, teils charmanten Seiten des militärischen Alltags.

Es ist die Zeit des Minirocks, der Antibabypille, Twiggy, von Fernsehklassikern wie Bonanza und Mit Schirm, Charme und Melone, von Beat-Club, Apollo-Missionen – aber auch von Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke, Alexander Dubček, dem Vietnamkrieg, dem Mord an John F. Kennedy und der legendären Woodstock-Ära.

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Kindheit im Schatten des Krieges – Eine bewegende Reise durch Barbara Schillings Roman

Cover von Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling

Ein Leben, das mit Angst beginnt

Der Roman Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling beginnt mit der Geburt der kleinen Helene im Mai 1939 in Berlin. Ihre Mutter ist erst 16 Jahre alt, den Vater lernt das Mädchen nie kennen. Kurz darauf bricht der Krieg aus. Helene verbringt unzählige Stunden voller Angst in Luftschutzbunkern, während draußen die Bomben fallen.

Ihr Alltag besteht aus Hunger, Begegnungen mit Flüchtlingen und Ausgebombten. Frieden bedeutet für sie vor allem eines: endlich ruhigere Nächte. Die Schreckensmeldungen über gefallene oder gefangene Soldaten prägen ihr Weltbild – Überleben ist das Einzige, was zählt, notfalls auf Kosten anderer.

Beim Spielen in den Ruinen kommt sie eines Tages mit verseuchtem Wasser in Berührung und erkrankt schwer. Zu Weihnachten 1944 wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein ganzes Brot – ein Wunsch, der viel über die Härte dieser Zeit verrät.

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Wie Vertrauen neu entsteht – Ein Blick in Andrew G. Marshalls Ratgeber

Cover von Kann ich dir jemals wieder vertrauen? von Andrew G. Marshall

Ein Einstieg in die Mechanik von Krisen

Andrew G. Marshall eröffnet seinen Ratgeber Kann ich dir jemals wieder vertrauen? mit einer prägnanten Einführung und einigen statistischen Daten. Er betont, dass die Bewältigung einer Krise nicht in Wochen, sondern in Monaten geschieht – und dass jede Krise nicht nur Gefahr, sondern auch Chance birgt. Anschuldigungen seien wenig hilfreich; stattdessen empfiehlt er, Fragen zu stellen, um ein echtes Gespräch zu ermöglichen. Zudem erläutert er, wie Körpersprache Hinweise auf Unwahrheiten geben kann, und definiert, was eine Affäre überhaupt ist und wo die Grenzen einer echten Freundschaft verlaufen.

Ehrlichkeit, Vertuschung und die Rolle von Sexualität

Marshall plädiert entschieden für Ehrlichkeit, denn häufig sei nicht die Verfehlung selbst das größte Problem, sondern deren Vertuschung. Er beleuchtet die Bedeutung von Sexualität im Kontext von Untreue und widmet sich anschließend den Ursachen, die zu einer Affäre führen können: ein bestehendes Problem, mangelnde Kommunikation und schließlich die Versuchung.

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Toter als tot von Christine Tapking

Toter als totIn „Toter als tot“ von Christine Tapking erzählt Friedrich Webeken, wie er bei einem Spaziergang mit seinem Hund einen toten Jogger im Gebüsch findet. Er sucht schnell den Polizisten Hanne Harms, seinen besten Freund aus Schultagen auf, um mit ihm an den Leichenfundort zurück zu kehren. Doch zu seinem Erstaunen ist die Leiche verschwunden! Er vermutet, dass der Mörder die Leiche während seiner kurzen Abwesenheit weggeschafft hat und glaubt wiederum seinen Augen nicht zu trauen, als er die „Leiche“ kurz darauf vor einem Edeka-Markt spazieren sieht! Er ist sich sicher, dass es sich um den gleichen Mann handelt, trägt er doch noch den Trainingsanzug, der ihm gleich so auffiel.

Ein paar Tage später wird dann aber eben dieser Mann tatsächlich tot aufgefunden. In einer Schubkarre in Lütjens Schuppen. Ausgerechnet da, wo Friedrich es als 14-jähriger im Hormonrausch mit Peter getrieben hat und dabei auch noch von seinem Vater erwischt wurde. Der Tote wurde dummerweise mit der Leine von Friedrichs Hund erdrosselt.

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Ein Krimi, der unter die Haut geht

Warum „Das fremde Kind“ von Olle Lönnaeus so lange nachhallt

Cover von Das fremde Kind von Olle Lönnaeus

Ein Doppelmord und zwei Söhne im Fokus

Im Kriminalroman Das fremde Kind von Olle Lönnaeus müssen Kriminalinspektorin Eva Ström und Kommissar Björn Bernhardsson die brutalen Morde an dem älteren Ehepaar Signe und Herman Jönsson aufklären. Beide wurden durch einen Genickschuss getötet. Für die Ermittler geraten schnell zwei Personen in den Blick: der leibliche Sohn Klas und der Adoptivsohn Konrad. Das mögliche Motiv liegt auf der Hand – ein Erbe von 12 Millionen.

Konrad, inzwischen 45 Jahre alt, hat seine Pflegeeltern seit 13 Jahren nicht mehr gesehen und verließ das Elternhaus bereits mit 17. An seine leibliche Mutter erinnert er sich nur bruchstückhaft: Man beschimpfte sie als „Polackenhure“, und er erinnert sich an eine eintätowierte Nummer auf ihrem Arm.

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Pilz inne Buxe von Ludger Stratmann

Pilz inne BuxeDas als Comic herausgegebene Buch „Pilz inne Buxe“ von Ludger Stratmann kann gar nicht so gut sein, wie Doktor Stratmann, wenn man ihn in seinem Theater in Essen live erlebt! Aber es ist auf jeden Fall so gut gemacht, dass es sich lohnt, einen Blick in die Comics hinein zu werfen, die von Christina Groth-Lindenberg gezeichnet wurden.

Der Ruhrgebietsmensch, hier liebevoll Ruhri genannt, erfährt, dass er den Genitiv und Dativ nach dem Zufallsprinzip einsetzt, was zwar ein Fehler ist, aber man muss auch richtig falsch sprechen! Über Inge erfährt man, dass sie die geheimen erotischen Wünsche ihres Gatten Jupp platzen lassen kann. Und man wird darüber aufgeklärt, dass die glücksbringenden Hormone, die Endorphine, nicht nur beim Joggen vom Körper gebildet werden, nein, sondern auch schon, wenn man der Ehefrau bei der Arbeit zusieht. Wegen eines Verkehrsdeliktes wird Jupp gebeten, ob er Geld „für Leihen hat“ und gibt dann den Rat weiter, innerörtlich nur so schnell zu fahren, wie „mich dat finanziell erlauben kann“.

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Die Orangen des Präsidenten – Abbas Khiders bewegender Roman über Krieg, Folter und Hoffnung

Buchcover des Romans Die Orangen des Präsidenten

Kindheit im Schatten des Irak-Iran-Krieges

In seinem Roman Die Orangen des Präsidenten schildert Abbas Khider die erschütternden Erfahrungen des jungen Mahdi Muhsin während des Irak-Iran-Krieges. Als Achtjähriger verliert Mahdi seinen Vater im Krieg. Zehn Jahre später, am letzten Tag seiner Abiturprüfung, unternehmen Mahdi und sein Freund Ali einen Ausflug, der in einer plötzlichen Festnahme endet. In der Untersuchungshaft wird Mahdi ohne nachvollziehbaren Grund schwer gefoltert und psychisch gebrochen. Die sogenannte „Erziehungsmethoden“ bestehen aus Stromschlägen und grausamen Misshandlungen. In dunklen Verließen leidet er zudem unter Hunger, Krätzmilben und Wanzen.

Hoffnung, Freundschaft und die Brutalität des Regimes

Mahdis einzige Lichtblicke sind die Erinnerungen an unbeschwerte Tage mit seinem Freund Sami – beide waren leidenschaftliche Taubenzüchter. Als Saddam Husseins Geburtstag naht, hoffen die Häftlinge auf eine Amnestie.

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Eine späte Befreiung – und ihre Grenzen

Wie Elfriede Vavrik in „Nacktbadestrand“ über Sexualität im Alter schreibt

Cover von Nacktbadestrand von Elfriede Vavrik

Ein neues Sexualleben mit 79 Jahren

In Nacktbadestrand beschreibt Elfriede Vavrik, wie sie erst im Alter von 79 Jahren zu einem erfüllten Sexualleben findet. Nachdem sie rund vier Jahrzehnte keinen Partner mehr hatte und sich allein behelfen musste, entscheidet sie sich, ein Inserat aufzugeben. Mit deutlich jüngeren Männern – einer soll erst etwa 20 Jahre alt gewesen sein – erlebt sie ihren ersten Orgasmus.

Sie schildert offen, wie sie erstmals verschiedene sexuelle Praktiken ausprobiert, welche Erfahrungen sie dabei macht und wie sich ihr Körper dabei anfühlt. Auch berichtet sie, dass sie Analverkehr ausprobiert habe und Männer über 50 für anspruchsvoll halte, da sie ihrer Ansicht nach viel erwarteten, aber körperlich weniger leisten könnten. Zudem ist sie überzeugt, dass ein kleiner Teil der Männer eine Vorliebe für ältere Frauen habe.

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Im Herzen der Strahlung: Ein Bericht, der unter die Haut geht

Cover von Ich war im Sarkophag von Tschernobyl von Anatoly N. Tkachuk

Ein Einstieg in die Schatten des Kalten Krieges

Ich war im Sarkophag von Tschernobyl von Anatoly N. Tkachuk beginnt mit düsteren Szenarien eines möglichen Atomkrieges. Der Autor schildert Spionagetätigkeiten zwischen der UdSSR und den USA – Tätigkeiten, an denen er selbst als KGB-Agent beteiligt war und die er in der Figur Andrey verarbeitet. Berichte über Inspektionen von Testgeländen nach Atomwaffenerprobungen verdeutlichen das Ausmaß und die verheerenden Schrecken nuklearer Bedrohungen.

Der 24. April 1986: Der Tag, an dem alles eskalierte

Am denkwürdigen 24. April 1986 kommt es zur Reaktorkatastrophe. Um die unsichtbare Gefahr begreifbar zu machen, erläutert Tkachuk die Eigenschaften von Alpha-, Beta- und Gammastrahlung und betont die fatale Tatsache, dass man Strahlung weder hören noch sehen kann.

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Emil Zopfis „Finale“: Ein Kriminalroman zwischen Kletterdrama und emotionalem Abgrund

Buchcover des Romans Finale

Ein verhängnisvoller Sturz in Finale Ligure

Emil Zopfi geht in seinem Roman Finale* ohne Umschweife zur Sache: Eine kleine Gruppe macht sich auf den Weg zur letzten Route einer Kletterwoche im italienischen Finale Ligure. Mit dabei sind Volker, Sabine, Tom, Hina, Felix und die Bergführerin Andrea. Während Andrea noch an den letzten Streit mit ihrem Freund Daniel denkt, geschieht das Unglück.

Der 68-jährige Felix soll Andrea sichern. Sie prüft seinen Bremsknoten, klettert los, zeigt ihm das Erreichen des Standplatzes an und will zum Umfädeln ansetzen – plötzlich stürzt sie in die Tiefe. Die Gruppe ist fassungslos. Alle blicken auf Felix, den sie „Opa“ nennen, der sich selbst als Kletteranfänger ausgegeben hatte. Andrea überlebt schwer verletzt. Während der dramatischen Bergung fürchtet sie, vor Schmerzen zu sterben.

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