Winterwissen, das überrascht: Faszinierende Fakten über die kälteste Jahreszeit

Buchcover: Winter- Porträt einer Jahreszeit von Monika Offenberger

Vom Kalender bis zum ersten Schneefall

Nach einer Einführung zur Stellung der Erde zur Sonne, die maßgeblich für die Jahreszeiten verantwortlich ist, beginnt Monika Offenberger ihre Buchserie über die vier Jahreszeiten mit der ihrer Meinung nach „außergewöhnlichsten Zeit im Jahr“: dem Winter. Von der Wortherkunft ausgehend spannt sie den Bogen vom altrömischen Mondkalender über den Julianischen bis hin zum heute gültigen Gregorianischen Sonnenkalender. Sie schreibt über den Sternenhimmel und die Sternbilder und erklärt, warum sowohl der astronomische als auch der kalendarische Winteranfang in den Dezember fallen, obwohl vielerorts bereits Mitte November der erste Schnee fällt.

Wetter, Klima und die Entstehung von Schneeflocken

Die Autorin erläutert die Wetterlagen von Hoch- und Tiefdruckgebieten, deren Entstehung sowie die Bedingungen, die abrupten Kälteeinbrüchen mit starken Schneefällen vorausgehen. Zudem macht sie deutlich, dass unsere Winter künftig nach einem Szenario der Klimaforschung aufgrund der Meereisschmelze in der Arktis deutlich kälter ausfallen könnten. Auch die komplexe Entstehung von Schneeflocken und die Einzigartigkeit ihrer Kristalle vermittelt sie verständlich.

Wie Pflanzen und Tiere den Winter überstehen

Vielfältige Vorbereitungen sind bei Pflanzen erforderlich, bevor sie im Herbst ihre Blätter abwerfen können. Nachdem sich diese leuchtend gelb, orange oder rot verfärbt haben, müssen sie abgestoßen werden, um keinen Frostschaden zu erleiden. Um den Winter zu überstehen, ziehen Zugvögel bekanntermaßen in den Süden, während Tiere wie Eichhörnchen oder Igel Winterruhe beziehungsweise Winterschlaf halten. Doch Monika Offenberger beantwortet auch die Frage, was mit Schmetterlingen, Bienen, Reptilien oder Fischen geschieht, für die bereits kleinste Abweichungen lebensbedrohlich sein können.

Gesundheit, Brauchtum und gesellschaftliche Veränderungen

Landwirte müssen sich an die Erderwärmung anpassen, zuvor nicht heimische Mückenarten übertragen gefährliche Krankheiten, und Modellrechnungen zeichnen ein düsteres Bild der Zukunft. Darüber hinaus werden Winterdepressionen, Grippe, die Ursachen von Erkältungen, Erfrierungen und das Eisbaden thematisiert, bevor die Autorin auf traditionelles und modernes Brauchtum eingeht. Besonderes Augenmerk legt sie auf den Advent, die Weihnachtszeit und die „Geburt“ des ersten Weihnachtsbaums.

Raunächte, Karneval und Winter in der Kunst

In den Winter fallen die mit Aberglauben verbundenen Raunächte sowie die fünfte Jahreszeit. Offenberger erklärt dabei die Herkunft der Begriffe Karneval und Fasching. Während Skifahren und Eislaufen zu den klassischen Wintersportarten zählen, verdeutlicht auch die Bildende Kunst das Leben in der kalten Jahreszeit. So zeigt ein Stahlstich frierende Menschen, die in London bei der Polizei für einen Übernachtungsschein anstehen, von denen fast eine halbe Million ausgestellt wurden.

Literatur, Musik und sprachliche Ursprünge

Monika Offenberger widmet sich anschließend der winterlichen Lyrik und Prosa, die sie mit zahlreichen Zitaten belegt. Dazu gehört auch die spannende Geschichte einer winterlichen Alpenüberquerung. Ebenso betrachtet sie die Musik, deren Kompositionen das winterliche, vor Kälte erstarrte Leben widerspiegeln. Dass die Autorin sich bei ihren wissenschaftlichen Ausführungen von einem Meteorologen, einer Geologin, einem Pfarrer, einer Literaturwissenschaftlerin, einem Germanisten, einem Kunsthistoriker sowie einem Musikpädagogen und Komponisten beraten ließ, wird von Beginn an deutlich. Denn wer könnte schon den Ursprung von Redewendungen erklären oder Wörter ableiten, ohne Kenntnisse der alt- oder mittelhochdeutschen Sprache zu besitzen?

Historische Schicksale und soziale Ungleichheit

Am Beispiel des früh verstorbenen Komponisten Franz Schubert beklagt die Autorin die bis heute bestehende „Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich“. Sie erinnert zudem an die Holzbringung, die vor der Erschließung von Forststraßen zahlreiche Menschenleben forderte, sowie an das im Dezember 1916 durch Lawinenabgänge entstandene Massengrab auf der Marmolata in den Dolomiten.

Ein Sachbuch voller erstaunlicher Entdeckungen

Die Lektüre des mit statistischen Auswertungen, Bildern und umfangreichen Quellennachweisen ausgestatteten Sachbuchs Winter – Porträt einer Jahreszeit ist alles andere als langweilig. So erfährt man unter anderem, wie die Anordnung der Blutgefäße von Wasservögeln verhindert, dass ihre Beine auf dem Eis festfrieren. Ebenso wird erläutert, dass die Inuit über ein Denisova-Gen verfügen, das ihnen beim Überstehen extremer Kälte hilft, und dass bereits vor fünftausend Jahren Gleitschuhe aus Pferde- und Ochsenknochen hergestellt wurden, um sich schneller fortzubewegen.

Das äußerst informative Buch, das zahlreiche Randgebiete des Winters streift, überzeugt mit verblüffenden, erstaunlichen und zugleich faszinierenden Erkenntnissen.

Winter- Porträt einer Jahreszeit von Monika Offenberger

Buchcover: Winter- Porträt einer Jahreszeit von Monika Offenberger

Warum frieren Wasservögel nicht am Eis fest? Wie überleben Tiere den Winter? Monika Offenberger verbindet Klima, Natur, Geschichte und Brauchtum zu einem faszinierenden Porträt der kältesten Jahreszeit.

    Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 256
    Genre: Sachbuch

Bildquelle: Frankfurter Allgemeine Buch
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