Iris Schubert ist Dozentin für Lyrik und alleinerziehende, chaoserprobte Mutter der dreijährigen Laura. Sie ist als Talkgast zu einer Radiosendung eingeladen, bei der sie für die Bürgerinitiative „S.O.S. Heidenruh“ Position beziehen soll. Ihr Kontrahent ist die Ferdinand-Mayer-AG und für die Kampagne „Das Erlebnisbad – ein Froschfriedhof“ ist ausgerechnet der Projektleiter Ben Schäfer ihr Gesprächspartner, der als Spezialist für Härtefälle gilt. Erst im Studio trifft sie mit ihm zusammen, was für beide eine Überraschung ist, denn sie kennen sich bereits. Das letzte Mal hat sie ihn vor 25 Jahren auf Jürgens Party nach dem Abitur im Jahr 1989 getroffen und es stand zwischen ihnen Unentschieden.

Schon als Kinder haben die beiden mit Playmobil gespielt, was jedoch in einem Desaster und ihrem Wunsch endete, ihm nie wieder zu begegnen. Als Pubertierende verliebt sich Iris in Christian, mit dem sie eine „Seelenverwandtschaft“ verbindet. Im Gegensatz zu ihr ist er politisch interessiert und sein Lieblingsthema ist der Kapitalismus. Auf Ben trifft sie unerwartet in einer Versammlung der Schule und immer wieder spielt einer dem anderen übel mit. Iris geht mit ihrer Freundin Doro auf Partys und kommt mit Tim zusammen, den sie für die große Liebe hält. Doch auch in dieser Zeit kreuzt Ben erneut ihre Wege und macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Schließlich begegnen sich die beiden nach dem Abitur auf Jürgens Party zum letzten Mal, als Iris gerade unter starkem Liebeskummer leidet und erneut steht es zwischen ihnen Unentschieden. Als über zwei Jahrzehnte später Moderator Ralf Merk seine Studiogäste zum Gespräch bittet, nimmt die Unterhaltung für alle einen ungeahnten Verlauf und der Moderator gerät völlig aus dem Konzept. Der Schlagabtausch gerät zur Farce.

Alexandra Maxeiner lässt ihre Protagonistin in der Ich-Form erzählen, wodurch die Figur der gestressten Mutter besonders authentisch wirkt. In Rückblicken berichtet sie von den Stationen, in denen sie Ben begegnet ist und jedes Mal sorgte er für Chaos. In dem locker leichten, beschwingten Roman hat Alexandra Maxeiner, selbst Jahrgang 1971, den Zeitgeist der 1980er Jahre eingefangen und Leser der entsprechenden Jahrgänge fühlen sich schnell in diese Zeit zurückversetzt. Sie lässt die Popper-Szene wieder aufleben, das Flaschendrehen mit anschließendem Knutschen, das kultige Teetrinken und auch die Lederbändchen an den Handgelenken, wobei auch Musikstücke und ihre Interpreten nicht vergessen wurden. Alexandra Maxeiner erinnert mit der Abholzung der Regenwälder für die von McDonalds gehaltenen Rinderherden an die aufkommende Öko-Bewegung und lässt politische Themen wie den Kalten Krieg in ihren Roman mit einfließen. Von der ersten Seite an unterhält sie den Leser mit einem herrlichen, trockenen Humor und erst auf den letzten Seiten erlöst sie seine Ungeduld, wenn sich die Talkrunde zu einem Showdown steigert. Unentschieden ist ein Buch, das man am besten an einem Stück liest und sich dabei ganz den „alten Zeiten“ hingibt.

Alexandra Maxeiner, Unentschieden, Deutscher Taschenbuch Verlag 2014, Taschenbuch, 192 Seiten, ISBN 978-3-423-21485-8, Preis: 8,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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