
Ein freier Sonntag, der abrupt endet
Anna Apostolakis, die forensische Psychologie studiert hat und bei der Athener Polizei in der Wirtschaftskriminalität arbeitete, bevor sie auf dem Peloponnes mit Mord und Totschlag zu tun bekam, macht es sich an ihrem freien Sonntag auf der Sonnenliege am Hotel ihrer Eltern gemütlich. Plötzlich taucht ihr Vater mit ihrem Kollegen Loukas Petritsis von der Kripo Kalamata auf.
Sie haben keine Zeit zu verlieren: Jugendliche haben unter einem Kaíki, einem Fischerboot, eine Leiche entdeckt. Vor Ort treffen sie auf die bereits eingetroffene Spurensicherung, denn ihr Kollege Ioannis Lygouris, der selbst oft genug mit einem Fischerboot hinausgefahren ist, geht von Mord aus. Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass sich jemand in seinem eigenen Netz so verheddert, dass er darin ertrinkt.
Eine tote Fischerin und ein Netz voller Fragen
Anhand der Lizenznummer wird der fast taube Grigoris Mitropoulos als Besitzer des Kaíki ermittelt. Seine Enkelin Nina Mitropoulou erkennt in der Toten ihre Schwester Zoí, eine Fischerin. Polizeitaucher entdecken Felsbrocken auf dem Netz am Grund – ein Hinweis darauf, dass jemand einen Tauchgang von Zoí provoziert haben könnte, um sie zu töten.
Für die Ermittler ist es rätselhaft, dass Zoí nicht in ihrer heimatlichen Umgebung von Kalamata gefischt hat, sondern in Kardamíli. Kollege Pavlos Lekkas findet heraus, dass die Tote einen Umwelt‑ und Naturschutzblog betrieben hat, womit sie sich Feinde gemacht haben könnte.
Ein Handyvideo und eine rekonstruierte Tat
Da Zoís Handy nicht an Bord gefunden wurde, wenden sich die Ermittler erneut an die Jugendlichen, die das treibende Boot entdeckt haben. Dass sie das Handy der Toten unberechtigt an sich genommen haben, ist weniger bedeutsam als die Tatsache, dass sie alles gefilmt haben, wie sie es vorgefunden haben.
So können Anna und Loukas an Bord eines alten Kaíki ihres Großvaters das mögliche Geschehen nachstellen. Ihr Fazit: Der oder die Täter müssen die Tat geplant haben und entweder aus Hass oder Angst gehandelt haben.
Geheime Liebe, ein Häuschen am Meer und ein abruptes Ende
Nachdem Anna und Loukas erneut mit Nina sprechen, erfahren sie, dass Zoí einen Freund namens Akis hatte, den sie heiraten wollte. Doch durften weder ihre noch seine Familie von der Beziehung erfahren.
Am Meer finden die Ermittler ein Häuschen, das sich die beiden jungen Leute gemütlich eingerichtet hatten. Dann erhält Anna eine Nachricht von Akis, der sie dringend sprechen möchte. Er nennt einen Markt, an dem er sich am nächsten Tag mit ihr treffen will. Doch was Anna dort vorfindet, übertrifft ihre Erwartungen – und zu allem Überfluss werden sie und Loukas vom Fall abgezogen, den zwei Ermittler aus Athen übernehmen.
Viele Namen, viele Rollen – und wenig Dank
Beim Lesen des Griechenland‑Krimis Taverne der toten Fischer* klingeln dem Leser angesichts der vielen griechischen Namen, die nur schwer im Gedächtnis bleiben, die Ohren. Neben den Hauptermittlern gibt es zahlreiche Kollegen und weitere Handlungspersonen:
Stavros Roussos ist der Chef der Kripo von Kalamata, Aristoteles Samolis ein weiterer Polizeichef und Alékos Vounaris ein Vize‑Chef. Pavlos Lakkas rechnet sich offensichtlich Chancen bei Anna aus, während Loukas Petritsis genau ihr Typ ist und mit ihr ein gutes Team bildet.
Obwohl beide mit vollem Einsatz sogar ihr Leben riskieren, hören sie von ihrem stets mehr fordernden Chef Stavros Roussos kein Wort des Dankes.
Griechische Sitten, Umweltprobleme und ein zweiter Fall
Katerina Catakis lässt in den Plot zahlreiche in Griechenland übliche Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche einfließen, darunter Beerdigungsriten und das Totenklagen. Kritisch merkt sie die Überfischung des Mittelmeeres durch das missachtete Verbot internationaler Fischtrawler an sowie den Anstieg der Wassertemperatur, der die Seegraswiesen verkümmern lässt.
Der spannende Krimi Taverne der toten Fischer* ist bereits der zweite Fall, in dem Kommissarin Anna Apostolakis ermittelt. Catakis verfasst ihn überwiegend im Erzählstil mit nur mäßig eingesetzter wörtlicher Rede.
Für die Ermittler fügen sich die Puzzleteile erst mit einem zweiten Mordopfer zusammen, als zu dessen Beerdigung eine Fernsehmoderatorin anreist. Der Leser wird – wie die Ermittler – immer wieder mit neuen Fakten und Wendungen konfrontiert, was ihn von Anfang an neugierig auf den weiteren Verlauf macht.
Taverne der toten Fischer von Katerina Gatakis

Gmeiner Verlag 2026
Klappenbroschur
320 Seiten
ISBN 978-3-8392-8108-6